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                                       Ein Ruf zur Besinnung


                     1966 Unity School of Christianity,Lee's Summit, Missouri
                    Manifest des Friedens © Deutsche Unity Gesellschaft e. V.

                Herausgegeben mit Genehmigung der Unity School of Christianity,
               Lee's Summit, Mo., USA, von der Deutschen Unity-Gesellschaft für
             prakt. Christentum e. V., 532 Bad Godesberg 5, Deutschherrenstr. ago
                Alle Rechte, auch die der auszugsweisen Wiedergabe vorbehalten
                                        D.U. 11/66 1.-1o. Tausend

  Wir danken für die freundliche Genehmigung des Frickverlages, Peter D'Orazio



Inhalt



Vorwort 1
Vorbemerkung 2
Die Erde — Planet des Unfriedens 3 
Der gesunde Menschenverstand 4
Weltgeschichte als Ideengeschichte 5
Ohnmacht der Antibewegungen 6
Die Stunde der Entscheidung 7
Das Gesicht des Krieges 8
Die Schrecken des Krieges 9
Sinnlosigkeit des Krieges 10
Drohung des Atoms 11
Die Frauen und der Krieg 12
Du sollst nicht töten 13
Überwindung des Krieges  14
Sehnsucht nach Frieden 15
Staats-Vergötzung 16
Die Religionen und der Friede 17
Der Sündenfall des Christentums 18
Kraft der Liebe 19
Menschenbruderschaft 20
Geist der Bergpredigt 21
Verwirklichung des Friedens 22
Friede im Herzen 23
Friede im Heim 24
Friede in der Gemeinschaft 25
Friede unter den Völkern 26
Die Vereinten Nationen und der Friede 27
Die geistige Einung der Menschheit 28
Kinder des Kosmos 29
Der Mensch im kosmischen Zeitalter 30
Evangelium des Friedens 31
Nachwort 32





VORWORT                                                                                                                            1 

    

Der Friede ist für uns alle lebenswichtig. Jeder Mensch sehnt sich nach Frieden und danach, einen Weg zu fin­den, wie er dazu beitragen kann, den Frieden in der Welt herzustellen. Denker erkennen klar, daß Friede durch die einzelnen Menschen kommen muß, und wir glauben, daß jeder Leser in diesem Buch von Rudolf Zimmer und K. O. Schmidt Inspiration und Einsicht finden wird, die ihm dazu verhelfen, in diesen unruhi­gen Zeiten zu einem Friedensstifter zu werden.

Es ist eine besondere Freude für uns, dieses erste Unity-Buch von K. O. Schmidt zu veröffentlichen. Wir hoffen, daß es das erste von vielen sein wird. Wir schätzen an K. O. Schmidt nicht nur das, was er ge­leistet hat, sondern auch das, was er ist. Seit vielen Jahren ist er ein hervorragender Schriftsteller und Lei­ter der Neugeist-Bewegung in Europa, und er ist als ein Mensch bekannt, der das, was er lehrt, auch vorlebt.

Wir freuen uns darauf, in den kommenden Jahren eng mit K. O. Schmidt und anderen zusammenzuarbei­ten, die sich, wie er, ganz der Aufgabe gewidmet haben, der Menschheit die befreiende Wahrheit zu bringen.

Im Geiste der Unity



J. Sig Paulson

Direktor des Department of World Unity



VORBEMERKUNG                                                                                                               2



Als Bürger haben wir die Pflicht und auch das Recht, Selbst zu entscheiden, was ungut, falsch oder echt; Denn was wir jeweils tun und was wir lassen müssen, sagt uns mit Sicherheit das eigene Gewissen.        R. Z.


Zu keiner Zeit wurde mehr vom Frieden geredet als heute — — und zu keiner Zeit wurde weniger für seine Verwirklichung getan. Dabei sehnt sich im Grunde je­dermann nach echtem Frieden. Und immer lauter wird die Frage: Was können wir Einzelnen — als Bürger der verschiedenen Länder und Staaten — tun, um zu wirklichem Frieden auf Erden beizutragen?

Die Antwort auf diese brennende Frage wird in die­sem Manifest des Friedens gegeben. Es wendet sich nicht an das Massendenken, das weithin Nichtdenken ist, sondern ruft den Einzelnen auf, selbst zu denken, seinen gesunden Menschenverstand zu aktivieren, selbständig zu entscheiden und positiv zu handeln, um die ersehnte und bejahte bessere Zukunft in Gedanken, Worten und Taten herbeiführen zu helfen.

Mit Klagen und Anklagen und durch den Kampf gegen einzelne Unmenschlichkeiten und Gedankenlo­sigkeiten wird, wie die bisherige Erfahrung der Mensch­heit lehrt, wenig oder nichts geändert. Dazu sind neue positive Zielsetzungen nötig, ein am eigenen Gewissen orientiertes neues Denken und Handeln.

Es gilt, die Lebenslehre Jesu Christi und aller großen Wahrheitslehrer der Menschheit nicht nur nachzubeten, sondern zu verwirklichen. Es gilt, uns selbst zu ändern, wenn wir die Welt ändern wollen. Der Friede, den wir ersehnen, muß in uns selbst beginnen, wenn wir wün­schen, daß er weltweite Wirklichkeit werde!

Bisher waren es immer nur Einzelne, die sich auf ihr Menschsein und die Gebote der Menschlichkeit besannen und nach ihrem Gewissen handelten. Diese Schrift will dazu beitragen, daß sie aus einer Minderheit zur Mehr­heit werden, die mithilft, daß der Mensch vom heute noch weithin herrschenden Ungeist des Mittelalters frei wird und eine neue Zeit — die eigentliche ,Neuzeit` — heraufzieht.

Möge dieses Manifest des Friedens immer mehr Men­schen in allen Landen — Menschen aller Rassen und Farben, Weltanschauungen und Religionen — zu posi­tivem Denken und einmütigem Handeln inspirieren, damit aus dem gemeinsamen Sehnen und Wünschen be­glückende Wirklichkeit werde: ein von Furcht und Fes­seln freies Leben in Frieden für alle!



DIE ERDE - PLANET DES UNFRIEDENS?                                                                           3


Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen!

Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Söhne heißen!

Bergpredigt


Das schlechte Gewissen der Menschheit hat seit je Mars, den ,Gott des Krieges', nach außen verlegt:

Der der Erde benachbarte rötliche Planet mit seinen beiden Monden „Phobos" und „Deimos" (,Furcht` und ‚Schrecken') wurde zum Planeten des Kriegsgottes Mars und damit zum kosmischen Sündenbock für die eigene Unreife und Unzulänglichkeit der Erdenmenschheit degradiert.

in Wirklichkeit war die Erde bis heute in unserem Sonnensystem der Planet des Unfriedens. ‚Mars' ist nur ein anderer Ausdruck für den in jedem Menschen stek­kenden negativen Zerstörungs- und Selbstzerstörungs­Trieb, der in Krisen- und Kriegszeiten den positiven Selbst- und Lebens-Erhaltungs-Trieb zurückdrängt.

Der Mensch kann, je nachdem, welchem Trieb er folgt, Gott oder Teufel sein. Heute nun hat er die nötige Reife erlangt, um sich vom Ungeist des Mars — von ‚Ares', wie er bei den Griechen, oder Karttikeya, wie er bei den alten Indern hieß — zu lösen und sich für den positiven Trend seines Wesens zu entscheiden: den Drang nach vorn und den Zug nach oben.

Mars, der jahrtausendelang zu Unrecht als ,Vater der Dinge` und Anreger des Fortschritts galt, wird nach den Sagen der Alten (in denen ihr Instinkt für das Rechte sich äußert) durch geistige und sittliche Überlegenheit und durch die Gesinnung und die Künste des Friedens (Eirene) gebändigt .. .

...Wo Eirene, die Göttin des Friedens, erscheint, wird die Bahn frei für die Erneuerung des Menschen und für die Wandlung unseres Planeten Terra — der Keimstatt des Terrors — in eine Heimstatt des Friedens.



DER GESUNDE MENSCHENVERSTAND                                                                             4

Das Problem des Krieges, das alle Menschen gleicher­maßen bewegt, wird hier von zwei Standpunkten aus betrachtet:

einmal von dem des gesunden Menschenverstandes, über den jeder verfügt, der sich nicht durch wirklich­keitsferne Ideologien und Fremdsuggestionen von Mei­nungsmachern einlullen läßt, sondern selbst und selb­ständig zu denken gewöhnt ist,

zum andern von einer mehr kosmischen, außerplane­tarischen Warte, von der aus die eigentlichen, unter der Oberfläche wirkenden Kräfte erkennbar werden.

Von beiden Standpunkten her erweist sich der Mensch als Geistwesen mit einem hoch entwickelten Gehirn, von dem er allerdings nur einen Bruchteil und selbst die­sen unzulänglich aktiviert hat. Von seinen genialen Anlagen und latenten Talenten (= schlummernden Ga­ben), weiß er wenig. Infolgedessen gleicht er einem Kinde, das noch ganz auf der Oberfläche lebt und, ohne es zu wissen, mit Sprengstoff spielt.

Tieferblickende erschrecken zunächst darüber, wie wenig die Menschen ihren Geist und die graue Hirnsub­stanz, die sie zu souveräner Meisterung ihres Daseins und ihrer Lebensprobleme befähigen, positiv betätigen, wie gedankenlos sie dahinleben und die Augen schließen vor dem grausigen Vernichtungsspiel einiger Machtbe­rauschter und der selbstgeschaffenen Gefahr kollektiven Untergangs .. .

Lessing stellte mit Recht die Frage: „Sind wir des­wegen auf der Welt, um uns gegenseitig umzubringen?" Und Vauvenargues antwortete ihm mit der Feststel­lung: „Wenn man das Geheimnis fände, den Krieg zu verbannen und allen Menschen ihre Existenz zu sichern, wieviele unserer Gesetze und Einrichtungen würden uns dann geistlos und barbarisch erscheinen!"

Die Geschichte der Menschheit zeigt, daß die natur­wissenschaftliche Kennzeichnung des Menschen als ,homo sapiens' leicht übertrieben war, weil er von seiner ,Weisheit`, seinem gesunden Menschenverstand bislang nur unzureichend Gebrauch machte und, was er auf­baute, wie ein Kind hinterher wieder weitgehend selbst zerstörte, weshalb Hoffmann von Fallersleben klagte:

„Die Weltgeschichte, wie sie wird gelehrt                                                               In unsern Schulen, ist am Ende doch
Nichts weiter als ein langer Kriegsbericht.
Der Menschheit ganzer Jammer wird erzählt.                                                           Nur Mord und Totschlag ist das Heldentum,                                                            Als gab es weiter keine Ehre mehr
Und weiter kein Verdienst als Schlachten ..."

Daß die Weltgeschichte im wesentlichen als Kriegsge­schichte erscheint, liegt allerdings zum Teil an denen, die Geschichte lehrten und Geschichtsbücher schrieben und über dem vielen Negativen, das sie breit heraus­stellten, das Positive, Wesentliche und wirklich Rüh­menswerte weithin übersahen.

,Geschichte` — das waren für sie vor allem die Kriegstaten der Feldherren und Fürsten, das Hin- und Hergeschiebe der Besitzverhältnisse an Ländern und Völkern, der Mißbrauch der Menschen zu niedrigen Zwecken. Erst in zweiter Linie war Geschichte für sie auch — Kulturgeschichte.

... Nur Einzelne sehen in der Geschichte das Sicht­barwerden der geistigen und ethischen Schichten in der Menschheitsentwicklung. Sie erkannten, daß sie eine Geschichte der Ideen, der Entfaltung der in jedem Men­schen schlummernden Menschlichkeit und der stufen­weisen Entwicklung vom Tier- zum Geistmenschentum ist. Ihnen wurde deutlich, daß der Mensch kein wehr­loses Objekt der Geschichte, der Umstände ist, sondern kraft seines Geistes und der Macht seiner Gedanken bewußter Gestalter der Geschichte sein kann und sein soll.Wird er das, dann richtet er seinen Blick von selbst von der weithin negativen Vergangenheit, von Gewese­nem und Verwesendem, weg in eine positive Zukunft, die darauf wartet, von ihm bewußt geformt zu werden.



WELTGESCHICHTE ALS IDEENGESCHICHTE                                                                   5


„Wenn man auf einer entfernten Insel ein Volk an­träfe, bei dem alle Häuser mit geladenen Gewehren behängt wären und man beständig nachts Wache hielte, so müßte ein Reisender denken, daß diese Insel von Räubern bewohnt sei. Ist es aber mit den euro­päischen Reichen anders? Man sieht hieraus, von wie geringem Einfluß die Religion auf die Menschen ist oder wie weit wir noch von wahrer Religion entfernt sind ..."              Georg Christoph Lichtenberg

Meinungsmacher sagen, daß wir heute im Zeitalter der Massen leben, in dem der Einzelne machtlos sei.

Nun besteht aber jede Masse aus einzelnen Menschen, von denen jeder ein eigenes, in seinen schöpferischen Anlagen einmaliges und zugleich mit seinesgleichen tief innerlich verbundenes Wesen darstellt. Und jeder Ein­zelne lebt und wirkt in Richtung der Gedanken, denen er in seinem Bewußtsein und Gemüt den Vorrang gibt.

Das Entscheidende sind also die Gedanken — und insofern ist die Weltgeschichte eine Geschichte der je­weils vorherrschenden Ideen.

Alles Geschehen in Natur und Leben folgt dem Ge­setz von Ursache und Wirkung. Die Ursachen sind zu­meist geistiger Art, die Auswirkungen geistiger, men­taler und physischer Art. Schuld und Schicksal kommen nicht von außen, sondern von innen. Wer das Weltge­schehen begreifen und sinnvoll darin eingreifen will, muß darum nach innen blicken.

Dann geht ihm auf, daß das, was der Inder Karma (Schicksal) nennt, im Einzelnen wie im Kollektiven, durch das bewußte und unbewußte Denken der Men­schen und die im Unterbewußtsein wie im Kollektiven Unbewußten herrschenden Gedankenströmungen und -tendenzen bestimmt wird.

Und wenn die Vergangenheit so viel leidvolles Karma barg, so deshalb, weil die negativen Gedanken­tendenzen vorherrschten. Um das zu ändern, gilt es, die bewußte Umschaltung auf positives Denken im Geiste der ‚Goldenen Regel' Jesu Christi und der Friedfertig­keit, auf Selbstbejahung, die zugleich Bejahung des Eins­seins mit dem Nächsten und mit dem Ewigen ist, vor­zunehmen.

Dies meint Albert Schweitzer, wenn er in seinen kul­turpolitischen Überlegungen zu dem Schluß kommt, daß die Verwirklichung eines dauernden Friedens auf un­serem Planeten nur durch eine Erneuerung des Denkens im Geiste eines positiv-optimistischen ethischen Aktivis­mus erreicht wird.

Dazu werden hier einige hilfreiche Einsichten und Wegweisungen vermittelt.



OHNMACHT DER ANTIBEWEGUNGEN                                                                              6


Warum — so könnte man hier fragen — waren dann die Friedensbestrebungen, insbesondere nach den bei­den Weltkriegen, erfolglos?

Die Antwort liegt auf der Hand:

Nach dem 1. Weltkrieg erwachte ein militanter Pazi­fismus, der von der stärkeren Gegenwelle des National­sozialismus und Stalinismus hinweggefegt wurde. Nach dem 2. Weltkrieg bemühen sich neue Gruppen von Kriegsgegnern in Wort und Schrift, Aufrufen und Auf­märschen, ihre Forderungen nach Entmilitarisierung, Abrüstung, Atombombenvernichtung und Beendigung des kalten Krieges durchzusetzen.

Wirkliche Erfolge blieben ihnen versagt — einmal, weil ihr Kampf Ausdruck einer verneinenden, einer Anti-Haltung war, die nach dem psychodynamischen ,Gesetz der das Gegenteil bewirkenden Anstrengung' die bekämpften Übel verstärkte, und zum andern, weil ihr Friedensideal im wesentlichen negativ war — Verzicht auf Gewalt —, während der Friede eine positive Macht ist: aktive Friedfertigkeit als Ausdruck gesunden Le­benswillens.

Mit dem affektgeladenen Anti-Denken ist das Pro­blem des Friedens nicht lösbar, wohl aber auf dem Wege der Aktivierung und Förderung aller positiven, lebensbejahenden Tendenzen im Menschen. Keine Revo­lution von außen her, sondern die positive Evolution von innen her beendet die Barbarei des Krieges.

