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     Inhalt

  • Die Menschenrechte  von Radha Burnier
  • Menschenrechte und Menschenpflichten  von Joy Mills
  • Das Recht zu leben  von Radha Burnier
  • Die Rechte der Tiere  von Radha Burnier
  • Soziale Werte und spirituelle Erkenntnis  von Radha Burnier







 Radha Burnier 



Die Menschenrechte 
                             





Die Feierlichkeiten in diesem Sommer anläßlich des zweihundert­sten Jahrestages der Geburt der USA  (1976 R.M.S.) als unabhängige Nation haben allen jenen, die die Freiheit lieben und die Menschenwürde hochhal­ten, etwas von der Atmosphäre der hohen Bestrebungen vermittelt, mit denen die neue Nation damals ins Leben trat. Die Unabhängig­keitserklärung, die die Bevölkerung der ehemaligen Kolonien selb­ständig machte und die Deklaration der Menschenrechte inspirierte, die 1789 von der französischen Nationalversammlung beschlossen wurde, war wahrhaftig revolutionär.

Im alten Griechenland, Indien und China war zwar der unschätz­bare Wert und die Würde jedes menschlichen Wesens schon von den Philosophen anerkannt und von den religiösen Führern verkündet worden, und in manchen der alten Kulturen suchte die Gesellschafts­ordnung die menschliche Würde dadurch zu schützen, daß sie das Ideal einer Gemeinschaft prägte, in der jeder in gerechter Weise seine Pflicht tut, aber es blieb der westlichen Kultur des achtzehnten Jahr­hunderts überlassen, den Begriff der Menschenrechte systematisch zu formulieren und Grundsätze aufzustellen, in welcher Weise diese Rechte erfüllt und gesichert werden können.

Die amerikanische und französische Deklaration begründeten eine neue Ara in der Betrachtung der Menschenrechte, indem sie die Not­wendigkeit betonten, die Grundsätze der Beziehungen zwischen den politischen und sozialen Systemen und den Individuen, aus denen sie sich zusammensetzen, in die Verfassungen der Staaten einzubauen. Thomas Paine, dessen Worte großen Einfluß auf die geschichtlichen Vorgänge seiner Zeit hatten, erklärte, daß „das Ziel aller politischen Gesellschaften die Erhaltung der natürlichen und unveräußerlichen Rechte der Menschen" sei. Die Regierung habe nicht mehr zu sein als eine Vereinigung zu diesem Zweck. Die Regierung sei für das Volk da und nicht das Volk für die Regierung. „Es gibt nichts der­gleichen wie die Vorstellung von einem Pakt zwischen dem Volk auf der einen Seite und der Regierung auf der anderen. Der Pakt wurde von den Volksangehörigen untereinander geschlossen, um eine Regierung aufzustellen."

Die natürlichen Rechte menschlicher Wesen, über die im siebzehn­ten Jahrhundert Philosophen wie Locke schon lange Abhandlungen geschrieben hatten, wurden nun proklamiert und verliehen allen Ein­zelmenschen eine Heiligkeit, in deren Licht das göttliche Recht der Könige und Herrscher völlig aufgehoben war. „Die Menschen sind frei und gleich geboren und bleiben es", verkündeten die Revolutio- näre in Frankreich.  ‑

So beseelte die Deklaration der Menschenrechte ein republikani­scher Geist, und es entstand eine heftige Ablehnung der Privilegien einiger weniger in Feudalsystemen und unter monarchischen Regie­rungsformen, in denen nur der Stand Rechte verlieh und der Mensch als Mensch keine Rechte hatte. Die Legalität einer Herrschaft, die sich auf den Grundsatz der Vererbung gründet, wurde mit der Be­gründung angefochten, daß dies kein wahrer Grundsatz sei, sondern nur ein Vorwand, um Eigentum und Privilegien zu schützen. Die fol­genden Worte Paines fassen die republikanischen Argumente zusam­men:

„Jedes Zeitalter und jede Generation muß ebenso frei sein, für sich zu handeln, wie es die Zeitalter und Generationen waren, die ihr vor­angingen. Die Anmaßung, über das Grab hinaus zu regieren, ist die lächerlichste und unverschämteste aller Tyranneien. Der Mensch hat kein Eigentum an anderen Menschen; und ebensowenig hat eine Ge­neration ein Eigentum an den Generationen, die ihr folgen."

Die Neue Welt war ein fruchtbarer Boden für das Wachstum dieser neuen Vorstellungen von einer demokratischen und republikanischen Ordnung, denn sie war vorwiegend von Menschen bevölkert, die von der Alten Welt die Freiheit verlangt hatten, ihrem Gewissen gemäß zu denken, zu beten und zu handeln, und denen diese Freiheit ver­wehrt worden war. Dissidenten und Nonkonformisten von vielerlei Art, die aus den verschiedenen Ländern Europas ausgewandert waren, schlossen sich hier zusammen, um aus ihren Verschiedenheiten ein gemeinsames Streben- nach einer Verbindung individueller Frei­heit mit sozialer und politischer Ordnung zu schmieden.

Es zeigte sich allerdings, daß sowohl die -Deklarationen des achtzehnten Jahrhunderts als auch die allgemeine Menschenrechtsdeklara­tion, welche die Generalversammlung der Vereinten Nationen im Jahr 1948 beschloß, mehr den Charakter von Idealen als von Richt­linien für das praktische Handeln trugen. Obwohl ihre Deklarationen zu historischen Marksteinen wurden, kümmerten sich die amerikani- schen und französischen Revolutionäre wenig um die Stellung der Sklaven, der Neger und der Frauen. Die moralische Verpflichtung, jedem menschlichen Wesen Gelegenheit zu innerem Wachstum und zur Ausbildung seiner Fähigkeiten zu geben, durch Gewährung des Rechtes auf . Erziehung und Freizeit usw., wurde erst viel später an­erkannt. Viele von den Rechten, die die Welt heute zumindest in der Theorie, wenn schon nicht in der Praxis, anerkennt, „wurden unter ungeheurer Anstrengung und unter heftigen Leiden einer Gesellschaft entrissen, in der die Bedürfnisse der vielen den Privilegien der weni­gen geopfert waren", um die Worte Harold Laskis zu gebrauchen. Arbeitsgesetzgebung, Jugendwohlfahrt, die Befreiung der religiösen Minderheiten und der Frauen und viele andere heute feststehende Einrichtungen sind erst verhältnismäßig neue Errungenschaften. Und auch nachdem die westliche Welt langsam zu der Auffassung gelangt war, daß die Rechte der Menschen festgelegt und verwirklicht wer­den müssen, nicht nur politisch und staatsbürgerlich, sondern auch in der wirtschaftlichen und sozialen Struktur, wurden sie den Ländern und Völkern verweigert, die die mächtigen Nationen des Westens kolonisiert hatten. Dadurch besteht heute eine große Kluft zwischen. den sozialen und wirtschaftlichen Rechten, deren sich die Menschen im Westen erfreuen, und jenen derer, die sich unter ihrer Herr­schaft befanden.