Es geht um die Erfüllung der Forderung Jesu Christi: „Widerstehet dem Übel nicht", weil ihr ihm dadurch nur mehr Macht zudenkt und verleiht; sondern über­windet es streitlos durch das allein Rettende: durch die Bejahung und Verwirklichung seines positiven Gegen­teils, des Guten, durch den neuen Geist der Friedfertig­keit in Gedanke, Wort und Tat — nicht von oben, son­dern von unten her: vom einzelnen Menschen, dessen Macht und Möglichkeiten bisher verkannt wurden!

Dann wird die Friedens-Bewegung zur machtvollsten ethischen Bewegung in der Welt.



DIE STUNDE DER ENTSCHEIDUNG                                                                   7


„Es ist der Friede im Innern, der den Weg zum universellen Frieden freimacht. Sorge darum zuerst für Frieden in Deinem Herzen; dann verwirkliche ihn in Deinem Heim und strahle ihn von dort aus in die Gemeinschaft. Laß den Geist des Friedens von Herz zu Herz schwingen, bis er die ganze Welt durchdringt, erfüllt und verwandelt — durch die Macht Deines friedebejahenden Denkens."       Swami Omkar

Wir leben in einer weltgeschichtlichen Wendezeit und stehen vor der Frage: Kollektiver Untergang oder ge­meinsamer Aufbau einer neuen Welt?

Die Entscheidung liegt nicht allein bei den Staats­männern, sondern ebenso und weit mehr bei jedem Einzelnen. Denn jeder Einzelne verfügt über eine Macht, die bis heute noch nicht voll aktiviert und eingesetzt wurde: über die schöpferische Kraft positiven Denkens, mit der er das Geschick der Menschheit mit bestimmt.

Noch nie war die Gefahr für die Menschheit so groß wie heute. Aber „wo Gefahr ist, wächst das Rettende auch", wie Novalis sagt: das Rettende ist die Erkennt­nis und der bewußte Einsatz der Mensch, Welt und Leben verwandelnden und erneuernden Macht rechten Denkens. Diese Macht liegt in der Hand eines jeden von uns.

Damit wird in der Stunde der Entscheidung die volle Verantwortung in Dein Herz, Dein Haupt und Deine Hand gelegt wie in die meine. Jeder von uns ist unein­geschränkt für alles Geschehen in Gegenwart und Zu­kunft mitverantwortlich, ist dessen Mitursacher — durch sein Denken, seine eigene Gesinntheit, die die im Ge­samtkraftfeld der Menschheit vorherrschenden und sich durchsetzenden Tendenzen mitbestimmt.

Machen wir uns bewußt, was das für die Lösung der Aufgabe bedeutet, Frieden auf Erden aus einem bloßen Wunsch in lebendige Wirklichkeit zu verwandeln!

Es geht nicht darum, daß wir uns dieser oder jener Bewegung anschließen, sondern darum, daß wir selbst in Bewegung geraten und uns als aktives Kraftfeld des Friedens betätigen.Der Geist, der uns beseelt, sei der Geist der Bergpre­digt. Wir werden sehen, daß es keinen höheren Stand­punkt gibt als den, der uns auf die Stufe Jesu Christi erhebt und uns alle Dinge von kosmischer Warte, mit göttlichen Augen, zu sehen ermöglicht. Er ist es, der uns bewußt macht, daß der Friede, den wir alle erseh­nen, in uns selbst beginnen muß.



DAS GESICHT DES KRIEGES                                                                                             8


„Als Gott dem Menschen die Vernunft gab, sollte man meinen, daß sie ihn befähigen werde, sich hinsichtlich des Kampfes ums Dasein über die Tierstufe zu erhe­ben, zumal die Natur ihm keine Waffen gab, um seinesgleichen zu töten."    Voltaire

Der Glaube an die Notwendigkeit oder Unvermeidbar­keit des Krieges gehört in die gleiche Kategorie wie der autoritätsgläubigen ,Untertanen` suggerierte Glaube an die Unvermeidbarkeit des Elend- oder Armseins, der Sklaverei oder der Hexenverbrennungen.

Sogar ein Staatsmann wie Bismarck mußte, in seiner Ansprache an die Vertreter des Norddeutschen Bundes am 29. Juli 1870, einräumen, daß „auch ein siegreicher Krieg an sich immer ein Übel ist, das die Staatskunst den Völkern zu ersparen bemüht sein muß." Später, am 9. Februar 1876, sagte er im deutschen Reichstag: „Die Majorität hat gewöhnlich keine Neigung zum Krieg. Der Krieg wird durch Minoritäten, in absoluten Staaten durch Herrscher oder Kabinette entzündet." Und nicht überhört werde schließlich seine Mahnung:

„Möge jeder, der einen Krieg verhindern konnte und es nicht tat, bedenken, daß das Blut, das in einem sol­chen Kriege vergossen wird, in seinem Schuldbuch steht! Möge ihn der Fluch jedes ehrlichen Soldaten treffen, der für eine Sache stirbt, die er im Herzen verachtet; und möge dieser Fluch schwer auf seiner Seele lasten am Tage des Gerichts!"

Selbst Moltke, der den Frieden auf Erden als unreali­sierbaren Traum wertete, gab zu: „Jeder Krieg, auch der siegreiche, ist ein Unglück für das eigene Volk. Kein Landgewinn, keine Milliarden können Menschenleben ersetzen und die Trauer der Familien aufwiegen."

Selbständiges, freies, nur am eigenen Gewissen orien­tiertes gesundes Denken verabscheut es, auch nur einen Menschen, geschweige denn Millionen Menschen des eigenen oder eines anderen Volkes in den Tod zu schicken.

Aus welchen Motiven wird denn Krieg geführt? Aus Liebe zum Volk etwa? Oder ist der andersartige Glaube eines Nachbarvolkes oder die Veränderung der Landes­grenzen ein zureichender Grund, über unzählige Men­schen Leid, Not und Tod zu bringen? Berechtigt Vater­landsliebe zum Massenmord?

Aber das unbestreitbare Heldentum vieler im Kriege? Heldentum gab es, wie Franz Carl Endres einmal schrieb, auch in den Zeiten der Pest und bei Naturkata­strophen. Aber wie man deswegen weder die Pest noch die Naturkatastrophen verherrlichte, so besteht auch kein Grund, deshalb den Krieg zu idealisieren. Denn alles Leben ist heilig — und heillos ist, was es gefährdet oder vernichtet.



DIE SCHRECKEN DES KRIEGES                                                                                        9


„Des Menschengeschlechtes Brandmal alle Jahrhun­derte hindurch, der untersten Hölle schrecklichstes Hohngelächter ist der Krieg."           F. G. Klopstock

Es gibt viele Nöte auf unserem Planeten. Der Obel größtes aber ist der Krieg. Er ist zugleich jenes, das der Mensch überwinden kann, wenn er nur will.

Blicken wir dem Kriege und seinen Früchten ins Ge­sicht! Was anderes zeigt er uns als verbrannte Erde, zer­trümmerte Städte und Dörfer, vernichtetes Leben, ver­krüppelte oder verlorene Glieder, Kriegsleiden aller Art, trauernde Witwen, verwaiste Kinder, zerstörte Existenzen, Hunger, Armut und Elend ..

... Und nach dem Kriege tobt sich der aufgespei­cherte Haß weiter in unmenschlichen Grausamkeiten aus, in Vertreibungen von Haus und Hof und aus der Heimat. Vergewaltigung, Verstümmelung und Ermor­dung der wehrlosen Bevölkerung durch entmenschte Kreaturen sind im Kriege und nachher an der Tages­ordnung .. .

... Und in den Hinterbliebenen der Gemarterten und Gemordeten wie in den Heimatvertriebenen schwelt der Haß weiter, vererbt sich auf die nächste Generation und wartet auf seine Gelegenheit .

Und mit alledem geht Blindheit für die Wirklichkeit einher:

Der 1. Weltkrieg kostete fast zehn Millionen Men­schen das Leben, der 2. bereits 55 Millionen, und in einem 3. Weltkrieg könnten es mehr als eine Milliarde sein, von der geschändeten Natur und den vernichte­ten Tieren und Pflanzen ganz zu schweigen .. .

Aber der 3. Weltkrieg findet nicht statt.

Denn die Einsicht wächst, daß es nicht die Völker sind, die Kriege wollen und entfesseln, sondern eine Minderheit macht- und gewaltgieriger Besessener, und daß jeder Erdenbewohner mitschuldig wird, der nicht dafür eintritt und durch sein eigenes Verhalten doku­mentiert, daß Menschen aller Rassen, Farben und Re‑

ligionen brüderlich nebeneinander zu leben vermögen, wenn sie friedfertigen Herzens und vom Geiste gegen­seitiger Achtung, Duldung und Liebe erfüllt sind.

Nur an Unwertgefühlen Leidende neigen zu Selbst­vergötzung und Erhebung über die anderen. Der nor­male mit einem gesunden Verstand ausgerüstete Mensch wird immer bereit sein, der Goldenen Regel gegenseiti­ger Förderung den Vorzug zu geben und mit sich und der Umwelt in Frieden zu leben.

Die Einsicht wächst, daß jeder Krieg ein Sieg der Barbarei über die Humanität ist, daß er den Menschen auf seinem Wege zur Verwirklichung des Reiches Got­tes, d. h. des Reiches der Gerechtigkeit und des Wohl­ergehens aller Wesen auf Erden, um tausend Jahre zu­rückwirft. Denn jeder Krieg entfesselt den Zerstörungs­trieb im Menschen, den Teufel in ihm, während es doch gilt, die göttlichen Kräfte seines Wesens zur Entfaltung und Durchsetzung zu bringen.

Das wurde von denen, die selbständig zu denken ver­mochten, seit je erkannt, vom römischen Dichter Vergil, der schrieb (Aeneis XI, 362): „Kein Heil ist in dem Krieg; um Frieden bitten wir Dich alle", bis zu Schiller, der in „Wallensteins Tod" (II, 2) vom Kriege sagt, er sei „schrecklich wie des Himmels Plagen". Doch ist er, ungleich diesen, vermeidbar, weil Menschenwerk.


SINNLOSIGKEIT DES KRIEGES                                                                                       10


„Der Ruhm der tausend Schlachten ist verweht. Was bleibt vom Heldentum? Ein morscher Hügel, Auf dem das Unkraut rot wie Feuer steht."

Konfuzius

Wichtiger als der Blick auf die Schrecken des Krieges ist die Erkenntnis seiner Sinnlosigkeit und Vermeidbar­keit. Was die Geschichtsbücher über die Kriege und ihre Ergebnisse sagen, ist trugvoll, weil sie das Wesentliche übersehen: daß es in keinem Kriege dauernde Gewinner gab, daß jeder ,Sieg` den Keim des nächsten Krieges bil­dete und daß, wie David Hume einmal sagte, „krieg-führende Nationen Betrunkenen gleichen, die sich in einem Porzellanladen raufen: von den körperlichen Schäden abgesehen, müssen sie auch noch den Schaden bezahlen, den sie angerichtet haben ..."

Vom gesunden Menschenverstand aus gesehen, er­weist sich jeder Krieg als Verlustgeschäft. Wenn man die Unsummen zusammenrechnet, die allein die Kriege der letzten 150 Jahre verschlungen haben, ergibt sich, daß mit diesen Summen alle Wünsche der beteiligten Völker hätten erfüllt werden können .. .

Heute kostet die Kriegführung die rüstenden und streitenden Staaten täglich rund eine Milliarde Mark. Ein Volksschüler kann ausrechnen, welche Un­summen den in diesen Staaten lebenden Menschen in hundert Tagen verlorengehen, die der Mehrung des Wohlstands aller hätten dienen können. Und selbst ein begrenzter Krieg ist nicht in hundert Tagen zu Ende, sondern entwickelt, wie die Erfahrung lehrt, die Tendenz endloser Fortsetzung, solange Mars mit Phobos (Furcht) und Deimos (Schrecken) regiert .. .

... Der Astronom Shapley stellte zutreffend fest, daß „von 1939-1945 hunderte von Milliarden Dollar und hunderte von Milliarden Arbeitsstunden vergeudet wurden, um Menschen und Menschenwerk zu zerstören. Mit einem Bruchteil der Hilfsmittel, der Begeisterung und Selbstaufopferung, die für das mörderische Unter­nehmen jener verzweifelten Jahre aufgewendet wurden, konnten wir eine Zivilisation errichten, auf die der ,homo sapiens' wirklich hätte stolz sein können."

Der Dichter gab dem gesunden Menschenverstand Ausdruck, als er ausrief: „Durch Krieg den Volks­schmerz heilen heißt den enthaupten, den Zahnschmerz plagt."

Aber der Krieg ist nicht nur sinnlos, sondern unmo­ralisch, eine Beleidigung des Geistes, der Freiheit und der Würde des Menschen. Zum Wahnsinn vollends wird er heute, weil er im friedlichen Hinterland mehr zer­stört als an den Fronten, weil er Vernichtung aller durch alle bedeutet, weil er den ganzen Planeten in ein Schlachtfeld verwandelt, weil in ihm der Mensch sich selbst erniedrigt und verteufelt und sich gegen sich selbst wendet, ohne dafür anderes einzutauschen als Ver­zweiflung und Not, Ekel und Elend.



DROHUNG DES ATOMS                                                                                                    11


„So sei verflucht der Krieg! Verflucht das Werk der Waffen!

Es hat der Weise nichts mit ihrem Wahn zu schaffen." Li-Tai-Pe

Anscheinend hat unsere Generation aus den Erfahrun­gen der beiden Weltkriege nichts gelernt. Und schon wächst eine neue Generation heran, die die grausigen Schrecknisse des Krieges nur vom Hörensagen kennt und den Ernst der Lage nicht zu ermessen vermag.

Wiederum wird ein Großteil des Volksvermögens der meisten Nationen für die Rüstung ausgegeben, das heißt: für die Vorbereitung auf den nächsten Krieg. Damit wird, was der Fleiß der Massen erarbeitet, zu einem erheblichen Teil in Unwerten investiert mit der Folge, daß der Geldwert sinkt und auch alle anderen Werte fragwürdig werden, daß das Vertrauen schwin­det und der Nihilismus zunimmt .. .

... Dabei ist es dem gesunden Menschenverstand klar, daß, wer ,Aufrüstung` sagt, nicht ,Vaterland` oder ,Heimat` meint, die ja nur im Frieden gedeihen, sondern persönliche oder kollektive Interessen auf Kosten des Wohls der Gesamtheit. Das hat schon Plato klarge­stellt: „Entstehen doch alle Kriege um Macht und Gel­des willen", und noch deutlicher Schopenhauer (Parerga u. Paralipomena II, 19 5 233): „Der Ursprung aller Kriege ist Diebsgelüst." Der gleichen Erkenntnis gab Romain Rolland Ausdruck: „Die Völker, die sich op­fern, sterben für Ideen, aber jene, die sie hinopfern, leben für den Gewinn. Jeder Krieg wird, selbst wenn er mit Idealen begann, von selbst zu einem Geschäftskrieg, zu einem Krieg um Macht und Besitz. Ein paar tausend Privilegierte und Emporkömmlinge, Junker, Schwer­industrielle, Spekulanten und Armeelieferanten ver­stehen es, hinter den Kulissen zum Nutzen ihrer Pro­fite mit allen guten und schlechten Instinkten der Men­schen ihr Spiel zu treiben."

Sie haben keine Hemmungen, auch den Gegnern Waffen zu liefern, mit denen ihre eigenen Volksgenos­sen gemordet werden. Waren es z. B. nicht Krupp-Ge­schütze, mit denen die englische Marine deutsche Kriegs­schiffe bei den Falklandinseln in den Grund bohrte?

Nun wird aber das Übel der Rüstungsindustrie weder durch Verneinung und Bekämpfung noch durch Zer­störung überwunden, sondern allein dadurch, daß man ihr Möglichkeiten gibt, ihre Produktion in den Dienst des Friedens und der Wohlfahrt aller zu stellen.

Und ebenso wird die Drohung des Atoms nicht durch den Ruf nach Achtung des Atombombenkrieges und Vernichtung der Bombenvorräte beseitigt, sondern nur durch den Geist der Friedfertigkeit und durch das ge­meinsame Bemühen, die Kernenergie in jeder Form der allgemeinen Wohlfahrt dienstbar zu machen.

Wer hingegen meint, durch die Drohung mit Atom­bomben, Bakterien und Giftgasen den Frieden zu sichern, betrügt sich selbst. Denn jede Atombombe ist ein Beitrag zur Selbstvernichtung der Menschheit. Und davor kann nur eines die Menschheit bewahren: der Geist, d. h. der gesunde Menschenverstand und der Bergpredigt-Geist der Friedfertigkeit, der gegenseitigen Bejahung, Achtung und Förderung.

Im Grunde sieht jeder ein, daß die Menschheit sich einen neuen Weltkrieg nicht leisten kann. Und weil jeder dessen bewußt ist, sollte jeder, statt sich ängst­lichen Herzens negativen Gedanken über mögliche Kon­flikte und kommende Katastrophen hinzugeben, mit aller Inbrunst den Frieden bejahen und sich als Träger des Geistes der Friedfertigkeit in Gedanke, Wort und Verhalten betätigen.



DIE FRAUEN UND DER KRIEG                                                                                          12


„Ich hoffe auf die Zeit, in der die fürchterlichste der alten Erbschaften — der Krieg — so verfehmt ehmt sein wird von der Menschheit, wie er bisher verherrlicht wurde. Die Stimme in uns, die so sehnsüchtig nach Frieden verlangt, kann nicht lügen." Helen Keller

Vor allem die Frauen, die der Natur und dem Leben näherstehen als der Mann und ihrem ganzen Wesen nach auf Erhaltung des Lebens angelegt sind, sollten und können den Ungeist des Krieges ausrotten helfen und jeden Kriegsbrand im Keim ersticken.

Für sie als Hüterinnen des Lebens sollte es selbstver­ständlich sein, alles zu tun, was der Bejahung, Pflege und Förderung des Lebens und der Wohlfahrt aller dient, und allem die Achtung und den Beistand zu ver­sagen, was dem Geist des Lebens widerspricht.

In der Tat waren es zu einem großen Teil Frauen, die sich aktiv für den Frieden einsetzten. Der erste Weckruf ging von Bertha v. Suttner aus, deren Buch „Die Waffen nieder!" Alfred Nobel zur Stiftung des Nobel-Friedenspreises veranlaßte. Der erste Frauen‑Friedensbund wurde in Schweden von Friederika Bre­mer gegründet. Clara d'Arcis und andere schufen in der Schweiz den „Frauenbund zur Förderung internatio­naler Eintracht" mit dem Ziel, eine neue Geistesrichtung zu schaffen durch Aufzeigung und Bekämpfung der psychologischen Kriegsursachen, durch Förderung der Duldsamkeit und des gegenseitigen Verstehens.

Es waren relativ kleine Gruppen, deren aufopferungs­volle Arbeit aber den Boden für eine geistige Erneue­rung vorbereitet hat. Dazu gehört auch das Wirken jener Frauen aus zwölf Ländern, die 1915 den Mut hatten, in Den Haag den ersten internationalen Frauen­Friedenskongreß durchzuführen und Forderungen an die Regierungen der streitenden Länder zu stellen, die heute von den Vereinten Nationen zum Teil bereits realisiert sind.

Die Reihe der großen Frauen, die auch im zweiten Weltkrieg und nachher für den Frieden wirkten, ist so lang, daß es unmöglich ist, sie alle zu nennen. Heute stehen Frauen mit in der vordersten Linie bei der Un­terstützung der Vereinten Nationen in ihrem Einsatz für den friedlichen Ausgleich internationaler Konflikte. Sie entsprechen damit der natürlichen Bestimmung und Haltung der Frau.

Eine der großen Frauen der Menschheit, die Königin und Dichterin Carmen Sylva, gab dieser grundsätzlichen Haltung der Frau Ausdruck mit den Worten: „Jeder Krieg ist ein Hochverrat an der Kultur und der Mensch­lichkeit."

Eine andere Dichterin, Ina Seidel, empfand den Krieg als „eine bösartige Krankheit des Menschengeschlechts, bei der nach nichts anderem zu fragen ist als danach, wie sie geheilt werden könne."

Ihr stimmt Albert Schweitzer zu in seiner Friedens­rede in Oslo am 4. November 1945 mit den beschwö­renden Worten: „Weil offenbar ist, ein wie furchtbares Übel der Krieg in unserer Zeit ist, darf nichts unver­sucht bleiben, ihn zu verhindern. Wir haben uns in den beiden letzten Kriegen grausiger Unmenschlichkeiten schuldig gemacht und würden es in einem kommenden wieder tun. Das darf nicht sein."

Und es braucht nicht zu sein, wenn Immanuel Kants Forderung in seiner Schrift „Zum ewigen Frieden" er­füllt wird: „Der ganze Endzweck der Rechtslehre inner­halb der Grenzen der bloßen Vernunft zielt auf eine allgemeine und fortdauernde Friedens-Stiftung. Es gilt, durch allmähliche Reformen nach festen Grundsätzen in kontinuierlicher Annäherung zum höchsten politischen Gut, zum ewigen Frieden, zu leiten."

Das entspricht, wie im weiteren gezeigt, dem Geist und der Charta der Vereinten Nationen und der Ziel­setzung der Unesco, deren Verfassung schon in der Prä­ambel klarstellt, daß „die letzte Ursache aller Kriege in der geistigen Haltung der Menschen zu suchen ist, und daß darum ein Friede, der Bestand haben soll, im Geiste der Menschen vorbereitet werden muß."

Daß und wie dies geschehen kann und was jeder Ein­zelne dazu positiv tun kann, wird im weiteren deutlich werden.


DU SOLLST NICHT TÖTEN!                                                                                             13


„Wenn schon der Zweikampf zwischen Individuen vernunftwidrig ist, urn wieviel mehr der Zweikampf zwischen Nationen! Die Geschichte lehrt, daß da, wo die Individuen und Nationen sich ins Kriegszustand befinden, der Wohlstand der Menschen auf seiner niedrigsten Stufe steht, und daß er im gleichen Ver­hältnis steigt, in welchem die Einigkeit unter den Menschen wächst."   Friedrich List

Höher als alle menschlichen und staatlichen Gebote steht das von allen Religionen verkündete sittliche Ge­bot: „Du sollst nicht töten!" — oder positiv: „Friede allen Wesen!"

Wird diese höchste ethische Maxime bejaht, dann ent­fällt jede Diskussion über Militarismus, Aufrüstung, Notwehr, Verteidigung und Atombomben als gegen­standslos. Denn sie bedeutet nicht nur die Vermeidung jeder Verletzung und Vernichtung anderer Wesen, son­dern ebenso jeder Beeinträchtigung ihrer Freiheit und Menschenwürde, und die Verneinung jeder Handlung, die dem Grundsatz der Ehrfurcht vor dem Leben wider­spricht. Sie umfaßt die Tier- und Pflanzenwelt genau so wie die Menschenwelt.

Hier ist kein Platz für jene doppelte Moral, die schon der Kirchenvater Cyprian, Bischof von Karthago, der im Jahre 258 als Märtyrer starb, geißelte: „Der Erd­kreis ist feucht vom gegenseitig vergossenen Blut. Wenn es ein Verbrechen ist, wenn ein Einzelner einen Mord begeht, warum nennt man es dann Tapferkeit, wenn. der Mord auf Befehl des Staates massenweise ge­schieht?"

„Wie verächtlich", sagt Augustin, „ist jeder durch Greueltaten erlangte Siegesruhm! In Wirklichkeit gibt es keinen größeren Ruhm als den, den Frieden zu er­halten." Gleiches meint Jean Paul in seinen ‚Fragmen­ten': „Würde ein großer Staat nur die Hälfte seines Kriegsbrennholzes zum Bauwerk des Friedens verbrau­chen, würde er nur halb so viel Kosten aufwenden, um Menschen statt Unmenschen zu bilden, wie anders und stärker stünden die Völker da!”

Vom Standpunkt des gesunden Menschenverstandes wie der Religion sind Krieg und Kriegsdienst des Men­schen unwürdig. Sie sind Ausdruck mangelnder Ehr­furcht vor dem Leben. Ethisch gerechtfertigt ist nur der positive Einsatz im Dienste der Erhaltung des Lebens, des Friedens und der Wohlfahrt aller — mag das nun als Ordnungs- oder Arbeitsdienst auf internationaler Ebene geschehen, zu dem sich jeder junge Mensch frei­willig für eine gewisse Zeit bereitfinden sollte, um, wo immer dies nötig ist, Menschheitsdienst zu leisten, wie es schon Ferdinand Freiligrath bejahte:

„Das sei Dir unbenommen: fest, tapfer allezeit Verdien' Dir Deine Sporen im Dienst der Menschlichkeit!

Ringsum der Kampf aufs Messer? Lern' Du, zu dieser Frist,
Daß Wunden heilen besser als Wunden schlagen ist."

Hierfür bietet unsere Zeit eine Fülle von Möglichkeiten im Ringen um die Überwindung vor Unwissenheit und Unduldsamkeit, Hunger und Elend in den Entwick­lungsländern wie daheim, von sozialen Mißständen und Nöten, von Krankheiten und Seuchen und anderen

überwindbaren Übeln, im Ringen um die ethische und soziale, kulturelle und geistige Höherentwicklung der Menschheit, die vor der Aufgabe steht, zu den Sternen aufzusteigen und einen neuen glorreichen Abschnitt ihrer Geschichte zu beginnen.




ÜBERWINDUNG DES KRIEGES                                                                                         14



„In dieser Zeit, wo Gewalttätigkeit, in Lüge ge­kleidet, so unheimlich wie noch nie auf dem Throne der Welt sitzt, bleibe ich dennoch überzeugt, daß Wahrheit, Liebe, Friedfertigkeit, Sanftmut und Güte die Macht sind, die über alle Gewalt ist. Ihnen wird die Welt gehören, wenn nur genug Menschen die Ge­danken der Liebe, der Wahrheit, der Friedfertigkeit und der Sanftmut rein und stark und streng genug denken und leben."    Albert Schweitzer

Wer heute noch Kriege für unvermeidbar hält, denkt nicht tief und weit genug. Tatsächlich ist der Krieg keine Naturerscheinung wie etwa ein Erdbeben, sondern Men­schenwerk und genau so vermeidbar und überwindbar wie eine Krankheit; denn er ist wie diese eine Folge falschen Denkens und Lebens.

Wie Kannibalismus und Sklaverei heute der Vergan­genheit angehören, so wird auch der Krieg als Über­bleibsel einer sterbenden Epoche aus dem Leben der Völker verschwinden — nicht durch Bekämpfung, durch affektbetonte Anti-Haltungen, sondern durch die Hin­wendung des Einzelnen auf Bejahung des Positiven — der sieghaften Macht des Guten und des Friedens — und durch das Tun des Guten.

Die Überwindung des Krieges ist die natürliche Folge der inbrünstigen Hinwendung der Herzen auf die Be­jahung des Friedens als Fundament positiven Zusam­menlebens und Zusammenwirkens der Menschen und Völker.

Wer erkannt hat, daß er selbst der Gestalter nicht nur des eigenen Schicksals, sondern auch vollverant­wortlicher Mitgestalter des Schicksals der Menschheit ist, der wird von selbst durch sein Denken und Han­deln die geistige Voraussetzung für eine echte Friedens­gesinnung in der Menschheit schaffen helfen.

Das bedeutet die Hinwendung zu einer positiv-opti­mistischen Lebensphilosophie, die die unbegrenzten Entfaltungsmöglichkeiten der schöpferischen Kräfte im Menschen, die Verwirklichungskraft seiner Gedanken und seine Überlegenheit über alles lehrt, was der Men­schenwürde und Menschlichkeit entgegensteht.

Es ist jene dem gesunden Menschenverstand gemäße zukunftgläubige Lebenseinstellung, die auch wir in un­seren Schriften seit Jahrzehnten vertreten, die zur Selbstbesinnung und Selbstverwirklichung anleiten, zu sinnerfüllter Lebensführung und zur Schicksalsmeiste­rung von innen her.


(Die vorerwähnte positive Lebenseinstellung wird bewußt in den von Unity herausgegebenen Schriften vertreten, ebenso in den Werken von K. 0. Schmidt, dessen Bücher wie die „Neue Lebensschule", „Selbstverwirklichung und innere Führung", „Be­jahung des Lebens", „Die Goldene Regel", „Selbst- und Lebens­meisterung durch Gedankenkraft" u. a. allein schon eine Gesamt­auflage von 1,6 Millionen Exemplaren erreichten.)


SEHNSUCHT NACH FRIEDEN                                                                                           15


„Wenn der Krieg, wie man gern sagt, der ,Vater großer Tugenden' ware, müßten die Menschen vor lauter Morden schon Heilige und Götter sein .. . Nein, nicht rohe Gewalt fördert die Entwicklung, sondern Liebe und Idealismus."               Peter Rosegger

99 Prozent aller Menschen sind erfüllt von der Sehn­sucht nach Frieden — und trotzdem haben die von ihnen gewählten oder ihnen aufgezwungenen Führer und Politiker es nicht vermocht, den Wunsch nach Frie­den in Wirklichkeit zu verwandeln. Die Menschheit ist zerrissener und friedloser denn je ...

Nun wird zwar die Diplomatie erklärt als „die Kunst, Kriege durch friedliche Mittel zu verhindern". Trotzdem war das beste, was sie bisher leistete, ein halber Friede, bei dem keiner weiß, wann er zu einem Kriege führt ...
Darum fragt sich der einfache Mann in jedem Volk heute: Was haben alle schönen Proklamationen von oben bisher genützt? Wo wurde durch Staats- und Diplomatenempfänge mit festlichen Reden wirklich Greif bares für den Frieden erreicht? Was wurde für den Frieden gewonnen, wenn Machthaber in Entwicklungs­ländern Abermillionen zur Ankurbelung der darnieder­liegenden Wirtschaft erhielten? — oder wenn unsere Staatsführer in der Welt herumreisten und zur Gewin­nung freundlicher Kontakte Millionen verteilten? Viel­leicht wurden damit persönliche Freundschaften auf Zeit gewonnen und Orden verteilt — aber wo sind sie dem Völkerfrieden nähergekommen? Und wie wäre das auch möglich, wenn wir gleichzeitig einen anderen Groß­teil des Volkseinkommens für Rüstungen aufwen­den?...

Die Antwort liegt auf der Hand. Denn:
Oberste Richtlinie der heutigen Politik ist immer noch der negative Grundsatz, der schon die alten Römer zugrunderichtete: „Si vis pacem, para bellum! Willst Du Frieden, halte Dich für den Krieg bereit!"

Dieses dem römischen Dichter Publilius Syrus (der als Sklave nach Rom kam, aber auch später, als Frei- gelassener und zum Ruhm Gelangter, den Sklaven- Komplex offenbar nicht überwand) zugeschriebene Wort ist Ausdruck einer aus Lebensangst und ständiger Ab­wehr entspringenden Sklavenmoral, die nicht erkennt, daß sie mit dem ständigen Hinstarren auf Abwehr und Krieg und dem Bereithalten für den Kriegsfall eben das anzieht und auslöst, was sie vermeiden möchte. Eben diese Haltung führt zwangsläufig zur Auswir­kung des psychodynamischen ,Gesetzes der das Gegen­teil bewirkenden Anstrengung'.

Nein: Wer Frieden will, muß den Frieden bejahen, muß friedfertig denken und handeln!

Weil das nicht erkannt wurde, entstanden und ver­tieften sich die Gegensätze zwischen Reich und Arm, Oben und Unten, Kapital und Arbeit, Rechts und Links und schließlich zwischen Ost und West, auf die heute alles starrt wie auf etwas Unabänderliches.

Dabei ist der Gegensatz etwa zwischen West und Ost in keiner Weise Ausdruck der Gesinnung der Völker selbst, die vielmehr hüben wie drüben den Frieden wol­len und ihren politischen Führern gleicherweise mißtrauen ... Die Mauern zwischen Ost und West sind gedankengeboren, und jene, die sie errichteten, sind hüben wie drüben die gleichen Vertreter des Einzel-und Kollektiv-Egoismus, die die Macht oder das, was sie dafür halten, vertreten ...

Die Völker selbst — ganz gleich, nach welchen poli­tischen Schlagworten sie eingereiht werden — sind auf beiden Seiten die Opfer der Pharisäer in West und Ost und ihrer Propaganda.

Die Völker wollen alle das gleiche: freie Selbstbe­stimmung, Demokratie ohne Bevormundung und Zwang von oben, Achtung ihrer Menschenwürde und geistigen Mündigkeit, Anerkennung und Respektierung ihres guten Willens und ihrer Bereitschaft, mit anderen in Frieden zu leben!

Aber statt dessen beugen sie sich im Wahn ihrer Schwäche vor der anonymen Macht der Politiker, die immer noch meinen und predigen, man müsse die Ver­hältnisse ändern, um die Menschen zu ändern, wäh­rend es in Wirklichkeit die Menschen und ihr Denken zu ändern gilt, um das Gesicht der Welt zu ändern.