Die Deklaration der Vereinten Nationen hat aber dem Begriff der Menschenrechte ein erneutes Ansehen gebracht und eine moralische Norm aufgestellt, denn auf dem ganzen Erdball fühlen sich die Re­gierungen gezwungen, die Universalität der Menschenrechte ohne Un­terschied der Geburt, des Glaubens, der Rasse, der Farbe, des Ge­schlechts usw. zumindest im Prinzip anzuerkennen. Selbst Regierun­gen und Regime, die die Menschenrechte verhöhnen und die mensch­liche Würde mit Füßen treten, fühlen sich verpflichtet, fromme Zu- stimmungserklärungen zu geben und ihre Handlungen mit hochtra­benden Worten zu verteidigen. Die Menschenrechte sind ironischer­weise sogar zur politischen Munition geworden. Ihre Verletzung in den am weitesten rechts stehenden Ländern ist „Wasser auf die Müh­len" der am weitesten links stehenden und umgekehrt.

Es ist heute ein seltsames Schauspiel, wie die Regierungen der Welt miteinander in ihren Behauptungen, der Bevölkerung zu dienen, wett­eifern, während die Menschenrechte gleichzeitig in kolossalem Um­fang mißachtet werden. Die vor einigen Jahren von Aldous Huxley dazu gemachten Bemerkungen sind heute noch ebenso wahr wie da­mals, als er sie niederschrieb: „Infolge des wachsenden Bevölkerungs­druckes, der Verminderung der Naturschätze und der zunehmenden Komplexität der modernen Gesellschaft und der Weltprobleme, die eine Folge der technischen Veränderungen sind, ist das zwanzigste Jahrhundert zum goldenen Zeitalter für zentralistische Regierungen und Diktaturen geworden und Zeuge eines Wiedererstehens von Mas­sensklaverei, die politischen Häretikern, unterworfenen Völkern und Kriegsgefangenen aufgebürdet wurde." Die Staaten haben sich un­geheure Macht angeeignet, oft mit der Behauptung, das Volk vor Chaos und Gefahren für seine Rechte retten zu müssen. Die Teilung der Welt in enorme Machtblöcke und ideologische Lager und die dar­aus resultierende Furcht vor Krieg hat zu der Konzentration von Macht in den Händen der modernen Herrscher der Welt noch bei­getragen. Die Unterdrückung der Menschenrechte durch eine wach­sende Zahl totalitärer Regierungen gehört zur Tagesordnung.

In einer Reihe von Artikeln hat vor kurzem die britische Zeitschrift The Guardian die Aufmerksamkeit auf eine der schreiendsten Formen der Rechtsverletzung gelenkt, „das allgegenwärtige Vorkommen von Folterungen in globalem Maßstab". Von Amnesty International freigegebene grauenerregende Fotografien aus Chile erschienen zu­sammen mit den Artikeln. Aber es gibt noch zahlreiche andere Staa­ten, die barbarische, ja, man könnte sagen teuflische Methoden ge­genüber Personen anwenden, die ihre Macht anfechten oder sich in anderer Weise als unbequem erweisen. Auch abgesehen von der Fol­ter kommen in allen Teilen der Welt ständig flagrante Verletzungen der Menschenrechte vor. Noch weniger Hoffnung auf Wiedergut­machung als die russischen Dissidenten haben die Menschen in Kam­bodscha, die durch eine Politik der Massenverschleppungen seitens der neuen Regierung rücksichtslos aus ihren Heimen, ihren Berufen und ihrer gewohnten Lebensweise gerissen wurden. Ungeheures Elend und eine Vergeudung menschlicher Möglichkeiten liegen auch in dem Weiterbestand von Sklaverei in vielen Formen — z. B. im Konkubi­nat und der Abhängigkeit der Frauen und ihrer praktischen Gefan­genschaft in einem Purdha-System, bei Bediensteten, die durch Ver­schuldung unlösbar an ihre Herren gefesselt sind, oder wenn in Zeiten von Hungers-not Kinder verkauft werden oder Landarbeiter durch Passierscheingesetze an ihr Land gefesselt werden. Die Sklaverei ist in die gesellschaftliche Organisation vieler Länder eingebaut. Selbst wenn es Gesetze zu ihren Gunsten gibt, wissen viele arme, versklavte Menschen, da ihnen die entsprechende Bildung versagt wurde, gar nicht, daß sie das Recht haben, frei zu sein.

Freiheit von Furcht ist die Grundlage für die Verteidigung anderer Rechte. Aber allverbreitete Furcht ist der unzertrennliche Schatten von Diktatur und totalitärer Macht. Der junge tschechische Schrift­steller Vaclav Havel gibt ein bewegendes Zeugnis für die Existenz solcher Furcht und den verheerenden Konformismus, den sie dem menschlichen Geist auferlegt. Über die „allgegenwärtige, allmächtige Staatspolizei" schreibend, sagt er: „Das ist die abscheuliche Spinne, deren Netz unsichtbar die ganze Gesellschaft durchzieht; das ist der Punkt in der Unendlichkeit, in dem sich alle Linien der Furcht schließlich schneiden; das ist der endgültige und unwiderlegbare Be­weis, daß kein Bürger hoffen kann, die Macht des Staates in Frage zu stellen. Und wenn auch die meisten Menschen die meiste Zeit dieses Netz nicht mit ihren eigenen Augen sehen und seine Fäden nicht be­rühren können, so ist sich doch jeder einfachste Bürger seiner Existenz wohl bewußt, er setzt seine stumme Gegenwart zu jeder Zeit und an jedem Ort voraus und verhält sich dementsprechend, das heißt, er verhält sich so, daß er der Billigung seitens dieser verborgenen Augen und Ohren sicher ist."