Natürlich geht es hier nicht darum, nun die Politiker zu verteufeln und ihnen die Schuld an der Friedlosig­keit der Menschheit aufzubürden. Denn schuldig ist jeder von uns, soweit er dem negativen, verneinenden, ablehnenden, abwehrenden Denken den Vorzug gab und gibt vor dem positiven, friedfertigen, bejahenden Denken, Verhalten und Tun.

So, wie die Dinge heute liegen, ist kaum mit entschei­denden Anstößen von oben her zu rechnen. Um so wichtiger ist es, daß sie von unten her erfolgen: daß jeder Einzelne seine Macht und seine Möglichkeiten erkennt, dem Geist des Friedens zum Durchbruch zu verhelfen und die Brücken von Mensch zu Mensch und von Volk zu Volk ständig auszubauen.

Denn der Friede ist keine Frage der Politik oder Diplomatie, der Propaganda oder Organisation, son­dern der Gesinnung und Tat.



STAATS-VERGÖTZUNG                                                                                                    16


„Wer könnte noch von einem Staat sprechen, wenn durch die Grausamkeit Einzelner alle unterdrückt werden und nicht ein Band des Rechts und der Ge­rechtigkeit alle gleichermaßen verbindet."                                       Cicero

Von den Bürgern wird erwartet, daß sie den Staat und die Staatsführung achten und ehren. Sie werden das tun, soweit beide Achtung und Verehrung verdienen. Das ist dann der Fall, wenn sie ihrerseits die Lebens­rechte und die Menschenwürde der Bürger schätzen und schützen, während, wie schon Augustin in seinem „Gottes-Staat" bemerkte, „der Staat, der die Gerechtig­keit, die jedem das Seine gibt, die das Wohl Aller will, dem Einzelnen vorenthält, kein gerechter Staat ist, son­dern ein Unrechtstaat."

Eine falsche Politik hat den Staat an die Stelle Got­tes gesetzt und ihn zum Selbstzweck erhoben, obwohl er nur Mittel zur Wohlfahrt aller Bürger sein soll und ohne das eine bloße Fiktion ist. Er verletzt die Würde und mindert die Wohlfahrt der Bürger, wo er sie zu Dingen zwingt, die der Einzelne mit seinem Gewissen nicht vereinbaren kann, und hebt damit sich selbst auf.

Warum wird der Staat heute von so vielen Bürgern unbewußt als feindliche Macht empfunden? Weil er seine erste Aufgabe, die Sicherung der Freiheit und des Wohls seiner Bürger, nur noch teilweise erfüllt, weil sie sich in ihm nicht mehr geborgen, sondern oft als Mittel zu urethischen Zwecken mißbraucht fühlen. Mit Imma­nuel Kant fragen sie: Welches Recht hat der Staat, der der Gerechtigkeit dienen soll, seine Bürger zum Kriege gegen andere Staaten zu mißbrauchen und ihre Güter, ja ihr Leben dabei aufs Spiel zu setzen?, und verweisen auf Kant's Wort in der ,Kritik der praktischen Ver­nunft': „Wenn die Gerechtigkeit untergeht, hat es kei­nen Wert mehr, daß Menschen auf Erden leben."

Schützen kann der Staat seine Bürger nicht, wenn er Krieg führt, sondern nur, wenn er für Frieden sorgt und dem Frieden dient. Folglich muß auch der Staat — so gut wie der Einzelne — wenn er lebensfähig blei­ben will, der Goldenen Regel folgen und das, was er von seinen Bürgern fordert, diesen zuerst erweisen: Ge­rechtigkeit, Wohlwollen, Förderung ihrer geistigen und materiellen Güter und Sicherung ihrer Existenz gegen Not und Gefahr.

Dazu gehört unter anderem auch, daß er dafür Sorge trägt, daß alle Schaffenden nicht nur während der Zeit ihres Tätigseins, sondern auch nachher, im Alter, in den Genuß der Früchte ihrer Arbeit kommen, also nicht mit einer der Höhe ihrer zeitlebens gezahlten Steuern völlig unangemessenen, unzureichenden und der Inflation und anderen geldwirtschaftlichen Machenschaften unterwor­fenen Rente abgespeist werden, sondern einen sorgen­freien Lebensabend genießen können.

Zu den Schaffenden zählen auch die Freischaffenden — Ärzte, Anwälte, Bildhauer, Maler, Schriftsteller u. s. f.—, die meist keiner staatlichen Rentenversicherung ange­hören. Sie genießen trotz hoher steuerlicher Belastungen ihrer Arbeitsleistungen keinerlei Schutz vor ruinösen Inflationsbewegungen. Ein Staat aber, der nicht in glei­cher Weise für sie sorgt wie für seine Beamten, kann nicht das Recht beanspruchen, Sozialstaat genannt zu werden.

Wie weit der Staat diese seine selbstverständlichen Verpflichtungen erfüllt und erfüllen kann, hängt letzt­lich wiederum vom Einzelnen ab. Denn was ist der Staat anderes als Ausdruck der kollektiven Gesinntheit! Das heißt im Endergebnis: Der Staat bist Du, bin ich; er ist das, was wir, durch unser Denken, Verhalten und Tun, aus ihm machen.



DIE RELIGIONEN UND DER FRIEDE                                                                                 17


„Solange noch ein Mensch einen anderen tötet, ist keine Religion auf der Welt; solange noch ein Geistlicher einen Menschen schwören läßt, auf Kommando seine Brüder zu töten, ist alles Kirchentum Lüge."

Berthold Auerbach

Auch die Religionen haben, obwohl sie alle Friedfertig­keit predigen, der Menschheit den Frieden bisher nicht zu bringen vermocht — aber nicht, weil ihnen die Kraft dazu abgeht, sondern weil sie bisher zu wenig gelebt wurden.

Alle Religionsgründer waren Künder und Bringer des Friedens. Aber die nach ihnen kamen und aus der

Religion — der lebendigen Verbindung mit dem Gött­lichen — Konfessionen machten, mehr oder minder starre äußerliche Bekenntnisformen, haben das Predi­gen voran- und das Tun hintan-gestellt.

Wie oft wurde christlichen Missionaren von Buddh­isten und Anhängern der anderen östlichen Hochreli­gionen vorgehalten, daß ihr Handeln im Widerspruch stehe zur Lehre Jesu Christi, der Friedfertigkeit und Liebe verkünde, während sie Anhänger der Gewalt seien, oder von einem Vertreter Afrikas: „Eure Taten reden so laut, daß ich Eure Worte nicht verstehen kann."

Sie mußten sich von einem geistigen Führer Indiens, Tagore, sagen lassen: „Wir im Osten haben niemals Feldherren und Diplomaten verehrt, sondern geistige Führer. Geistige Macht ist größer als physische. Die letztere zerstört sich selbst."

Dieses Mißtrauen der farbigen Völker gegenüber der abendländischen Religion und Zivilisation ist heute stärker denn je, auch wenn die ersteren inzwischen von den Christen als deren gelehrige Schüler den Gedanken der Gewalt übernommen haben und praktisch anwen­den...

Was nützen da die Friedensbotschaften der Kirchen­fürsten, solange unsere Taten das Gegenteil demon­strieren, solange Priester Waffen segnen, und solange nicht einmal die verschiedenen Religionen untereinander in Frieden leben . . .

Mit keinem Namen wurde mehr Mißbrauch getrie­ben als mit dem Namen Jesu Christi. In seinem Namen wurden Glaubenskriege geführt, Millionen ,Ketzer` und ,Abtrünnige` bestialisch gefoltert und gemordet, rund

eine Million Frauen als ,Hexen` verbrannt und Anders­gläubige verteufelt und verfolgt.

Dabei war das Urchristentum eine Religion des Frie­dens! Und noch Origenes konnte erklären („Contra Celsum"): „Wir Christen tragen nicht mehr das Schwert, wir lernen nicht mehr die Kriegskunst und führen kei­nen Krieg, weil wir durch Jesum, unseren Führer, Söhne des Friedens geworden sind", und weiter: „Wir, die wir mit unseren Gebeten alle Dämonen zerstören, die die Kriege erregen, sind für die Herrscher eine größere Hilfe als jene, die in den Krieg ziehen."

Das wurde eine Zeitlang erkannt. Aber dann trat der Umschwung ein, als die Kirche sich mit dem Staat ver­bündete ... Von da an gab es sogar Kirchenväter, die nicht mehr sahen, daß Schwert und Frieden unverein­bare Gegensätze sind, daß mit jeder Verfolgung und Hinmordung anderer Menschen Christus selbst verfolgt und aufs neue gemordet wurde, und daß ein Geistlicher, der nicht die Friedfertigkeit als oberste Richtschnur jedes Christen bejaht, kein Vertreter Christi ist.



LEBENDIGES CHRISTENTUM                                                                                           18


„Wer sich Christ nennt und sich damit zum Friedens­geist der Bergpredigt bekennt, kann nicht zugleich den Krieg bejahen. Wer Krieg führt, kann nicht zugleich Christ sein. Tut er es als Christ, dann verrät er damit den, zu dem er sich bekennt.”                    G. J. Heering

In der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen, 1930, gab ein neutraler holländischer Theologe, Professor G. J.

Heering von der Universität Leiden, ein Buch heraus, das viel Beachtung, aber wenig Gefolgschaft fand und heute längst vergriffen ist. Es heißt: „Der Sündenfall des Christentums" und wollte helfen, den Ungeist des Krieges in den Herzen der Christen auszurotten. Es erschien gleichzeitig mit einer Schrift von Bischof Dibe­lius: „Friede auf Erden?", von der heute auch kaum noch jemand weiß und spricht.

Heering legte dar, warum Christentum und Krieg Gegensätze seien, und fragte, ob es nicht „höchste Zeit sei, daß Kirche und Christenheit sich prinzipiell gegen das Kriegswesen auflehnen." Die Theologen, die sich ihm gegenüber auf kriegsfreundliche Stellen im Alten Testament beriefen, verwies er auf Jesu Christi klarstel­lendes: „Ihr habt gehört, daß zu den Alten gesagt ist:

ich aber sage euch ... ", womit er sich gegen das Negative im Alten Testament wandteund (Matth. 26, 52) schloß: „Wer das Schwert ergreift, wird durch das Schwert umkommen."

Auch Martin Luther wurde in diesen Sündenfall des Christentums hineingezogen. Er beließ es bei der un­heiligen Allianz zwischen Kirche und Kriegsgeist, die dann von Calvin sogar sanktioniert wurde. Im Gegen­satz zu ihnen besaß der große Humanist Erasmus von Rotterdam den Mut, sich gegen die Bischöfe zu wenden, die zugleich als Kriegsfürsten tätig waren und „auf der gleichen Trompete für Gott und den Teufel bliesen" und den Geist des Vaterunser verfälschten:

„Wie wagst du es, dich Gottes Kind und Gott deinen Vater, unser aller Vater zu nennen, während du deinem Bruder das Leben nimmst?

,Geheiliget werde Dein Name!' sagst du — während du zur gleichen Zeit Gottes Namen durch den Krieg entheiligst!

,Dein Reich komme, betest du — ohne vor dem Blutvergießen zurückzuschrecken!

,Dein Wille geschehe auf Erden wie im Himmel`. Während Gott Frieden will, führst du Krieg und sprichst vom ,Willen Gottes' .. .

,Unser täglich Brot gib uns heute`, bittest du — und vernichtest die Ernte deines Bruders und alles, was dir unter die Hände kommt .. .

,Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern`. Wie kannst du letzteres versprechen, der du hinausziehst, um anderen Leid zuzufügen?

Und bittest um ,Erlösung vom Übel` — indes du deinen Mitmenschen das Übelste zufügst ..."

Das ist ein Zeugnis von vielen dafür, daß der Geist des Urchristentums durch die Jahrhunderte hindurch immer wieder Fürsprecher fand. Am konsequentesten haben in den letzten Jahrhunderten George Fox und die Quäker — und gleich ihnen einige andere kleinere christ­liche Gemeinschaften — die Friedfertigkeit zur Lebens­richtschnur erhoben und für alle Christen vorbildlich ge­wirkt. Und sie tun es heute noch und bekennen mit dem gleichen Mut heute wie zu Fox' Zeiten:

„Wir bekennen, daß das Reich Gottes ausschließlich dadurch kommt, daß sich ein Kern von Menschen bildet, die ihren Glauben durch die Tat verwirklichen und dem Gesetz der Liebe folgen, das Gott in unsere Herzen geschrieben hat."

Der gleiche Geist des Friedens ließ den großen Quä­ker William Penn die Worte sprechen, die bewirkten, daß die als blutdürstig verschrieenen Indianer mit den waffenlosen Quäkern friedlich zusammenlebten:

„Der große Gott hat Sein Gesetz uns ins Herz ge­schrieben; es lehrt und gebietet uns, einander zu lieben und Gutes zu tun. Es ist bei uns Quäkern nicht Sitte, Waffen der Feindseligkeit gegen Mitgeschöpfe zu benut­zen; aus diesem Grunde kommen wir unbewaffnet. Un­sere Absicht ist nicht, zu schädigen, sondern Gutes zu tun. Wir sind uns jetzt auf dem breiten Wege des guten Glaubens und des guten Willens begegnet, auf dem von keiner Seite nach dem eigenen Vorteil geschielt wird, sondern alles nur Offenheit, Bruderschaft und Liebe sein und alle als von gleichem Fleisch und Blut behandelt werden sollen."

Der ‚Sündenfall des Christentums' braucht also kein Anlaß für die Christen zu sein, nun zu verzagen, oder für deren Gegner, das „Ende des Christentums" zu pro­phezeien. Denn das Zeitalter des lebendigen Christen­tums kommt erst — und ebenso kommt erst die Zeit, da alle Religionen der Menschheit im Geiste der Einheit und Einmütigkeit zusammenwirken und zu sprudeln­den Quellen der Wiedergeburt für immer mehr Men­schen werden, wie es vor allem der „Weltbund der Reli­gionen" (World Congress of Faiths) mit wachsendem Erfolg anstrebt und wie es heute mehr und mehr auch von Vertretern der christlichen Kirchen bejaht wird.



KRAFT DER LIEBE                                                                                                             19



„Die Liebe besteht in der Kraft des Herzens, die Last der Erde zu tragen, ihr Elend zu mindern und ihren Jammer zu beheben. Der Gott der Liebe hat die Liebe an die Ordnung der Erde gebunden; und wer für das, was er in der Welt sein soll, nicht in der Ordnung ist, der ist auch für die Liebe Gottes und das Höchste in der Welt nicht in der Ordnung."                                                                                            Pestalozzi

Die einzige Kraft, die dem Ungeist der Gewalt allezeit überlegen bleibt, ist die Liebe. Liebe löst nicht nur Leid, sie überwindet auch Haß, wandelt Zwietracht in Ein­mütigkeit und Krieg in Frieden.

Liebe — wirkliche Nächstenliebe — herrscht dort, wo der Mensch sich uneingeschränkt für das Gute und Gerechte, für das Frieden, Freiheit und Wohlergehen aller Fördernde und Sichernde entscheidet. In seinem Herzen ist kein Platz mehr für Verneinung.

Dieses liebende Ja zu allem, was lebt, ist der Geist, der die Welt verwandelt. Er stellt das Gemeinsame, das Versöhnende, Verbindende und Einende voran und be­tätigt sich praktisch als Sympathie und Wohlwollen, als Freundlichkeit und Güte, als Freundschaft und selbstlose Fürsorglichkeit, als Mitfreude und Streben, andere Wesen zu bereichern und zu beglücken.

Liebe macht, wie Djelal-ed-Din Rümi sagt, „das Bit­tere süß und die Last zum Lastträger. Sie verwandelt Kummer in Freude und Teufel in Engel."

Liebe — als Nächstenliebe — weiß, wieviel auf Er­den zu tun ist:

Die Hungernden in allen Landen sollen gesättigt und für eine gerechte Verteilung der durchaus zureichenden Nahrungsmittel der Erde muß gesorgt werden; denn noch sterben täglich tausend Menschen Hungers. Den Notleidenden soll zu einem menschenwürdigen Dasein verholfen werden. Den Millionen Menschenkindern in den Entwicklungsländern und anderswo, die infolge Krankheit, Alter und Armut ein kümmerliches Dasein fristen, muß geholfen werden. Allen, die ein Leben lang treu und redlich gearbeitet haben und durch Inflation, Vermögensverlust oder sonstwie gefährdet sind, muß ein sorgenfreies Alter gesichert werden. Überall, wo Menschen wegen ihrer Rasse, ihres Glaubens, ihrer Weltanschauung oder aus anderen Gründen in Bedräng­nis sind, muß Beistand geleistet werden. Allen muß be­wußt gemacht werden, daß gegenseitige Hilfe eine le­bendige Kraft ist.