Können Menschen mit Gewissen und Mitgefühl irgend etwas tun, um die Welt aus diesem Morast von Unrecht herauszuheben? Ja! Die Weltmeinung hat sich in vielen Fragen — zum Beispiel hinsichtlich des Sklavenhandels, des Frauenstimmrechtes, der Kinderarbeit usw. — ungeachtet der Überlegenheit machtvoller kommerzieller Interes­sen, die entgegenstanden, geändert, weil Menschen mit Gewissen sich über das, was vor sich ging, informierten und sich dann an die Seite der Unterdrückten stellten. Viele kleine Gesten summieren sich. So­lange die meisten Menschen ihr Leben gänzlich persönlichen Zwecken widmen, ohne auf die allgemeine menschliche Lage zu achten, gibt es wenig Chancen für eine Veränderung. Unsere wichtigste Aufgabe ist es daher, für die großen Fragen, die auf dem Spiel stehen, wach zu sein. Dann vermögen wir auch durch kleine Gesten, durch die Stärke unserer Überzeugung und die Kraft unserer Gedanken zur Erleich­terung der menschlichen Leiden beizutragen.






Joy Mills




Menschenrechte und Menschenpflichten
 
       


Keine Frage hat die Aufmerksamkeit der Idealisten in der Welt so gefangengenommen und vielen sogenannten Politikern so viel Unbe­hagen bereitet wie die Frage der menschlichen Grundrechte. In den Vereinigten Staaten hat Präsident Carter die interamerikanische Men­schenrechtskonvention aus dem Jahre 1969 unterzeichnet und die menschlichen Grundrechte zu einem Zentralpunkt der amerikanischen Außenpolitik gemacht. Die Menschenrechtsfrage ist ein Hauptgegen­stand internationaler Auseinandersetzung. Während viele dem mora­lischen Wert der Anerkennung der Menschenwürde Beifall spenden, befürchten andere, es sei dies ein riskanter Kurs, der politische Naivi­tät und militärische Schwäche bedeute.

Für den Studierenden der Theosophie ist diese Frage aber weder eine politische noch eine militärische; sie geht weit über soziale und wirtschaftliche Erwägungen hinaus und hat ihr Fundament in der Anerkennung des essentiellen Wesens des Menschen. Das heißt, eine Verwirklichung unseres Menschseins muß unausweichlich zu einem Handeln führen, das grundsätzlich menschlich ist. Unser Menschen-turn beruht auf einem psychischen Rang, es ist durch mentale Vor­gänge oder Bewußtseinsstufen gekennzeichnet, die unsere Handlungen und unser Verhalten bestimmen. Menschsein ist daher kein Zufall der Natur, sondern das Ergebnis unserer Handlungen in jedem Au­genblick, eine evolutionäre Errungenschaft von tiefer Bedeutung; wir haben darum die Verpflichtung, ständig, in jedem Augenblick, so zu handeln, daß wir unser Menschentum bewahren. Stets stehen wir vor einer Entscheidung, vor einer Wahl, wie wir handeln sollen. Die Kabbala sagt: „Um des Wählens willen wurde der Mensch geschaffen." Und wir müssen das, was wir gewählt haben, auch zu Ende leben, ob unsere Wahl bewußt getroffen wurde oder unbewußt. Die Frage der Menschenrechte darf daher nicht sosehr vom Standpunkt des Auf­baues der Außenpolitik eines Staates betrachtet werden, sondern sie muß im unmittelbaren Zusammenhang mit dem Verhalten des einzel­nen gesehen werden. Wir mögen die Folterung politischer Gefangener und das Unterdrücken freier Informationen beklagen, während wir selbst Mitgeschöpfe durch gedankenlose Akte der Ungerechtigkeit quälen und die Freiheit des Denkens durch einen Dogmatismus unter­drücken, der keine Diskussion über unterschiedliche Gesichtspunkte erlaubt. Zu oft haben wir nur ein Lippenbekenntnis zu den ethischen Vorschriften, die in jeder Religion als die eigentliche Grundlage un­seres Menschentums gelehrt werden.

Im pancasila des Buddhismus, im Yama und Niyama der Yoga-Tradition und in den Geboten des christlichen Lehrers sind die Ver­pflichtungen unseres Menschseins formuliert. Keine Gewalt ist so sinn­los wie die Gewalt, die wir dem menschlichen Geist antun, wenn wir einen anderen durch Verleumdung und gedankenloses Reden seiner inneren Würde berauben. Klatsch ist ebenso grausam wie Folterung, Intoleranz und Haß ebenso ungerecht wie eine Einkerkerung. Wir können kaum erwarten, daß irgendeine Politik erfolgreich sein kann, auch wenn sie noch sosehr von Idealen der Nächstenliebe und einem hohen Standard moralischer Korrektheit und ethischer Aufrichtigkeit getragen ist, sofern wir selbst in unserem eigenen Alltagsleben unse­ren Mitmenschen auf diesem kleinen Planeten die einfachsten mensch­lichen Rechte verweigern. Wir müssen lernen, unser eigenes Men­schentum dadurch auszudrücken, daß wir selbst menschlich handeln. Denn das Menschentum einer Person besteht nicht sosehr aus den Rechten, die jeder zu haben glaubt, sondern wesentlicher aus den Pflichten, die er zu erfüllen trachtet. Der Studierende der Theosophie erkennt, daß jede Konvention über Menschenrechte auf einer Aner­kennung menschlicher Verantwortlichkeit beruhen und durch sie er­gänzt werden muß. Nur durch die Erfüllung unserer Pflichten — des Dharma, Mensch zu sein  werden wir unsere wahren Rechte er­kennen und schließlich mehr als Mensch werden.