Denn gesund und glücklich kann dauernd nur der sein und bleiben, der recht gesinnt ist und dem Geist der Nächstenliebe und Menschenbruderschaft in Gedanke, Wort und Tat Ausdruck gibt. Kein Geringerer als Fridt­jof Nansen hat dies klargestellt:

„Nächstenliebe" — sagt er — „ist Real-Politik, die einzig mögliche. Ich weiß wohl, daß es viele gibt, die meinen, nicht die Nächstenliebe, sondern der Egoismus sei seit je die herrschende Macht in der Welt. Aber sie sehen nicht tief genug. Tatsächlich ist der Altruismus, die Nächstenliebe, die weiseste, weil gesundeste Form der Selbsterhaltung. ,Gesund` ist hier im biologisch-medizinischen Sinne gemeint:

Es steht mit dem einzelnen Menschen und der Näch­stenliebe im Gemeinschaftsleben wie mit der Zelle im lebendigen Organismus: gewiß lebt sie ihr eigenes Le­ben, doch vor allem, um den anderen Zellen und dem Gesamtorganismus zu dienen, der wiederum auch sie erhält. Wenn die einzelnen Zellen ihre Pflicht versäu­men und ein unabhängiges Räuberleben beginnen auf Kosten der anderen, dann entsteht der Krebs — ein Krebsschaden, der unfehlbar zum Untergang des gan­zen Organismus und damit auch der krebsig wuchern­den Zellen selbst führt ...

... Das ,Liebe deinen Nächsten wie dich selbst` ist also ein biologisches Grundgesetz, das das Gesundblei­ben der Einzelnen in der großen Gemeinschaft sichert. Ohne Nächstenliebe ist wirkliches und gesundes Ge­meinschaftsleben undenkbar.

Es gibt viel Ungesundes im Organismus der Mensch­heit: Geltungsdrang der Einzelnen, Machtgier, Ver­bohrtheit in alten Gewohnheiten oder in radikalen neuen Ideen, Verlangen nach Genuß ohne Arbeit, Haß zwischen Einzelnen, zwischen Klassen und Nationen, Großmachtdünkel und Neid der weniger Begünstigten — all das sind ungesunde Erscheinungen. Aber sie sind nicht die einzigen und nicht die beherrschenden. Und niemand ist ihnen wehrlos ausgeliefert. Der Mensch­heitsorganismus als Ganzes ist so gesund, daß er nicht an diesen Krankheiten zugrundegeht, sondern die un­gesunden Zellen ausmerzt und die gesunden fördert und stärkt.

Für die gesunden Zellen, die Rechtgesinnten und Friedfertigen, gibt es viele Hilfen: Glauben, Lebensmut, Selbstvertrauen und Vertrauen auf die Hilfe vorn Gan­zen und von oben her. Und eine große Lehre: schweigen und horchen. Einen sicheren Friedensbringer: die Arbeit. Und eine unüberwindliche Waffe: die Güte."

In der Tat hat es sich noch nie auf die Dauer gelohnt, sein Glück auf Kosten des Glückes anderer zu machen. Andererseits hat es sich noch immer zum Segen ausge­wirkt, wenn jemand sich auf das Gesunde besinnt: das biologische Grundgesetz der Nächstenliebe und gegen­seitigen Hilfe. Denn aus ihr entspringt alles Große und Erhebende, Schöne und Beglückende. Möge diese Er­kenntnis alle Bedrückten und Zweifelnden ermutigen:

„Wenn euch die Nebel des Trübsinns umgrauen,
Hebt zu den Sternen den sinkenden Mut;
Heget nur männliches, hohes Vertrauen: Guten ergeht es am Ende doch gut!"



MENSCHENBRUDERSCHAFT                                                                                          20


„Menschenbruderschaft bezeichnet den Zustand der Verbundenheit aller Geschöpfe des Weltalls mitein­ander durch den göttlichen Geist, der sie gleicher­maßen eint. Geistig bilden alle Wesen eine einzige unauflösliche Gemeinschaft. Brüderlichkeit be­deutet, daß man aus dieser Erkenntnis lebt und als­dann mit der Wohlfahrt der anderen auch die eigene sichert. Denn ,was ihr getan habt einem der geringsten unter meinen Brüdern, das habt ihr mir getan'. Da­her das Glaubensbekenntnis der Weisen und Erleuch­teten aller Zeiten:                                                                                                     Wir glauben an die heilige Bruderschaft und Einheit aller Wesen."     H. K. Iranschähr

Wo der Geist der Liebe einzieht, wandelt sich das inter­essenbedingte Zusammenleben der Menschen in echte Menschenbruderschaft. Das bedeutet das Ende von Not und Streit, Machtgier und Krieg.

Von außen her gesehen, sind wir Menschen lauter Einzel-Individuen, jeder vom anderen getrennt und auf sich gestellt, was den Einzelnen leicht zu der Meinung verleitet, daß er sich gegen die anderen stellen müsse, um sein eigenes Wohl zu sichern ...

Von innen her gesehen, ist die Menschheit eine leben­dige Einheit, ein biopsychischer Organismus, dessen Körperzellen — die einzelnen Menschen — schon im Bereich des Kollektiven Unbewußten wie durch kom­munizierende Röhren miteinander in Verbindung ste­hen, während sie noch tiefer innen, im Reich des Über-bewußten, des Selbst, eine geistige Einheit, ein gemein­sames Lebenskraftfeld bilden mit der Wirkung, daß, was den einen leiden läßt, auch die anderen in Mit­leidenschaft zieht, und, was einen beglückt, auch in an­deren Mitfreude auslöst.

Aber selbst physisch ist diese Einheit eine Tatsache, da die Atome, die jetzt unseren Körper bilden und ihn in einem Jahre größtenteils wieder verlassen haben, um anderen Platz zu machen, dem Aufbau anderer Körper dienen und schon milliardenmal gedient haben ...

Unser Körper heute setzt sich aus Atomen zu­sammen, die vorher milliardenfach dem Aufbau an­derer Menschenleiber dienten, so daß wir alle auch von da her letztlich weit inniger miteinander verwandt und eins sind, als wir ahnen ...

... Mehr als dies aber eint uns der gleiche eine Geist des Lebens, dessen Kinder wir alle sind. Menschenbru­derschaft ist darum nichts anderes als lebendiges Bewußtsein der Gotteskindschaft eines jeden von uns — und das heißt: unseres brüderlichen Verbundenseins mit allem, was lebt, und unserer Aufgabe, allem, was lebt, Hüter, Erhalter und Förderer zu sein.

Allem, was lebt! Noch sind sich erst Wenige bewußt, daß dieses Gebot über den Schutz der Menschenrechte hinaus auch den der Tierrechte einschließt. Wie kann man von Christentum, von Religion, von Bruderschaft sprechen, solange man seine Nächsten — Menschen wie Tiere — noch als Nutz- und Ausbeutungsobjekt wertet und an ihren Leiden gefühllos vorübergeht!

Ein Zeichen unserer Kulturlosigkeit ist es, daß bei uns und ebenso in vielen anderen Kulturstaaten heute noch Tierschutz-Organisationen und ein Bund gegen den Mißbrauch der Tiere nötig sind, daß wir kein wirk­lich zureichendes Tierschutzgesetz haben, daß die ethisch selbstverständlichen Forderungen des Tierschutzes bei Vertretern des Staates wie der Kirchen weithin auf Ver­ständnislosigkeit oder Ablehnung stoßen, weiter, daß gegen die fortschreitende Verpestung der Luft, die Ver­seuchung des Wassers und des Bodens, die Krebs und Degenerationserscheinungen fördernde Vergiftung der Nahrung und des Blutes — durch Abgase und Abfall­produkte, schädliche Düngemittel, lebensfeindliche Che­mikalien und Medikamente ä la Contergan — von Sei­ten des Staates viel zu wenig geschieht .. .

... Um so notwendiger ist die Bewußtmachung der Aufgabe jedes einzelnen Menschen, zuerst und vor allem seiner Menschlichkeit Ausdruck zu geben und allem, was lebt, Erhalter und Förderer zu sein.

Das ist die uralte Botschaft des Gral, der schon Paulus (Gal. 3, 26 f.) Ausdruck gab: „Denn ihr seid alle Kinder Gottes. Hier ist weder Jude noch Grieche, weder Knecht noch Freier, weder Mann noch Weib; denn ihr seid allzumal einer in Christus Jesus." Wenn aber Chri­stus in uns lebt und wir in ihm — wie kann da etwas anderes zwischen uns herrschen als Friedfertigkeit und Einmütigkeit! Da ist kein Gegensatz zwischen Oben und Unten, Links und Rechts, Ost und West, sondern nur das Bewußtsein der Gemeinsamkeit aller, da spre­chen alle die gleiche Brudersprache, das Esperanto des Herzens, die Sprache der Liebe.



GEIST DER BERGPREDIGT                                                                                              21


„Friede war noch nicht, Friede soll erst werden. Liebe und Gemeinschaft waren noch nicht, sie sollen erst werden.
Und diese Wandlung, diese Wieder- und Neugeburt kann nur kommen aus dem Innersten des Menschen. Die gegenseitige Hilfe wird zum obersten Gebot des Menschen werden."                                                                   Gustav Landauer

Mit Recht werden die Menschen heute von den verschie­densten Seiten her aufgerufen, oft in die Stille zu gehen und sich mit der Meditation vertraut zu machen. Wer das tut, erkennt, daß er, je tiefer innen, um so inniger mit anderen Wesen verbunden und darüber hinaus im Grunde der Seele mit dem Göttlichen unmittelbar eins ist.

Aus dem Bewußtsein dieser inneren Einheit entspringt von selbst jener Geist der Gemeinsamkeit und des Frie­dens, den die Bergpredigt Jesu Christi verkündet und ausstrahlt. Er macht uns bewußt, daß alle Menschen — ungeachtet der Farbe oder Rasse, des Glaubens oder Ge­schlechts — gleichermaßen Kinder des Geistes des Le­bens, Gottes, sind, Träger des gleichen göttlichen Lichts und Vollendungsdrangs, Erben des gleichen Gottes­reiches der Fülle und Vollkommenheit, auf die hin sie alle angelegt sind.

Wo dieser Geist der Einheit einzieht, sind Friedfer­tigkeit, gegenseitige Förderung und Hilfe die natürliche Folge. Dieser Geist der Bergpredigt fordert kein Be­kenntnis irgendwelcher Art, sondern allein die Tat. Er eint die Angehörigen aller Religionen und Konfessionen in der Unsichtbaren Kirche des Geistes der Liebe. Und er läßt sie alle gleichermaßen den Geist des Lebens um wachsende Einsicht und rechte Gesinntheit bitten, wie es Franz von Assisi tat:

„O Herr, mach' mich zu einem Werkzeug Deines Friedens , daß ich Liebe übe, wo man haßt, daß ich verzeihe, wo man beleidigt, daß ich verbinde, wo Streit ist, daß ich die Wahrheit sage, wo Irrtum herrscht, daß ich Glauben bringe, wo Zweifel drückt, daß ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält, daß ich Dein Licht entzünde, wo Finsternis regiert, und Freude mache, wo der Kummer wohnt!

Herr, laß mich allezeit trachten nicht, daß ich ge­tröstet werde, sondern daß ich andere tröste, nicht, daß ich verstanden werde, sondern daß ich andere ver­stehe, nicht, daß ich geliebt werde, sondern daß ich die °nderen liebe!

Denn wer da gibt, der empfängt, wer sich selbst ver­rißt, der findet, wer verzeiht, findet Erlösung, und wer dem Ich stirbt, erwacht zum ewigen Leben des Geistes."




VERWIRKLICHUNG DES FRIEDENS                                                                               22


„Hab' Achtung vor dem Menschenbild Und denke, daß, wie auch verborgen, Darin für irgendeinen Morgen

Der Keim zu allem Höchsten schwillt. Hab' Achtung vor dem Menschenbild Und denke, daß, wie tief er stecke, Ein Hauch des Lebens, der ihn wecke, Vielleicht aus Deiner Seele quillt!"

Sehnsucht nach Frieden genügt nicht. Es gilt, den Frie­Sen zu verwirklichen — zuerst innen und von dort aus wachsenden Kreisen auch nach außen.

Es gilt, den Frieden als unerläßliche Basis positiven und produktiven Zusammenlebens der Menschen und Her Einheit der Menschheit zu bejahen.

An die Stelle des Gedankens der Macht, von dem reute noch viele besessen sind, muß die Erkenntnis der Macht der Gedanken treten und der Entschluß, diese ?ositive Kraft jeden Tag und jede Stunde durch bewußtes Bejahen und Tun des Guten im Dienste des Frie­dens zu aktivieren.

Denn was sich in der Geschichte der Menschheit durchsetzt, sind im Grunde nicht Menschen, sondern Gedanken. Art, Richtung und Tendenz der vorherr­schenden Gedanken aber hängen wiederum von den Menschen ab, und zwar von jedem Einzelnen von uns.

Alles, was geschieht, ist gedankengeboren! Wenn bisher Neid, Streit und Krieg vorherrschten, dann, weil das Denken der meisten vorwiegend ichhaft, egoistisch, mißtrauisch, du-feindlich, abwehrend, kurz: negativ war und zwangsläufig unerfreuliche Folgen zeitigte.

Ist aber die Verwirklichungskraft der Gedanken als die das Schicksal der Menschheit letztlich entscheidende Macht erkannt, dann leuchtet ein, daß die Umstellung des Einzelnen auf duldsames, wohlwollendes, freund­liches, altruistisches, bejahendes, kurz: positives Denken zum gegenseitigen Verstehen und Zusammengehen, zu Frieden und Freiheit für alle führt.

Jeder muß sich bewußt werden, daß er mit jedem negativen, verneinenden, ablehnenden, feindseligen, lieblosen Gedanken, Gefühl und Wort die friedenhin­dernden Tendenzen im Kollektiven Unbewußten der Menschheit verstärkt, die zu gegenseitiger Mißachtung und Unterdrückung und im weiteren zu Verbrechen, Mord und Krieg verleiten, während er andererseits mit jedem positiven, friedenbejahenden, freundlichen, für­sorglichen, liebevollen Gedanken, Gefühl und Wort und mit jeder entsprechenden Tat die Gesinnung und den Geist des Friedens auf Erden fördert.

Das bedeutet die volle Verantwortung jedes Einzelnen für alles, was auf der Welt geschieht. Es bedeutet, daß wir keine Schuld oder Verantwortung auf andere — seien es Menschen oder Einrichtungen — schieben dür­fen, sondern erkennen und bejahen sollten, daß alle Schuld, alle Entscheidung und alles Schicksal bei uns liegt.

Die Bejahung des Friedens erfordert, wie schon Emerson betonte, Mut: „Soll der Friede Wirklichkeit werden und von Dauer sein, dann muß er von tapferen Menschen bejaht und getragen werden, von Menschen, die heldisch gesinnt sind, aber vor den Kriegshelden eines voraus haben: daß sie niemals nach dem Leben und Besitz eines anderen trachten, von Menschen, die ihrem höchsten Selbst folgen und nach der Verwirk­lichung echten Menschentums streben."

Wer immer sich dafür entscheidet, von heute an ein 3ejahender und Liebender zu sein, in allem das Gute zu eben, auf alles positiv zu reagieren und immer und ~erall sein Bestes zu geben, der trägt mit dazu bei, daß =as geistige Potential des Friedens ständig wächst. Er hilft mit, Kraftfelder des Friedens zu schaffen, die sich gegenseitig verstärken, und daß andere, potentiell schwä­chere, weil negative, Lebenskraftfelder sich gleichrichten.

Er demonstriert durch sein Denken, Verhalten und Tun, daß die Kraft der Friedfertigkeit die größte Macht der Welt ist und der sicherste Garant der Selbsterhal­tung der Menschheit: sie führt widerstrebende Kräfte zur Vereinigung und zu erhöhter Leistung für das ge­meinsame Beste, eint mit den Kräften auch die Geister und löst jene Erfahrung aus, von der Salomo (Spr. 12,20) sprach: „Denen, die zum Frieden raten, wird Freude Folgen!"



FRIEDE IM HERZEN                                                                                                          23


„Die Gottheit spricht zum Herzen aller Menschen, und die Bande der Nächstenliebe sollen sie einigen von einem Ende der Welt zum andern."      Voltaire

Frieden kann ich immer nur soweit von der Umwelt erwarten, als ich selbst Frieden in Gedanken, Worten und Taten bejahe und ausstrahle.