Wiederholt wird heute in Büchern und Schriften gezeigt, daß es uns nicht an technischem Wissen zur Lösung aller unserer Probleme fehlt. In einem bemerkenswerten neuen Buch, Bimodal Consciousness, schreibt Arthur F. Deickmann: „Die Krisen, denen die Menschheit jetzt gegenübersteht, sind technisch lösbar. Bevölkerungskontrolle,
Verminderung der Verschmutzung und Ausmerzung von Rassismus und Krieg erfordern keine neuen Erfindungen. Dennoch können sich diese Probleme als verhängnisvoll unlösbar erweisen, weil das, was erforderlich ist, eine Änderung in der Wertsetzung, im Selbstver­ständnis und in der Betrachtung der Welt seitens jedes einzelnen ist, denn das individuelle Bewußtsein ist das eigentliche Problem." Wach­sende Anerkennung findet die Erkenntnis, daß es ein verborgenes Universum im Inneren eines jeden von uns gibt und daß das Gehirn ein sehr merkwürdiges Werkzeug unseres Bewußtseins ist. Seine zwei Hemisphären lenken zwei ganz verschiedene Wahrnehmungsarten: die analytisch-rationale und die intuitiv-rezeptive, synthetische Auf­fassungsweise.

Wir haben es zu enormen Fähigkeiten bei der Manipulation unserer Umgebung gebracht, aber in tragischer Weise dabei versagt, uns sel­ber zu verstehen. Die Erkenntnis der zweifältigen Struktur des Ge­hirns hat D'eickmann zu folgender weiterer Feststellung geführt: „Die Funktionsweise des Tätigseins hat sowohl unser individuelles Leben als auch unsere nationale Politik bisher regiert, und die Ich-Es-Be­ziehung, welche die Grundlage für technische Erfolge war, erweist sich jetzt als das Haupthindernis für die Rettung unserer Rasse. Wenn hingegen jeder fähig werden würde, seine Identität mit anderen Men­schen und mit seiner Umgebung als Teil einer größeren Einheit zu empfinden, dann würde er jenes Gefühl des Einsseins haben, das die selbstlose Handlungsweise stützt, die notwendig ist, um das Bevöl­kerungswachstum zu regulieren, die Verschmutzung auf ein Mindest­maß zurückzuführen und den Kriegen ein Ende zu setzen. Die rezep­tive Auffassungsart, d. i. die Methode des Yoga, ist jene Methode, in der es Identifizierung, die Ich-Du-Beziehung, gibt."

Es ist herzerfrischend, die verschiedenen Anzeichen dafür zu ver­merken, daß der Mensch sich bemüht, der vielen Probleme Herr zu werden, die er durch die Entwicklung der Technik selbst geschaffen hat, und daß der Hauptstoß dieser Bemühungen in die Richtung geht, mehr von dem Werkzeug verstehen zu lernen, mit dem er die ver­schiedenen Veränderungen zustande bringen muß — das Werkzeug seines eigenen Verstandes. Was jedoch dabei dringend notwendig wäre, um das volle Spektrum des Bewußtseins zu erkunden, sind die von der theosophischen Metaphysik gebotenen Leitlinien. Es obliegt den theosophischen Forschern, jene Grundlagen zu liefern, auf denen eine echte Wissenschaft vom inneren Wesen des Menschen auf­gebaut werden kann, sonst verlieren sich die Forscher auf dem Ge­biet des Bewußtseins allzuleicht in dem modernen Ddland einer neuen Mechanistik, einer Art von vergeistigtem Materialismus, oder verirren sich blind in dem Morast des Pseudo-Okkultismus. Vor langer Zeit, in den frühen Tagen der Theosophischen Gesellschaft, schrieb ein Adept-Lehrer: „Wir haben uns erbötig gemacht, die Urschichten des menschlichen Wesens, seine Grundnatur ans Tageslicht zu bringen und die wunderbaren Verflechtungen seines inneren Wesens bloßzu­legen — etwas, was in seinem letzten Ausdruck von der Physiologie und auch von der Psychologie niemals erreicht werden könnte ...1" Dies ist durch die Fülle der Literatur, die durch die Theosophische Gesellschaft und ihre verschiedenen Verlagshäuser verfügbar gemacht wurde, geschehen, aber es liegt an uns als den heutigen Erben der Weisheitstradition, sie zum Zwecke der Darbietung an jene, die Su­cher nach dem Lebenssinn sind, verständnisvoll zu assimilieren. Die­sem Zwecke dienen bereits verschiedene Einrichtungen der Gesell­schaft, wie das Internationale Zentrum für theosophische Studien und Forschungen in Adyar und die Schule der Theosophie in Krotona, Kalifornien; auch das kürzlich gegründete Internationale Komitee für Naturwissenschaft und Technik, das jetzt für die unter der redaktio­nellen Leitung von Dr. E. Lester Smith herausgegebene Zeitschrift Theosophy/Science verantwortlich ist, bildet einen wichtigen Teil der Gesamtanstrengung, um dem Bedürfnis der Welt nach Leitlinien für ein Verständnis des menschlichen Wesens zu entsprechen.

Zu den weniger schönen Manifestationen des gegenwärtigen Inter­esses an den weiteren Bereichen des Bewußtseins gehört die heute be­sonders unter jungen Leuten weitverbreitete Meinung, emotionellen und psychischen Erlebnissen freien Lauf zu lassen. Viele von den so­genannten alternativen Lebensstilen wurden auf das vermeintlich grundlegende menschliche Freiheitsrecht gegründet, zu sein und zu tun, was immer man wünscht. Im Namen persönlicher Freiheit wird alles, was Disziplin enthält, einschließlich von Höflichkeit und Ach­tung vor der Heiligkeit der Person anderer, als altmodisch betrachtet und abgelehnt. Der britische Staatsmann Edmund Burke hat einmal gesagt: „Es ist das Unglück (und nicht der Ruhm) dieses Zeitalters, daß über alles diskutiert werden muß." In einer kürzlich erschienenen Ausgabe von Psychology Today schreibt der Professor für Psychia­trie an der Columbia Universität, daß es Zeit ist, „das Kloakenwas­ser ungereinigter Emotionen" zurückzuhalten, wenn wir zu einer wahrhaft mitfühlenden menschlichen Gesellschaft gelangen wollen. „Wieso kommt es", fragt er, „daß oft der gleiche Mensch, der so geharnischt für die ökologische Sauberkeit eintritt und mit solcher Ent­schiedenheit die Umwelt vor materiellen Abfällen zu schützen be­müht ist, einen absoluten Zwang empfindet, sie mit den geistigen Ex­krementen seiner Person zu verunreinigen?" Dr. Gaylin, Gründer und Präsident des Instituts für Gesellschaft, Ethik und Lebenswissenschaf­ten, erklärt, daß zotige Sprache und niedrige Temperamentausbrüche, gleichgültig ob unmittelbar ausgedrückt oder „gedruckt, paketiert und dem arglosen Konsumenten als Roman oder Unterhaltung gelie­fert", in Wirklichkeit nur Formen öffentlicher Verunreinigung dar­stellen und daß wir als Mitglieder der organisierten Menschheitsge­meinschaft Verantwortung dafür tragen, die vergessenen Tugenden der Güte, der Keuschheit und der Sorge für seine Mitmenschen wie­dererstehen zu lassen sowie eines Stolzes, selbstbeherrscht zu sein.