Mit Recht mahnt Fr. W. Förster: „Diejenigen, die Weltreform ohne Innenreform betreiben und den Völ­kerfrieden herstellen wollen, ohne in sich selber die Mächte zu bekämpfen, die die Völker gegeneinander jagen, die Brücken sprengen und Giftgase bereiten, sie sind nichts als Danaiden, die Wasser in ein durchlöcher­tes Faß schöpfen. Dies gilt auch für die wirtschaftliche Wiederherstellung der Einzelnen und der Völker. Wo unser wirtschaftliches Handeln nicht von den lichten Mächten der Seele bewacht und geleitet wird, da ver­fällt es dem Chaos der niederen Triebgewalten und kann darum auch nur im Chaos enden."

Wie die Unmengen der täglich und stündlich ausge­strahlten negativen Impulse von Mensch zu Mensch im Wege der Kettenreaktion zu zerstörenden Mächten wer­den, so addieren und potenzieren sich die weit mäch­tigeren positiven Impulse der Friedfertigkeit, gegen­seitigen Achtung und Liebe — und zwar um so rascher, je mehr wir zuerst und vor allem mit uns selbst in Frie­den leben.

„Dieser innere Friede", sagt Wilhelm von Humboldt, „hängt vom Menschen selbst ab. Der Mensch braucht zu seinem Glück in Wahrheit nichts als ihn, und er braucht, um ihn zu besitzen, nichts als sich selbst."

Den gleichen Rat gab schon Seneca: „Lebe mit Dir in Frieden, dann hast Du auch Frieden mit der Welt. Sorge durch Dein Denken und Verhalten dafür, daß die Menschen Dich gern haben. Solange Du atmest und unter den Menschen weilst, sei Menschlichkeit die oberste Richtschnur Deines Denkens und Handelns."

Wo Friede im Herzen Wirklichkeit ward, da wird Mensch zu einem positiven Friedens-Kraftfeld, das auf andere Wesenskraftfelder unmerklich gleichrichtend wirkt.

Friedfertigkeit bedeutet durchaus nicht, wie manche meinen, geistige Wehrlosigkeit. Der Friedfertige ist im Gegenteil dem Friedlosen überlegen. Er ist der geistig Stärkere. Er verfügt über mehr Mut und Macht als der Streitsüchtige, der als Süchtiger ja nicht einmal sich salbst beherrscht, sondern Sklave der Lebensangst ist. Gerade seine Friedfertigkeit, die ihn großmütig und gütig sein und das beiden Dienende tun läßt, demon­striert seine Überlegenheit.

Darum heißt es mit Recht: ,Selig sind, die Gottes Will­en tun', also das Gute wollen, weil sie die Macht des Guten mehren und die des Bösen mindern. Denn, wie Dschuang-Tse sagt: „Wer Frieden hat mit sich selbst bind mit dem Himmel, der bringt die Welt ins Gleich­gewicht und lebt in Frieden mit allen Wesen."

„Der höchste Friede, den die Seele kann genießen, ist, sich mit Gottes Willen innerlich eins zu wissen". Wer sich dieser Einheit und damit seiner Gotteskindschaft mit Angelus Silesius bewußt ist, der bejaht die gleiche Stellung und Würde auch bei seinen Mitmenschen. Er verbündet sich damit der stärksten Macht im Univer­sum: dem Geist des Lebens, und gewinnt von da her die Kraft und die Weisheit, in jeder Lage das zu tun, was optimal dem Frieden und der Wohlfahrt aller dient.



FRIEDE IM HEIM                                                                                                              24



„Ich bin erwacht zum Lieht der Wahrheit, daß meine
Lebensaufgabe darin besteht, als Geistmensch der
Menschheit zu dienen, indem ich Versöhnung und
Vergebung übe, Barmherzigkeit und Hilfsbereitschaft,
Güte und Liebe. So lebend, durchlichte ich mein We‑

sen, vergöttliche mein Leben und diene dem Ganzen."
H. K. Iranschschär

Wer Frieden im Herzen hat, strahlt als positives Kraft­feld den Geist der Friedfertigkeit aus, der jedem nega­tiven Gegenimpuls überlegen ist.

Wer an Selbst- und Lebensbejahung gewöhnt ist, der bejaht auch seine Mitgeschöpfe. Und wenn ihm noch Unverständnis und Ablehnung entgegengebracht wird, neutralisiert er beide durch die stärkere Strahlkraft der Liebe, die Mißtrauen in Achtung, diese in Zutrauen, Zu­trauen in Bejahung und diese in Zuneigung und Zusam­menarbeit verwandelt.

Zugleich wird durch die positive Kraft lebensbe­jahenden Denkens und liebevollen Gesinntseins nicht nur das Gemüt, sondern auch das Geblüt, der Körper, befriedet und harmonisiert, erneuert und geheilt.

So groß ist die Macht der Friedfertigkeit schon des einzelnen Menschen. Schließt er sich in diesem Geiste mit anderen zusammen, vor allem mit seinen nächsten Angehörigen, dann potenziert sich diese Macht.

Ist das Licht des Friedens im Herzen entbrannt, dann strahlt es hinaus und entzündet das gleiche Licht auch in anderen Herzen. Denn wir Menschen sind ja, wie schon dargelegt, in Wirklichkeit keine isolierten Einzelwesen, sondern bilden seelisch-geistig eine Einheit. Jeder von uns lebt weithin aus dem Kollektiven Unbe­wußten und, noch tiefer innen, aus dem überbewußten, und im Letzten wurzelt er im gemeinsamen Lebens­kraftfeld des Göttlichen.

Wer aus diesem Gewißsein heraus seine Angehörigen im Geiste der Friedfertigkeit bejaht und behandelt, wird früher oder später die gleiche Gesinnung und Hal­tung bei ihnen ansprechen und auslösen. Er folgt damit der Goldenen Regel Jesu Christi: „Was Du willst, das die anderen Dir tun, das tue Du ihnen zuvor", und er­ährt dann, daß ihm von selbst widerfährt, was er an­deren zudenkt, bis in seinem Heim Friede und Einmü­tigkeit herrschen.

In besonderem Maße wird er sich der positiven Ent­faltung der Kinderseelen widmen, die heute mit einer Fülle von negativen Eindrücken überschüttet werden — beginnend mit häuslichen Zwistigkeiten, die in den empfindsamen Kinderseelen heimliche Wunden und oft lebenslänglich wirkende negative Komplexe hinterlas­sen, und endend mit dem Kriegsspielzeug, mit dem ge­dankenlose Eltern ihre Kinder — gar zum Fest des Friedens, unter dem Weihnachtsbaum — ,beschenken`, ohne zu ahnen, daß sie damit unmittelbar dem Ungeist des Krieges dienen und die Kinderseelen vergiften!

Weise Eltern folgen dem Rat H. G. Well's: sie lehren ihre Kinder, „die Welt von Anfang an als eine poli­tische, wirtschaftliche und geistige Einheit zu erkennen, die Menschen zu lieben und dem Geist der Friedfertig­keit und Hilfsbereitschaft von klein auf in ihrem Den­ken, Verhalten und Tun allen Wesen gegenüber, Menschen wie Tieren, Ausdruck zu geben. Dann werden sie zu Weltbürgern heranwachsen, die alle Probleme im Geiste der Ganzheit und der Menschlichkeit zu lösen gewöhnt sind."




FRIEDE IN DER GEMEINSCHAFT                                                                                   25



„Nicht ich, sondern alle! Gut ist, was nicht nur mir, sondern allen dient. Das ist der Ausspruch der gött­lichen Stimme im Innern, in deren Vernehmen und Befolgen der einzige Adel des Menschen liegt."
Pestalozzi

Aus dem Frieden im Herzen und im Heim erwächst der Friede in der Gemeinschaft: in der Stadt, im Land und im Staat. Dieses Wachstum fördern wir, indem wir immer bewußter die Menschen um uns im Geiste der Friedfertigkeit bejahen, mit Gedanken der Freund­schaft und des Wohlwollens anstrahlen, ihnen Frieden und Freude zudenken und wünschen und ihnen bei der Festigung des gegenseitigen Verstehens, Einvernehmens und Zusammenwirkens nach bester Möglichkeit helfen.

Jeder Gedanke des Friedens, den wir anderen Wesen zustrahlen, ist wie eine brennende Kerze, mit der wir andere Kerzen entzünden!

Je bewußter wir die Menschen um uns als ebenso friedfertig und freundlich, liebenswert und liebevoll be­jahen wie uns selbst, desto spürbarer bewirken wir, daß die positiven Kräfte und Tendenzen in ihnen ange­sprochen, aktiviert und zur Betätigung angeregt wer­den.

Besondere Verantwortung tragen alle in Zeitungen _d Zeitschriften, Film, Funk und Fernsehen Tätigen, sie mit jedem Gedanken und Wort dem Ungeist des Krieges oder dem Geist der Friedfertigkeit dienen.

Dieser hohen Verantwortung sind sich manche noch nicht bewußt. immer noch besteht ein Großteil aller Informationen der Massenmedien aus negativen Impul- en, die von gedankenlosen Lesern und Hörern ahnungs­es übernommen und weitergetragen werden ... Noch sind die vorherrschenden Motive bei der Information, Kommunikation und Publikation Rechthaberei und Wichtigtuerei, Geltungssucht und Geldstreben, Macht­zier und andere negative Tendenzen.

So erklärt sich das Streben nach Sensation um jeden ?reis, nach Aufbauschung und Entstellung der Tat­sachen, das wiederum das Gift der Mißgunst und des Neides, der Gier und des Hasses, der Streit- und Kriegssucht in die Herzen von Millionen Hörern und Lesern senkt. Wie soll sich da der Geist des Friedens durch­setzen?

Die Erkenntnis der Macht und Wirkung der Gedan­ken erfordert eine Umstellung der Grundtendenzen des Informationswesens vom Negativen zum Positiven: zur immer stärkeren Herausstellung aller ermutigenden und erfreulichen Tatsachen und Geschehnisse und zur Aufzeigung der guten, edlen, gerechten, höherstreben­ien Kräfte und Tendenzen im Menschen und in der Gemeinschaft.

Wenn immer mehr Zeitungen, Zeitschriften und Sen­der der Vermittlung positiver Informationen und Im­pulse den Vorzug geben und statt für das Unerfreuliche, Abartige, Perverse, Untermenschliche für alles Gute und Edle, für echte Menschlichkeit und für die Bejahung des Friedens eintreten, würde das für sie keine finanzielle Einbuße bedeuten, sondern sich nach der Gol­denen Regel weit segen- und gewinnbringender aus­wirken als die heute verfolgte mehr negative Politik.

Im übrigen ist, wer selbst und selbständig zu denken gelernt hat und statt Fremdsuggestionen seinem eigenen gesunden Menschenverstand und seinem Gewissen folgt, allen negativen Gedanken- und Willensimpulsen ge­genüber immun. Er wird aus dem Wust der Pseudo-Informationen, mit denen die Massenmedien ihn täglich überrieseln, die wenigen positiven und nützlichen her­auslesen und sich dienen lassen, den Rest ignorieren und sich im übrigen in seinem Denken und Verhalten vom Geist des Friedens leiten lassen, der allein der Gemein­schaft und damit ihm selbst Segen bringt.



FRIEDE UNTER DEN VÖLKERN                                                                                        26


„Keine andere Art der wirklichen Erneuerung unse­rer Welt ist denkbar, als daß wir vorerst unter den alten Verhältnissen neue Menschen werden und als eine Gesellschaft mit erneuerter Gesinnung die Ge­gensätze zwischen den Völkern so ausgleichen, daß wieder eine wirkliche Kultur möglich wird."
Albert Schweitzer

Überwiegt die Zahl der recht denkenden Friedfertigen in einem Volke und wird der Friede schließlich in ihm zur vorherrschenden Gesinnung, dann ist dieses Volk besser gesichert als durch Verträge und Waffen.

Denn seine Friedensbereitschaft ist eine positive geistige Kraft, deren Funken schließlich auch auf die Nachbarvölker überspringen.

Und dieser Prozeß kann wiederum durch dynamische = e'ahung der Achtung und Gleichberechtigung der Völker und durch sichtbare Dokumentation der eigenen Friedfertigkeit beschleunigt werden.

Der Neue Geist, der immer mehr Herzen erfaßt,wirkt im Kollektiven Unbewußten ähnlich wie ein Sauerteig: er fördert das Bewußtsein, dem schon Goethe Ausdruck gab, daß „Nationalismus und Nationalhaß am stärksten auf den untersten Stufen der Kultur zu finden sind und daß es höhere Stufen gibt, auf denen sie ganz verschwinden und wo man Glück oder Wehe des Nachbarvolkes wie das eigene empfindet."

Wie Gandhi durch den Geist gewaltlosen Nichtwider­tehens sein Land und Volk von der Fremdherrschaft befreite, so bricht die aktive Friedfertigkeit die Macht per Gewalt und die Drohung des Krieges.

Wie in der Schweiz die Angehörigen der einzelnen Kantone trotz Mehrsprachigkeit und unterschiedlicher Glaubenszugehörigkeit einmütig zusammenstehen und zusammen leben, so können und werden die Völker Europas und gleichermaßen die der anderen Kontinente zum gemeinsamen Besten zusammenwirken.

Was durch Friedensverträge — denen nur zu oft Be­rechnung und heimliche Machtgelüste zugrundeliegen — nur unzulänglich erreicht wurde, das wird durch den Geist der Friedfertigkeit und Verträglichkeit streitlos bewirkt.

Dieser Geist ist so alt wie die Menschheit. Er, der die geistige Größe Alt-Indiens begründete, begegnet uns schon in den jahrtausendealten Veden, so im Jadshur­veda in der ,Hymne des Friedens':

„Möge Friede herrschen — wie in den
Welten der Götter, so auch auf Erden —
Friede in allen Reichen der Natur,
auf dem Lande, im Wasser und in der Luft, unter den Pflanzen, den Tieren
und den Menschen!
Laßt uns den Frieden im Innern erkennen!
Laßt uns den Frieden in allen Wesen erkennen! Laßt uns in diesem Frieden leben, solange
wir auf Erden wandeln! Friede! Friede! Friede!"

Dieser Geist ist auch heute in zahlreichen freien, inter­nationalen, toleranten geistigen, kulturellen und reli­giösen Vereinigungen lebendig — in der New Thought-und Unity-Bewegung, in theosophischen, anthroposo­phischen, Rosenkreuzer-, Gral- und anderen Gemein­schaften, unter Freimaurern, Druiden und verwandten Bünden, in der Tierschutz- und vegetarischen Bewe­gung, in der Esperanto-Bewegung — die für die Ober­brückung der heute mehr denn je trennenden Sprachen­schranken durch Einführung einer leicht erlernbaren gemeinsamen Brudersprache neben der Muttersprache jedes Einzelnen eintritt — und in den vielen anderen friedensbejahenden humanitären, supranationalen, uni­versalistischen, christlichen, buddhistischen, islamischen und anderen religiösen und interreligiösen Vereinigungen, die Menschenbruderschaft und gegenseitige Hilfe Förderung bejahen.

'Wo dieser neue Geist herrscht, sind Diktatoren ebenso unmöglich wie der Streit um Grenzen, die praktisch überholt sind in einer Welt, in der die Ätherwellen der Radio- und Fernsehstationen und die Satelliten und Raumschiffe gleich Wind und Wetter alle Grenzen ungehindert überspringen.

Stärker als der Familiengedanke ist der Volksge­danke; mächtiger als dieser ist der Gedanke der kon­tinentalen Einheit; und am mächtigsten ist der der Geeinten Menschheit, weil dessen Verwirklichung jedem Bewohner unseres Planeten Zufriedenheit und Sicherheit, Frieden und Fortschritt verbürgt.

Die Entwicklung der Menschen und Völker zu einer im Frieden geeinten Menschheit ist unaufhaltsam. Und auch diese Entwicklung wird durch jede Bejahung und ede ihr dienende Tat beschleunigt.




DIE VEREINTEN NATIONEN UND DER FRIEDE                                                              27


„Ein Tag wird kommen, wo die Nationen Europas, ohne ihre Individualität und ihre Eigenheiten aufzu­geben, sich zu einer höheren Einheit verbänden; und ein größerer Tag wird kommen, wo sich die Völker der Erde zu einem Bruderbund vereinen und wo es keine Schlachtfelder mehr auf diesem Planeten geben wird."     Victor Hugo

In allen Kulturstaaten in Ost und West, Nord und Süd suchen zukunftgläubige Menschen und Organisationen nach Lösungen der brennenden Probleme der Gegenwart. Sie alle verdienen Förderung und Unter­stützung durch jeden, der den Frieden auf Erden be­jaht und verwirklichen helfen will.