Dies erinnert an die Mahnung Sri Krischnas an Ardschuna im zweiten Gesang der Bhagavad Gita: „Wenn jemand den Neigungen der Sinne nachgibt, so wird er von diesen angezogen; aus dieser An­ziehung entsteht Begierde und aus der Begierde Leidenschaft. Aus der Leidenschaft entsteht Verwirrung und aus dieser Vergessen von bereits Erkanntem und aus diesem Vergessen Verlust der Unterschei­dungskraft und aus dem Verlust der Unterscheidungskraft der Ver­lust von allem." Um den „Verlust von allem" zu vermeiden, müssen wir daher lernen, Unterscheidungskraft zu haben, die immer der er­ste Schritt auf der königlichen Straße zur Selbsterkenntnis ist. Vor allem aber müssen wir lernen, daß die Rechte, die wir beanspruchen (ob es nun die sind „zu tun, was uns beliebt" oder die grundlegende­ren der persönlichen Freiheit, der freien Religionsausübung usw.), das Ergebnis und nicht die Vorbedingung der Pflichten sind, die wir dem größeren Selbst schulden, von dem wir Teile sind, dem Einen Selbst, das in jedem lebt und atmet, und an dessen Bewußtsein teilzuhaben wir erstreben.

Freiheit ist Gehorsam gegenüber dem universellen Gesetz. Wir sind am freiesten, wenn wir frei von uns selbst sind; vollkommenste Frei­heit liegt im vollkommensten Dienst.

N. Sri Ram







 Radha Burnier






Das Recht zu leben 
                                                


Das Recht, würdig zu leben und zu sterben, wird heute nur zögernd anerkannt und zuweilen auch nur soweit, wie es den Menschen an­geht. Es besteht noch immer ein unzureichendes Bewußtsein, daß alles, was lebendig ist, das Recht hat, das zu sein, was im Plan der Natur vorgesehen ist. Der Evolutionsplan entfaltet nach Darlegung mancher Naturwissenschaftler unaufhörlich Einmaligkeit und Indi­vidualität. Diese Eigenschaften sind im Keim der Energie enthalten, ohne die kein beseeltes Leben möglich ist. Einmaligkeit besteht sogar im kleinsten aller Geschöpfe und tritt deutlicher bei höher entwik­kelten Tieren hervor — die Menschen eingeschlossen —, obgleich diese Unverwechselbarkeit nicht immer sofort zu erkennen ist. Wie erstaunlich ist es doch, daß keiner unter den Billiarden Fingerab­drücken dem anderen entspricht und keine Stimme der anderen; nicht ein einziges Blatt ähnelt dem anderen wie ein Zwilling. In der Natur läßt sich deutlich die Absicht erkennen, daß jedes Geschöpf gewisse unverwechselbare Eigenschaften entwickelt und vielleicht auch eine verborgene innere Kraft, die uneingeschränktes Wachstum in sich birgt.

Der Mensch, der aus Unwissenheit die der Natur innewohnende Weisheit mißachtet, maßt sich das Vorrecht an, in jegliches Leben einzugreifen. Er sperrt Vögel und Tiere — und manchmal auch Men­schen — in Käfige. Dies bedeutet nicht nur eine Einschränkung des Rechtes auf Freiheit, das der Vogel, das Raubtier und der Fisch be­sitzen, sondern es ist auch eine grobe Verletzung ihrer wahren Natur. Vögel oder Tiere können sich nicht selbst verwirklichen, wenn sie ihrer wesensgemäßen Weise, tätig zu sein, beraubt werden, nämlich durch die Luft zu fliegen oder in der Wildnis umherzustreifen. Wenn der Mensch Tiere dazu zwingt, ihrer Natur widerstrebende Fähig­keiten im Zirkus, in Wettrennen oder auch in Kämpfen darzubieten, verhält er sich den Tieren gegenüber verächtlich. Die physische und geistige Stärke des Menschen veranlaßt ihn zu glauben, er könne alles so verbiegen, daß sich Charakter und Gestalt verändern. Mit der Fähigkeit, zu klonen und genetische Merkmale zu manipulieren, könnte der Mensch noch tiefer in die natürlichen Prozesse eindrin­gen, um dann zu seiner eigenen Verwirrung zu entdecken, daß er bösartige Gene freigesetzt hat, die er nicht zu kontrollieren vermag. ,Macht ist Recht` ist ein gefährliches Prinzip, denn es steht nicht im Einklang mit der Wahrheit der Dinge.

Heutzutage sind Millionen Geschöpfe, die von Menschen wegen des Fleisches und anderer Produkte gezüchtet werden, dazu verur­teilt, unter grausamen und unnatürlichen Bedingungen von Geburt bis zum Schlachten zu leben. Die fixe Idee, mehr Wissen erlangen zu wollen, gilt gleicherweise als Entschuldigung dafür, im Gehirn, in den Nerven und in den Körpern gefangener Kreaturen herumzu­stochern. Es erstaunt uns daher nicht, daß ein derartiges Verhalten auch zu schockierenden Eingriffen in das menschliche Leben geführt hat. Es liegt in der makabren Logik der Sache, daß man an Kriegs­gefangenen des letzten Weltkrieges herumexperimentierte, indem man sie zu nützlichen „Objekten" machte. Wenn einmal die Idee gehegt wird, daß andere Geschöpfe kein Recht haben, sie selbst zu sein und sich gemäß ihrer eigenen Natur zu betätigen, ist es nicht schwierig, noch weiter vorzudringen und in die Rechte des Men­schen einzugreifen. Verhaltensforscher glauben, befugt zu sein, Be­lohnungen oder Strafe einzusetzen, um böse Buben in gute umzufor­men. Medizinische und juristische Experten maßen sich an, Patien­ten in einen Zustand der Degradierung zu versetzen, den weder diese noch ihre Familien wünschen.

The Journal of Medical Ethics (Zeitschrift für medizinische Ethik) hat kürzlich einen Artikel über den Gebrauch von „Folter an Men­schen" veröffentlicht. Folter schließt heutzutage nicht nur körperli­chen Schaden ein, sondern auch Gehirnwäsche mit Hilfe von Dro­gen, Bedrohungen und neuen Techniken. In dem Artikel wird be­hauptet, daß der Gebrauch fortschrittlicher medizinischer Techni­ken gerechtfertigt ist, um Informationen zu erhalten und daß es heute möglich ist, Schmerz ohne körperlichen Mißbrauch oder Nebenef­fekte zufügen zu können. Dies ist der Beweis dafür, wie weit das Denken von der Anerkennung des Rechtes auf Leben abgeirrt ist. Sogar ein Einfaltspinsel hat das Recht, der zu sein, der er ist — ein Grund, warum Heilige und Erleuchtete „Narren froh hinnehmen". Niemand kann gezwungen werden, sich über die Stufe zu erheben, auf der er sich befindet, ebensowenig sollte keiner in einen niedrige­ren Stand versetzt werden, wie dies durch Hirnoperationen gemacht worden ist, um an „unerwünschten" Personen das Bösartige zu be­seitigen und sie in einen harmlosen Zustand zu versetzen. Es werden Warnungen laut, daß die Erde gegen Ende des Jahrhunderts um etwa 50 Prozent ihrer wunderbaren Vielfalt beraubt sein wird, wenn sich diese menschliche Aktivität weiterhin auf den Glauben stützt, daß der Mensch das Wichtigste auf Erden ist. Aber seine gefühllosen Handlungen können sein eigenes Verderben zustande bringen. Die Erschöpfung der Umwelt könnte zu unvorstellbaren Ergebnissen führen. Ebenso gefährlich könnte es sein, an den individuellen We­sensmerkmalen und der Unversehrtheit der Naturkräfte herumzu­spielen.

Auf Dauer gesehen, kann die Natur oder der göttliche Plan nicht durchkreuzt werden. Wissen wir denn, was die Natur damit beab­sichtigt, wenn sie jedes Geschöpf mit einmaligen Gaben und Schön­heiten ausstattet? In einem Artikel des Guardian über den Mauerseg­ler wird gesagt, daß dieser Vogel mindestens 700 Tage in der Luft bleiben kann, möglicherwie sogar länger, indem er sich ausschließ­lich von Insekten ernährt, die er fängt, ohne sich auf die Erde nieder­zusetzen. Er schläft, während er langsam aus großer Höhe herab­schwebt. Was ist der Grund für solch ein Leben mit seinen ihm eigenen, besonderen Merkmalen? Dem Menschen mag kein beson­derer Grund in den immer gegenwärtigen Wundern der Natur er­kennbar sein, denn er ist so sehr verstört durch ein in ihm liegendes Gefühl der Leere, daß ein „Plan" ihm als etwas erscheint, an dem er keinen Anteil hat. Doch für Geschöpfe, die in Harmoie mit der natürlichen Ordnung leben, liegen Freude und Göttliches in dem, was sie sind. Ihre Erfüllung hängt nicht davon ab, ob sie etwas erhal­ten oder etwas werden, sonder sie liegt im Verhalten gemäß ihrer eigenen Natur. Die Menschen sollten Sorge tragen, daß sie nicht das Privileg verpassen, den Lauf der Natur zu beobachten, und sie sollten sich darum kümmern, Einsicht in die Weisheit zu erhalten, die durch die Natur hindurchwirkt.






 
Radha Burnier




Das Recht der Tiere   
                             


Im Januar 1993 brachte der Welt-Vegetarier-Kongreß, der in Madras stattfand, Menschen zusammen, die aus vielerlei Gründen der vege­tarischen Lebensweise huldigen. Eine Anzahl von Rednern wies auf die Bedeutung des Vegetarismus für den Erhalt guter Gesundheit hin. Es ist eine Tatsache, daß eine zunehmende Anzahl von Men­schen weltweit erkennt, daß der Verzehr von Fleischprodukten für die Gesundheit nicht erforderlich ist. Im Gegenteil, viele körperliche Beschwerden werden gerade durch Fleischverzehr verursacht, be­sonders da heutzutage die Tiere unter höchst unnatürlichen Bedingungen gehalten und gespritzt werden, um der menschlichen Gier nach höheren Profiten zu genügen.

Die vegetarische Ernährungsweise wird auch aus anderen Grün­den als denen der Gesundheit befürwortet; aber diese sind im allge­meinen kaum bekannt. Nur wenige Menschen wissen, daß, indem man Tierzucht zu einem Industriezweig macht, Tiere in solcher Ge­schwindigkeit gezüchtet werden, daß sie Menschen zahlenmäßig 3 :1 überlegen sind, was eine ernste Bedrohung für die Umwelt bedeutet. Darauf bezugnehmend weist das Weltbeobachtungsinstitut (World Watch Institute) nicht nur auf die Gefahr von vermehrter Verödung durch Abweidung hin, die den Boden hart und regenundurchlässig macht, sondern auch auf die ernsthafte Bedrohung, die durch das Gefangenhalten von Millionen von Tieren auf Zuchtfarmen ausge­löst wird. Die Ausscheidungsprodukte solcher Farmtiere verunrei­nigen Grundwasser, Brunnen, Flüsse und Seen. Stickstoff, der aus dem Dung entweicht, verwandelt sich in Ammoniak und trägt zu saurem Regen bei. Man berichtet uns, daß die bei weitem bedeutend­ste Ursache von Säure, die sich auf holländischem Boden ablagert, von dem Dünger-Ammoniak herrühre, der mehr Schaden anrichte als die Autos und Fabriken des Landes. Der Bericht erwähnt auch, daß Millionen Tonnen von Methangas, das ein wichtiger Faktor zur Förderung des Treibhauseffektes ist, von Tieren hervorgerufen wird, die die hilflosen Opfer künstlicher Züchtungsprogramme sind.