Die größte Organisation dieser Art und das beste Werkzeug zur Sicherung des Friedens sind die Vereinten Nationen (United Nations, UN), die ja ihre Entstehung dem Verlangen der Mehrheit der Menschheit nach Frie­den verdanken.

Da viele keine lebendige Vorstellung von den Zielen und der Bedeutung der UN haben, sei hier aus der Charta der UN, die am 26. Juni 1945 unterzeichnet und am Gründungstag der UN, dem 24. Oktober 1945, ratifiziert wurde, die Präambel wiedergegeben, der jeder mit gesundem Menschenverstand Ausgerüstete und Friedenswillige uneingeschränkt zustimmen wird:

„Wir, die Völker der Vereinten Nationen, ent­schlossen,
die kommenden Generationen vor der Geißel des Krieges zu bewahren, die zweimal zu unseren Lebzei­ten unsägliches Leid über die Menschheit gebracht hat, und den Glauben an grundlegende Menschenrechte, an Würde und Wert der menschlichen Person und an die Gleichberechtigung von Mann und Weib und von großen und kleinen Nationen erneut zu bekräftigen, und Bedingungen zu schaffen, unter denen Gerechtigkeit und Achtung der Verpflichtungen, die auf Verträgen oder anderen Quellen des Völkerrechts beruhen, ge­währleistet werden kann, und sozialen Fortschritt und bessere Lebensbedingungen bei größerer Freiheit zu fördern
und für diese Zwecke
Toleranz zu üben und als gute Nachbarn in Frieden nander zu leben und
unsere Macht zu vereinen, um den Weltfrieden und internationale Sicherheit aufrechtzuerhalten und . trch die Annahme von Grundsätzen und die Schaffung entsprechender Methoden sicherzustellen, daß Waffengewalt nicht zur Anwendung komme, es sei denn im Interesse des Gemeinwohls, und internationale Organisationen heranzuziehen, um den swirtschaftlichen und sozialen Fortschritt aller Völker zu fördern,haben beschlossen, unsere Anstrengungen zu vereinen, diese Absichten zu erreichen."

Ebenso rückhaltlos zu bejahen sind die Ziele der UN, sie im Artikel 1 formuliert sind:

„Die Ziele der Vereinten Nationen sind:

1) Den Weltfrieden und die internationale Sicherheit aufrechtzuerhalten und zu diesem Zweck wirksame Kollektivmaßnahmen zu ergreifen, um Bedrohungen des Friedens vorzubeugen und sie zu beseitigen und um Angriffshandlungen und andere Friedensbrüche zu unterdrücken sowie durch friedliche Mittel und in Über­einstimmung mit den Grundsätzen der Gerechtigkeit und des Völkerrechts die Ordnung und Regelung inter­nationaler Streitfälle oder solcher Situationen zu erzielen, die zu einem Friedensbruch führen könnten;

2) Freundschaftliche Beziehungen zwischen den Na­-:;nen zu entwickeln, gegründet auf der Achtung des Grundsatzes der Gleichberechtigung und des Selbstbestimmungs-rechtes der Völker, sowie entsprechende an­dere Maßnahmen zu ergreifen, um den Weltfrieden zu festigen;

3) Internationale Zusammenarbeit zu erzielen, um internationale Probleme wirtschaftlicher, sozialer, kul­tureller oder humanitärer Art zu lösen und die Achtung der Menschenrechte und Grundfreiheiten für jedermann ohne Unterschied von Rasse, Geschlecht, Sprache oder Religion zu fördern und zu festigen;

4) Ein Zentrum zu sein, um die Maßnahmen der Nationen zur Erreichung dieser gemeinsamen Ziele in Einklang zu bringen."

Den gleichen Geist wie die 111 Artikel der UN-Charta atmet die



                    „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte"

die die UN-Generalversammlung am 10. Dezember 1948 „als das von allen Völkern und Nationen zu er­reichende gemeinsame Ideal" beschloß.

Sie verkündet, um nur einige Punkte zu nennen, daß alle Menschen frei und gleich an Würde und Rechten geboren sind und einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen sollen; daß jeder Mensch auf die in dieser Erklärung verkün­deten Rechte ohne Unterschied, etwa nach Rasse, Farbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Überzeugung, nationaler oder sozialer Herkunft, nach Eigentum, Geburt oder sonstigen Umständen, Anspruch hat;

dass jeder Mensch das Recht auf Leben, Freiheit, Eigentum und Sicherheit der Person hat;

dass niemand willkürlichen Eingriffen in sein Privatleben, seine Familie, sein Heim, sein Eigentum, noch Angriffen auf seine Ehre oder seinen Ruf ausgesetzt werrden darf;

dass jeder Anspruch auf Gedanken-, Gewissens- und Religions-Freiheit hat, das Recht auf freie Meinungsäußerung, auf Versammlungs- und Vereinigungs-Freiheit zu friedlichen Zwecken, weiter auf soziale Sicherheit und auf eine soziale und internationale Ordnung,
in der die freie und volle Entfaltung seiner Persönlichkeit möglich ist.

Wesesentliche Aufbauarbeit im Geiste der UN und des eltfriedens leisten die der UN angeschlossenen Son­rrganisationen, von der UNESCO (Organisation für Erziehung, Wissenschaft und Kultur), der ILO (In­rnationalen Arbeits-Organisation), der FAO (Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation) bis zur WHO (Weltgesundheits-organisation), der Internationalen Bank für Wiederaufbau und Wirtschaftsförderung und den anderen internationalen Organisationen der UN, deren Ziele und Aufgaben als bekannt vorausgesetzt werden.

Natürlich ist die UN immer das, was wir alle aus ihr machen:

Heute zwar gibt es in ihr noch Gruppen, die sie als Werkzeug nationaler, wirtschaftlicher oder politischer Interessen mißbrauchen möchten, und andere, die in ihr die entscheidende Macht des Friedens sehen — darunter auch solche, die noch nicht erkannt haben, daß militärische Sanktionen seitens der UN der Charta und dem Geist des Friedens nicht gemäß sind und daß fried­liche wirtschaftliche und andere Maßnahmen das gleiche streitlos bewirken können.

Es gilt also auch in der UN selbst, den positiven Kräften zur Durchsetzung zu verhelfen, was wiederum vom Einzelnen durch Bejahung der Notwendigkeit und der Aufgaben der UN wesentlich gefördert werden kann, bis das nächste Ziel, die politische Einung der Menschheit in einem Weltstaat, erreicht ist.



DIE GEISTIGE EINUNG DER MENSCHHEIT                                                                   28



„Der universelle Friede wird seine Verwirklichung finden, weil eine neue Ordnung der Dinge, eine neue Wissenschaft, neue ökonomische Notwendigkeiten die Menschheit von selbst zu dem Zustand friedlichen Zusammenwirkens führen werden." Anatole France

Nichts wäre aber falscher, als uns nun auf die UN zu verlassen und die Hände in den Schoß zu legen. Denn die UN nimmt keinem von uns die Verantwortung ab, die wir dafür haben, daß der Friede von unten her ge­fördert und gesichert wird — durch die aktive Fried­fertigkeit des Einzelnen!

Denn nur dadurch wird erreicht, daß neben der poli­tischen Organisation der UN der geistige Organismus der Geeinten Menschheit sich Zelle um Zelle aufbaut und das unerläßliche spirituelle Fundament der UN bildet.

Diese geistige Einheit der Menschheit muß im Herzen Einzelnen verankert werden, der diese Einheit und aus dieser Einsicht und Einssicht heraus handelt.

Die geistige Einheit der Menschheit ist bereits, wie wir sahen, eine psychobiologische Tatsache, auch wenn sie noch nicht allen Menschen bewußt ist. Je vollkommer
diese Tatsache der inneren Verbundenheit und Einheit aller Menschen dem Einzelnen aufgeht, desto mehr wird aus der Menschheit, die bisher aus zusammen­hanglosen Staaten, Völkerschaften und Einzelindividuen bestand, ein lebendiger Organismus, und desto stärker wird er von einer dynamischen Bewegung guten Tillens und gegenseitiger Förderung durchpulst, er­Jllt und geleitet.

Dann treten von selbst an die Stelle der Interessen­vertreter und politischen Meinungsmacher geistige Elite­menschen — lebendige Verkörperungen des universellen Geistes der Eintracht und Zusammenarbeit, geniale Na­turen, die in jeder Lage die der Menschheit bestmöglich dienende Entscheidung herbeiführen werden.

Diese Entwicklung kann jeder Einzelne dadurch för­dern, daß er sich nicht mehr nur als Teil einer Familie, eines Landes oder Volkes fühlt, sondern als aktives Glied im Gesamtorganismus der Menschheit betätigt und diese selbst als planetarische Einheit bejaht.

Hier ist der Punkt, an dem zu der Sicht vom gesun­den Menschenverstand her die umfassendere Sicht von einer mehr kosmischen Warte hinzutritt.



KINDER DES KOSMOS                                                                                                     29

„Wenn erst die Leidenschaft für den Planeten uns ergriffen hat, wird es keine Kriege mehr geben. Erst wenn der Geist der Völker sich den neuen Aufgaben gewachsen zeigt, kann er sagen: wir haben den Krieg wahrhaft überwunden."                             Christian Morgenstern

Immer mehr Menschen wird es bewußt, wie sehr die Astronomie und die Weltraumforschung die Völker ver­bindet und deutlich macht, daß wir alle Kinder des gleichen Planeten sind.

Tatsächlich sind wir aber weit mehr: wir sind Kinder des Kosmos und dem Leben im All weit inniger verbun­den, als die meisten ahnen. Und wenn heute der Welt­staat manchem noch als utopisch anmutendes Ziel er­scheint, so mag das Ideal der Zukunft die aktive Teil­nahme an einem galaktischen Reich sein, das die ver­schiedenartigsten Sternenvölker zu gemeinsamem Stre­ben und Wirken verbindet.

Die Entfesselung der Kern-Energie, die moderne Kybernetik, die Raumfahrt,Raummedizin, Astrobio­logie und andere zukunftsweisende Fortschritte der Wis­senschaft und Technik kommen nicht von ungefähr. Sie gehen einher mit dem geistigen Erwachen der Mensch­heit als planetarischer Einheit und mit ihrem Eintritt in ein neues kosmisches Zeitalter, das seit altersher als ,Wassermann`-Äon oder als Zeitalter des Geistes be­zeichnet wird.

Schon hat die Menschheit den ersten Schritt über die Erde hinaus getan und damit dokumentiert, daß sie auf dem Wege von der planetarischen zur kosmischen Reife ist und sich vorbereitet, sich eines Tages mit möglichen Lebensformen anderer Sonnenreiche zu verständigen.

Aber auch dieser Fortschritt ist zwiegesichtig und nur so weit segenbringend, als der Mensch auch geistig für den Aufstieg zu den Sternen reif ist. Auch diese Entwicklung kann durch Bejahung gefördert werden.

Was damit gemeint ist, wurde bereits in einer anderen Schrift „Am Lebensquell" *) in den Abschnitten „Der Mensch im neuen Zeitalter" und „Sinn der Weltraum­fahrt" dargelegt. Dort wurde gezeigt, daß „die tech­nische Seite der einzelnen Probleme der Raumfahrt zum Teil schon gelöst oder auf jeden Fall lösbar ist, wäh­rend dies von der menschlichen Seite noch nicht unein­eschränkt gesagt werden kann. Ich meine damit weniger die raumbiologischen und raummedizinischen, son­dern mehr die raumpsychologischen und kosmisch-ethi­schen Probleme, und hier insbesondere die grundsätz­liche Frage, ob der Mensch bereits die hier vorauszuset­zende kosmische Reife besitzt, um die Machtmittel, die die Raumfahrt ihm in die Hand gibt, auch vernünftig und in Ehrfurcht vor möglichem kosmischem Leben :olerant und segenbringend einzusetzen .. .

... Vorerst muß der Mensch noch beweisen, daß er die planetarische Reife erlangt hat und fähig ist, auf seinem Heimatplaneten Einigkeit, Frieden und men­schenwürdige Daseinsbedingungen für alle zu schaffen, daß er also jenes Menschheitsbewußtsein besitzt, welches das Fundament bildet für das heute erst in Einzelnen lebendige, allmählich aber allgemein zu entfaltende kos­mische Bewußtsein .. .

... Ich meine damit jenes universale Bewußtsein, das den Menschen zur Erkenntnis der Geistigkeit des Alls und zur Einsicht in die geistige Einheit zunächst der Menschheit, dann alles irdischen Lebens überhaupt und schließlich des kosmischen Lebens insgesamt befähigt .. .

Erst diese geistige Auffassung des Universums wird zur Erkenntnis der All-Harmonie führen und zu der Einsicht, daß Friede auf Erden die unabdingbare erste Voraussetzung dafür bildet, daß die Utopien von heute zu beglückenden Realitäten von morgen wer­den!" —

Es ist erfreulich, daß Ost und West die Zeichen der Zeit erkennen und im Bereich der Raumfahrt vom negativen Gedanken einer durch Raumfahrterfolge er­reichten ‚militärischen Überlegenheit im Weltall' weg-und mehr und mehr zu positiver Zusammenarbeit über­gehen.

Denn kosmisch reif ist die Menschheit erst, wenn sie den noch in militärischen Spekulationen und utopischen Romanen bejahten Gedanken, den Krieg von der Erde gar ins Weltall hinauszutragen, von vornherein als menschenunwürdig erkennt und verwirft.

In der Raumfahrt tritt ein neues Heldentum zutage, das die Besten der Menschheit, vor allem die jungen Menschen in allen Völkern, gleichermaßen begeistert. Hier sind Aufgaben, die die Opfer wert sind, die zu ihrer Lösung gebracht werden. Denn der heutige Stand der Raumfahrt und das Betreten des Mondes ist ja nur ein erster tastender Schritt in eine Welt, die erst kommenden Generationen ihre universelle Größe und Schönheit offenbaren wird.

Alle Sterne im All bestehen, wie wir wissen, aus den gleichen Stoffen, aus denen auch unsere Erde und wir Menschen bestehen. Die Entwicklung des irdischen Lebens bildet mit ihren Millionen Lebensformen nur ein Beispiel aus billionen Entwicklungsmöglichkeiten im Universum.

Denn offensichtlich sind die Sterne um des Lebens willen da. Wer kosmisch zu denken gelernt hat, der spürt, daß geistige Mächte am Werke sind, die auf allen Welten lebenschaffend, -entfaltend und -steuernd wirken. Die planetarischen Welten sind Schulungsstätten für die verschiedensten Lebensformen, von denen der Mensch nur eine unter Trillionen Möglichkeiten ist. Seine Heimat, die Erde, umkreist eine relativ kleine Sonne in einem sternenarmen Spiralzweig der Milch­straße, von deren sonnenreichem Zentrum unsere Sonne 30 000 Lichtjahre entfernt ist.

Führende Astronomen wie Harlow Shapley bejahen, daß mindestens zwanzig Prozent aller Sonnen im All — deren Zahl innerhalb des unseren Teleskopen zugänglichen kosmischen Raums auf eine Quadrillion geschätzt wird — in Bezug auf Leuchtkraft, Größe und chemische Zusammensetzung mit unserer Sonne ver­wandt sind, so daß auf ihren Planeten die Entwicklung e es Lebens ähnliche Wege eingeschlagen haben kann wie auf unserer Erde ...

Das bedeutet, daß „einige Milliarden erdähnlicher Planeten in den uns bekannten Galaxien bewohnbar sind, von denen ein großer Teil ähnliche Evolutionsprozesse durchgemacht haben mag wie unsere Erde, Pro­zesse, die zum Entstehen einfacher Lebensformen füh­ren, die wiederum durch die Zeiten hindurch eine Ent­wicklung zu komplizierteren höheren Organismen durchgemacht haben mögen."

Nicht nur die Astronomie, auch Medizin und Biologie befassen sich bereits ernsthaft mit diesem Fragenkom­plex, wie u. a. Prof. Frank B. Salisbury in einem Vor­trag im Süddeutschen Rundfunk (27. 3. 1966) über „Exobiologie — die Suche nach außerirdischem Leben" darlegte, der darin „einen der faszinierendsten Aspekte menschlicher Bemühungen, den zu verfolgen sich je menschliche Intelligenz bemühte", erblickt. Er sprach von „immer zwingenderem Beweismaterial, mit dem wir täglich konfrontiert werden" und betonte, daß Le­ben unter den verschiedensten Bedingungen möglich sei, die durchaus nicht denen auf der Erde zu entsprechen brauchen. Denn im Universum gibt es Abermilliarden Sonnen — mit Planeten, auf denen in ihrer Entstehung, Entwicklung und Gestalt unvorstellbar viele uns ähn­liche und weit mehr völlig andersartige Lebensformen möglich sind, weshalb wir „allen Grund haben, zu glau­ben, daß wir eines Tages mit intelligenten Wesen von anderen Planeten in Kommunikation treten könnten", — oder diese mit uns, was vielleicht schon der Fall war...

Was alle diese Lebensformen, die sich weiter vonein­ander unterscheiden mögen als Mensch und Amöbe, Wurm und Engel, innerlich eint, ist der Geist, und diese Macht des Geistes, des Geistes des Lebens, die Lichtjahr-weiten überspringt, ist es, die uns, wie Shapley sagt, „mit unseren Mitbrüdern auf fernen Planeten wie mit den Tieren und Pflanzen der Erde in einer Existenz und Evolution verbindet, die uns Achtung und Ehrfurcht einflößt."

Wir sind nicht allein im Universum, sondern sind als Kinder der Erde ein lebendiges Glied im Gesamtorga­nismus des kosmischen Lebens.

Zudem sind wir, als Menschen, heute erst ein Anfang und Keim künftiger Geistmenschen, die selbst wiederum nur Vorstufen einstiger Gottmenschen sein mögen,
die sich als Träger kosmischer Kräfte unvorstellbaren
Ausmaßes erkennen und erweisen werden ... Nur die Gottheit weiß, zu welchen Höhen das Leben im All sich entfalten wird.




DER MENSCH IM KOSMISCHEN ZEITALTER                                                                  30



„Das Alte Testament ist der Vorhof, das Neue Testa­ment das Heiligtum, das Ewige Evangelium das Allerheiligste des Tempels der Menschheit. Im ersten treibt die Furcht, im zweiten offenbaren sich Gnade und Glaube, im dritten die vollkommene Ausstrah­lung der Liebe. Das erste war die Zeit der Knecht­schaft, das zweite die Zeit sohnha f ter Bindung; im dritten wird die Freiheit leuchten."

Joachim von Fiore (1145-1212)

Wenn wir unseren Blick auf die Entwicklung des Erden­menschen im Kosmischen Zeitalter richten, in dessen Morgenröte wir leben, dann wird folgendes deutlich:

Allen Weltängsten und Weltuntergangsträumen zum Trotz, die für unsere heutige Übergangszeit kenn­zeichnend sind, wird uns bewußt, daß die Menschheit erst am Anfang ihrer kosmischen Entwicklung steht, derzeit kaum die Reife eines Kindes erreicht hat und Jahrmillionen für ihre Weiterentwicklung zur Verfü­gung haben wird — wenn sie in dieser Übergangs- und Prüfungszeit die rechten Entscheidungen trifft.

Geschieht das, dann wird sie sich in einigen Jahrhun­derten mit Hilfe der Raumfahrt und anderen Mitteln über die nächsten Sternenreiche ausgebreitet haben.

Wir können das im Sinne der modernen Futurologie (Zukunftsforschung) mit einem hohen Grad von Wahr­scheinlichkeit voraussagen, weil der Mensch der Zukunft keimhaft in uns Heutigen steckt — im Einen noch im Tiefschlaf, bei Anderen im Traume sich regend, im Dritten die Glieder streckend, im Vierten seine neuen Sinne entfaltend, im Fünften zu sich erwachend, im Sechsten seiner selbst bewußt werdend ... In der Ju­gend, aber auch in der älteren Generation begegnen wir Geistmenschen, die uns als Pioniere und Künder des Kommenden voranschreiten. Unnötig, Namen zu nen­nen. Wer wach ist, kennt sie.

Wie ein Futurologe, Robert A. Heinlein (in ,Galaxis`, H. 12), unter dem Titel „Welt — wohin?" aus tech­nischer Sicht auf dem Wege der ‚Extrapolation', d. h. der Projektion bestehender Entwicklungstrends und der Kurven menschlichen Wissens und Fortschritts in die Zukunft hinaus, voraussagt, werde der Erreichung von Mond und Mars die Erforschung des Sonnensystems folgen. Um die Jahrtausendwende könnte das erste wirkliche Raumschiff im Bau sein, mit dem die nächsterreichbaren einige Lichtjahre entfernten Sonnensysteme und deren Planeten angesteuert werden sollen ...

Neue Heilweisen werden das Heer der Krankheiten eindämmen und viele Leiden ausrotten. Die Kybernetik wird den technischen Fortschritt ungeheuer beschleu­nigen und eine Umwandlung der wirtschaftlichen und sozialen Struktur der Menschheit bewirken. Die Seman­tik (Bedeutungslehre) wird den Menschen zu den Wur­zeln des Bewußtseins und Erkennens führen. Die Biochemie wird ins Geheimnis des Lebens vorstoßen. Atomphysik und Chemie werden den Menschen in­standsetzen, völlig neue Stoffe zu berechnen und herzu­stellen und die Kräfte der Natur in einem heute kaum -: orstellbaren Maße zu beherrschen.

Aber weit entscheidender als diese technischen Fort­schritte wird der geistige Fortschritt der Menschheit :ein, der zur Erkenntnis des Wirkens übergeordneter geistiger Ordnungskräfte und Steuerungsmächte im Biologischen wie im kosmischen Geschehen führen und aem Menschen das erschließen wird, was große Geister aller Zeiten als ,Kosmisches Bewußtsein' oder als ,Har­monie mit dem Unendlichen` bezeichnet haben.

Der die Menschheit des dritten Jahrtausend nach Christus vor allem kennzeichnende Zug wird der der Kommunikation und Kooperation im Geiste des Frie­dens und der Freundschaft sein. Ein neuer Adel des Geistes wird sich herausbilden — ein Adel nicht nur des Wissens und der Wissenschaft, sondern weit mehr der Weisheit aus Geist-Erwachtheit, eine Elite ,geistiger Kybernetiker` und Psychodynamiker, die nicht durch Eingreifen von außen her lenken, sondern durch weises Waltenlassen des kosmischen Werdewillens, der alles Lebendige vorwärts drängt und aufwärts zieht .. .

Der Geist und die Kraft, die diese Geistmenschen beseelen, wird der Geist der Friedfertigkeit und die Kraft der Freundschaft sein. Sie werden mithelfen, daß die Menschheit sich in einen lebendigen geistgelenkten Organismus verwandelt, in dem die führenden Kräfte von selbst die ihnen zustehenden Aufgaben überneh­men.

Das hat unter anderen führenden Vertretern der christlichen Kirchen Kardinal Bea, Friedenspreisträger des deutschen Buchhandels, klar erkannt. Er sagt mit Recht, daß „die Erforschung des Weltraums den Men­schen mehr und mehr zum Bewußtsein bringt, daß sie eine einzige Familie auf dieser Erde bilden, und daß die moderne Welt ungeahnte Wege und Mittel bereit­hält, um aus der Menschheit eine Familie im wahrsten Sinne des Wortes zu machen."

Die geistigen Heilbewegungen unserer Zeit, wie sie vom New Thought oder Neugeist und Unity entwickelt wurden, werden in der Zukunft zur Heilung und Besei­tigung der meisten Krankheiten dienen und dazu füh­ren, daß die Lebens- und Schaffenszeit des Menschen sich verdoppelt. Krankenhäuser wird es dann nicht mehr geben; an ihrer Stelle werden überall Stätten der Me­ditation, der Selbstbesinnung, Selbstverwirklichung und bewußten Berührung und Verbindung mit den Kraftströmen des Göttlichen erstehen.

Das Wann und Wie dieser Entwicklung wird, wie überhaupt das Gesicht des Kosmischen Zeitalters, weit­hin von uns Heutigen mitbestimmt — und zwar dadurch, wie wir die Zukunft sehen, ersehnen, erwarten bejahen, also mit unseren Gedanken und Idealen vor-bilden.

So schaffen wir alle jederzeit mit an den Voraussetzungen und Bedingungen, unter denen wir Menschen heute undd künftig am Weltenspiel teilnehmen.

Nur wer die Geschichte und die Geschicke der Mensch­heit im Lichte der Ewigkeit sieht, wer sozusagen von Kosmischen Warte aus den in den großen Entwicklungszyklen waltenden und lenkenden Geist des Lebens am Werke sieht, gewinnt jene zeitfreie Unbe­fangenheit und weltüberlegene Gelassenheit, die ihn eigen Gang der kosmischen Evolution jenseits des Trubels der Zeitlichkeit erkennen oder zumindest ahnen und ihm den Mut zur Feststellung geben, daß die Ewigkeit unser wartet, daß der Höchste, der Weltenengeist, das Höchste von uns erwartet, und daß wir Menschen uns für den Vollendungs-Zug, der uns in die Zukunft weist, aufschließen, uns in immer erneuter Einwärtswendung dem aufsteigenden Lichte öffnen ans von ihm erleuchten und leiten lassen können.

So handelnd, sind wir gerüstet, wenn die Sonne des Kosmischen Zeitalters sich im Osten erhebt und ihre Kinder ruft, in Freude und Freundschaft in den neuen Morgen hineinzuschreiten.



EVANGELIUM DES FRIEDENS                                                                                          31



„Ich glaube an die große Welt des Friedens, die in greifbarer Nähe und imstande ist, in Erscheinung zu treten, sobald wir es ernsthaft wollen und bejahen."
H. G. Wells

Der kommende Mensch — der als Keim, als Anlage in uns allen steckt — ist ein Geistmensch, der die Macht des Geistes so souverän entfaltet, daß er nicht nur seinen Körper, sondern auch sein Leben weithin beherrscht und Fähigkeiten entwickelt, die bisher nur hier und da als vorzeitige Mutationen in Einzelnen hervortraten — (wie die der geistigen Telekommunikation, der telepathischen Verbindung von Wesen zu Wesen ohne die Hilfsmittel des Worts, der Schrift und des Bildes, auch über kosmische Entfernungen hinweg, dann die der Telekinetik, der Fernbeeinflussung von Dingen und Umständen durch den Geist, ohne Werkzeuge und Maschinen, weiter der Teleportation, der Fernbewegung durch Raum und Zeit, ohne Fahr- und Flugzeuge, Raketen und Raumschiffe, und viele andere mehr, über die in anderem Zusammenhang zu sprechen sein wird.)

Denn der Geist ist, als göttliche Macht, universell in seiner Auswirkung, und was der Geistmensch, in dem die Macht des Geistes fortschreitend erwacht und aktiv wird, tut, wird dem höchsten universellen Leitsatz folgen: Wir dienen dem Leben! -

In der griechischen Mythologie gilt Eirene, die Göttin des Friedens, Tochter des Zeus und der Themis, als dem Mars überlegen. Auf dem um 375 vor Chr. von Kephisodot d.Ä. geschaffenen Standbild der Eirene trägt die Friedensgöttin das Plutos-Kind — den Bringer des Reichtums und Glücks für alle auf Erden.

Das ist in der Tat symbolisch wie faktisch das Ge­schenk des Friedens an die geeinte Menschheit: Zufrie­denheit und Wohlstand für alle.

Nun waren die Götter der Alten in Wirklichkeit Tiefenkräfte im Menschenwesen, die nach Entfaltung drängten, Äußerungen des Willens und der Stimme Gottes im Herzen .. .

... Diese Stimme des Ewigen ist heute wie einst für jeden vernehmbar, der sich schweigend und horchend nach innen wendet.

Wenn er ganz still, zur Stille selbst geworden ist, werden ihm ihre mahnenden und heilverheißenden Worte vernehmbar:

,,... Ich habe euch, meinen Kindern, alles zur Ent­faltung Dienliche in Fülle gegeben:

die Erde, die euch trägt und nährt, die Kräfte und Schätze der Natur, deren Vielfalt ihr nach und nach entdecken und euch dienstbar machen werdet, und dazu die Kräfte der Seele und des Geistes, die euch befähigen, über alle irdischen Bedingungen hinauszuwachsen und eurer kosmischen Bestimmung zu folgen.

Neben der Fähigkeit und Kraft des Denkens gab ich euch den freien Willen, der euch von euren jüngeren Brüdern, den Tieren, unterscheidet und euch instand-setzt, aus freien Stücken das Rechte zu tun.

Von diesen beiden Gaben habt ihr bisher nur einen unzulänglichen und teilweise falschen Gebrauch gemacht und damit euch selbst Leid in Fülle bereitet ..

...Aber eben dieses Leid wird wiederum euer Denkvermögen und eure Denkkraft schärfen und euch helfen; euch auf euch selbst, eure Bestimmung und eure Fähigeiten zu besinnen, das Rechte zu erkennen, zu wählen und zu ergreifen.

Ihr seid und bleibt allezeit Kinder meiner Liebe und Selbstgestalter eures Schicksals und eurer Zukunft..

Ihr seid frei, den Weg der Selbstverneinung und Zerstörung zu gehen und die Erde, auf der ihr lebt und heranreift, unfruchtbar zu machen und in eine Stätte des Todes zu verwandeln, — frei aber auch, euch für das Bessere zu entscheiden, den Frieden in euch und um euch zu verwirklichen und die Erde in ein Paradies zu verwandeln.

Vergeßt bei alledem nicht, daß ihr nicht nur Kinder der Erde, sondern auch Kinder des Kosmos seid und daß ihr, wenn ihr euch auf der Erde geeint habt, vor der nächsten Aufgabe steht: eure Friedfertigkeit und Brüderlichkeit bei eurem Vordringen ins All auch den Lebensreichen anderer Welten gegenüber zu beweisen, die euch anfangs fremd anmuten mögen, aber den glei­chen Geist in sich tragen und ebenso meine Kinder sind wie ihr.

In meinem Hause sind viele Wohnungen. Das Uni­versum, von dem ihr erst den kleinsten Teil überschaut, umfaßt unendlich viele Lebenswelten, die alle die gleichen Aufgaben haben wie ihr:

im Laufe der Äonen zu kosmischer Bewußtheit und Machtfülle heranzureifen und einmütig im Dienste der Vergeistigung der Materie und der Gottunmittelbarkeit aller Wesen im All zusammenzuwirken.

Ihr seid frei, euch zu entscheiden. Ihr selbst bestimmt euer Schicksal. An euch liegt es, zu jener größeren Wirk­lichkeit zu erwachen, die alle erwartet und beglücken wird, die den Ruf aus der Stille vernehmen und ihm folgen."



NACHWORT                                                                                                                      32


„Wer das Wohl der Menschen anstrebt, dessen Dasein und Wirken ist geheiligt."                                                                   Pestalozzi

Wenn jeder einsieht und bejaht, daß es zuerst und vor allem auf ihn selbst und sein Denken und Tun ankommt und erst in zweiter Linie auf Verbände und Parteien, Staaten und Mächtekonstellationen, dann entfaltet er durch seine positive Gesinntheit und Handlungsweise eine Macht, die in wachsendem Maße dem bisherigen Hang zum Negativen, zu Streit und Krieg entgegen­wirkt und zu einer Umkehr zum Bergpredigt-Geist friedfertigen Zusammenlebens und freundschaftlichen Zusammenwirkens aller Menschen zum gemeinsamen Besten führt.

Dazu ist jeder, der den Frieden und einen weltwei­sen Freundschaftsbund aller Menschen guten Willens wünscht und bejaht, aufgerufen.

Es ist die Erfüllung dessen, wozu schon Paulus (Eph. 4, 3) uns ermahnte: zur „Einheit im Geiste durch das Band des Friedens", und (6, 15) dazu, uns bereit zu halten, das Evangelium des Friedens zu verkünden, — wie es hier geschieht.

Wir nähern uns damit zugleich der Erfüllung unserer Höchsten Bestimmung, von der Jesus Christus kündete: "vollkommen zu werden, wie Gott im Himmel voll­kommen ist", das heißt, die in uns angelegte Vollkom­menheit und Fülle durch rechtes Denken und Handeln zu aktualisieren, zu entfalten und Stufe um Stufe zu verwirklichen.

Wer dieses Manifest des Friedens aus ganzem Herzen bejaht und es in die Hände von Tausenden wünscht, der gebe es wenigstens an zehn Menschen weiter und vertraue dabei auf die segensreiche Kettenreaktion posi­tiven Denkens und Handelns.Auf diese Weise kann jeder mithelfen, daß der uralte Menschheitstraum vom Frieden auf Erden aus Sehn­sucht und Wunsch zu lebendiger und beglückender Wirk­lichkeit wird für alle Wesen auf Erden.







 
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