Jeremy Rifkin weist in seinem Buch „Beyond Beef" (Das Entste­hen und der Untergang der Rinderkultur) darauf hin, daß die Vor­liebe des Westens für Steaks Wüsten schafft, die Atmosphäre zer­stört, Wassersysteme vergiftet und Verwüstungen anderer Art an­richtet. Aber es ist nicht nur die Vorliebe für Rindfleisch, sondern der Geschmack an fleischlicher Nahrung überhaupt, der Zerstörung anrichtet. Immer mehr Getreide wird in reichen Ländern an Tiere verfüttert, das dazu benutzt werden könnte, eine große Anzahl ar­mer Menschen zu ernähren, die in anderen Ländern Hunger leiden. Das Weltbeobachtungsinstitut schätzt, daß man zweieinhalb mal so viel Getreide, wie zur Zeit produziert wird, benötigen würde, wenn man für die gegenwärtige Weltbevölkerung die Ernährungsweise westlichen Stils befürwortet,

Obwohl den angeführten Gründen bezüglich Gesundheit und Okologie Bedeutung beigemessen wird, diese Gründe Anklang fin­den und häufiger als früher über sie gesprochen wird, ist der aller­wichtigste Grund die Unterlassung des Fleischessens aus Achtung vor dem Leben der Tiere. Vom theosophischen Standpunkt aus ge­sehen haben Tiere das gleiche Recht wie Menschen, ihrer Art gemäß zu leben, d.h. zu Bedingungen, die für sie natürlich und angenehm sind. Die Rechte der Tiere dürfen nicht durch Sonderlinge und Que­rulanten oder als Bedrohung für menschliches Wohlleben abgelehnt werden. Tolstoi schrieb :

„Wir sind alle stolz auf den Fortschritt unserer Zivilisation, wir untersuchen mit Genugtuung, was wir als Erfolg in jedem Teil des Gesellschaftslebens ansehen, aber wir nehmen nicht wahr, daß unsere Existenz oft auf ungerech­testen und grausamsten Regeln beruht und daß die Menschheit der Zukunft mit der gleichen heftigen Empörung darüber reden wird wie wir heutzutage z. B. über Sklaverei und Folter."

Häufig wird zugunsten des Fleischverzehrs das Argument ange­führt, daß auch Pflanzen Leben haben. Jedoch ist jeder, der das theosophische Prinzip der Einheit allen Lebens anerkennt, be­müht, den Schaden, den er verursacht, auf ein absolutes Minimum zu beschränken. Gewiß, die Pflanze lebt, aber sie hat kein Gehirn oder Nervensystem, durch die sie Schmerz auf die gleiche jämmer­liche Art und Weise erfährt wie Tiere. Die Überlieferung sagt, daß in alten Zeiten Heilige nur von Früchten lebten und sich damit an das gleiche Prinzip hielten, den geringsten Schmerz zu verursa­chen. Natürlich sollten auch wir Pflanzen nur ein Minimum an Pein zufügen, was aber durchaus nicht rechtfertigt, Tiere wie eine Sache zu behandeln und sie zu schlachten, als ob sie nur existierten, um den Menschen zu befriedigen.Wenn wir für Vegetarismus durch Kongresse, Veröffentlichun­gen usw. eintreten, soll dabei deutlich zum Ausdruck kommen, daß die Betonung auf dem Recht der Tiere liegen sollte, in Gesund­heit, Zufriedenheit und Freiheit zu leben. Wenn aber die Bedeu­tung auf dem Nutzen, der dem Menschen aus vegetarischer Lebens­weise erwächst, gelegt wird, ist der Geist des Mitgefühls, den Tol­stoi „als eine der kostbarsten Fähigkeiten des menschlichen Her­zens" bezeichnet, in den Hintergrund verbannt worden. Ein selbst­süchtiger Grund darf keinen humanitären verdrängen, da Selbst­sucht die wesentliche Ursache für den Schmerz und das Leid der Menschheit ist. Der hartherzige, egoistische Mensch, sei er auch Vegetarier, kann Urheber für viel Leid sein, während der Mitfüh­lende dem Guten zum Durchbruch verhilft. Vegetarismus muß da­her in erster Linie auf der Sorge um das Wohlergehen anderer Geschöpfe beruhen, nicht auf der Sorge um die eigene Zukunft und Gesundheit.





Radha Burnier





Soziale Werte und spirituelle Erkenntnis
   



In allen Übergangszeiten und während jener Perioden, in denen be­merkenswerte äußere Veränderungen stattfinden, wird das Denken der Menschen auf die Probe gestellt. Sie schöpfen entweder neuen Schwung aus der Herausforderung durch die sich schnell verändern­den Verhältnisse, oder sie lassen sich niederdrücken, weil sie zu starr und konventionsgebunden sind. Wir leben jetzt in solch einer Zeit bedeutender äußerer Veränderungen. Die Technik hat die Umwelt selbst einfacher Volksstämme verändert, die in abelegenen Gebieten leben. Durch die heutige Technik möglich gewordene Eingriffe ver­ändern das Wetter, erzeugen sauren Regen, stören das Gleichgewicht in den Wäldern und beeinflussen dadurch das Leben der Menschen in vielen Gebieten. Auch die elektronische Revolution bewirkt eine größere Veränderung, da sie verschiedene Denkvorgänge überflüssig macht, ebenso wie jene Beschäftigungen und Berufe, in denen das Gedächtnis und auf dem Gedächtnis beruhende Berechnungen we­sentlich waren.

Einige bedeutsame Entdeckungen auf wissenschaftlichem Gebiet in den letzten Jahrzehnten erfordern eine Berichtigung verschiedener traditioneller Weltbilder. Die Entwicklung der Technik hat Anlaß zu der Täuschung gegeben, der Fortschritt liege in der Verbesserung von Werkzeugen und Kenntnissen. Der Mensch wurde als der ,homo faber` beschrieben, der Werkzeugmacher. Seit der Zeit des Aristote­les betrachtet man ihn auch als das ,vernunftbegabte Tier'. Es ist sein Denkvermögen, das ihn befähigt hat, das Wissen zu erwerben, das die heutigen technischen Wunder möglich gemacht hat.

Es zeugt jedoch kaum von Vernunft, eine aggressive, auf Konkur­renz ausgerichtete Lebensweise zu führen, wenn man Geräte von noch nie dagewesener zerstörender Kraft besitzt. Man erkennt heute mehr und mehr, daß die Krise, welche die menschliche Gesellschaft von allen Seiten bedrängt, nicht auf die Technik und auf die Maschi­nen zurückzuführen ist, die der Mensch geschaffen hat. Das Problem liegt in ihm selbst, in seiner moralischen Unzulänglichkeit und in seiner Unfähigkeit, die wesentlichen Werte zu erkennen. Die heutige Zivilisation wird nicht vermöge ihrer Fähigkeit zu produzieren oder Kriege zu führen ans Ziel gelangen oder versagen. Nur wenn man die völlig neuen Verhältnisse in der modernen Welt als eine Heraus­forderung erkennt, die derzeit herrschenden Wertbegriffe unserer konsumorientierten und konfliktbeladenen Gesellschaft neu zu be­trachten, besteht eine Hoffnung auf wirklichen Fortschritt. Aber wieviele Beweise es für das Versagen in einer Gesellschaft auch geben mag — und das Bestehen von Leid ist ein Versagen — die vorhande­nen Wertvorstellungen werden nicht aufgegeben.

In einem beträchtlichen Teil der Welt bilden dogmatische und autoritäre religiöse Lehrsätze die Grundlage für gesellschaftliche Be­wertungen. Humanitäre Grundsätze werden verletzt, indem bar­barische Strafen selbst für geringfügige Übertretungen auferlegt wer­den, die ihre Rechtfertigung nur in den vermeintlich unfehlbaren Geboten religiöser Autoritäten finden. Religiöse Autoritäten diktie­ren auch die Stellung der Frauen in der Gesellschaft und berauben sie grundlegender Freiheiten.

Der Mensch hat sich nicht nur seinen Mitmenschen entfremdet, sondern er betrachtet sich selbst als außerhalb der Natur stehend. Alles in der Natur und alle Lebensformen scheinen ihm nur für seinen eigenen Gebrauch und Nutzen geschaffen zu sein. Sein eige­nes Vergnügen und sein eigenes Wissen sind ihm so wichtig, daß er sich mit seinen nur auf eigenen Nutzen gerichteten Augen nur ein sehr schiefes Bild von allem machen kann. Die entsetzlichen Greuel, die mit der Vivisektion von Millionen hilfloser Tiere in den Labora­torien der Welt verbunden sind, oft nur um Resultate zu erhalten, die ohnedies schon bekannt sind, oder um Kenntnisse zu bekommen, die keinem ersichtlichen, sinnvollen Zweck dienen, die Brutalität der ,Tierfabriken` usw. — sie alle kommen aus der Pandora-Büchse dieses Utilitarismus.

Auf solche unmittelbar utilitaristischen Antriebe ist es auch zurückzuführen, daß die Natur in weitem Maß zerstört wird und die Versteppung und Wüstenbildung auf der Erde stetig zunimmt. Eine Reihe von Technologen hat bereits darauf hingewiesen, daß die Probleme, die durch den Mißbrauch der Technik geschaffen wurden, nicht von den Technologen selbst gelöst werden können. Solange die Tendenz zu verschwender-ischem Konsum anhält und eine utili­taristische Ethik die Welt beherrscht, werden solche Probleme wie die Verunreinigung der Gewässer und die Versteppung von Land­strichen andauern.

Die Welt hat die allgmeinen Werte von ahimsa (Nicht-Verlet­zen), von Einfachheit und dgl., die von den wenigen aufgeklärten Menschen in unserer Welt betont werden, abgelehnt, da sie ihnen zu utopisch und persönlich und nicht mit dem allgemeinen Fort­schritt der Gesellschaft übereinstimmend erscheinen. Aber Ereignis­se in der jüngsten Geschichte haben bewiesen, daß zwischen persön­lichen und gesellschaftlichen Werten nicht unterschieden werden kann. Eine abgestumpfte und gleichgültige Haltung beim einzelnen Menschen ist schädlich für die gesamte menschliche Gesellschaft. Systematische Grausamkeit, die Tieren zugefügt wird, schlägt auf die Menschheit zurück. Menschen, die an Gefühllosigkeit und Roh­heit gegenüber Tieren gewöhnt sind, können auch Menschen mit jener Herzlosigkeit behandeln, die sich in Konzentrationslagern ge­zeigt hat. Haß, Furcht und Mißtrauen, die einem Volk eingeflößt werden, um nationale Ziele zu erreichen, durchsetzen das ganze menschliche Verhalten. Durch Gewinnsucht wird die Welt ihrer Hilfsquellen beraubt. Das soziale Wohlbefinden des Menschen hängt aber von persönlichen Eigenschaften ab wie Güte, Einfachheit, Ehrenhaftigkeit usw. Heute sind diese Eigenschaften mehr als in früheren Zeiten wesentlich für das Wohl der menschlichen Gesell­schaft und ihr Überleben. Die Wissenschaft entdeckt Tag für Tag, wie sehr die Welt wechselseitig verbunden ist und liefert dadurch dem Menschen den Beweis, für die Verwirklichung der Einheit des Lebens arbeiten zu müssen.

Im Netzwerk der Natur gibt es überall Helfer zur wechselseitigen Unterstützung. Große, kleine und winzige Geschöpfe wirken zur Erfüllung eines einheitlichen Zweckes. „Würmer fressen ihren Weg durch den Boden, erschließen das Erdreich und machen es durch ihre Ausscheidungen fruchtbar. Fledermäuse gleiten durch die Nacht, Mücken vertilgend. Der kumulative Schall von Millionen unsichtbarer Geschöpfe, die aus Steinen fruchtbaren Boden machen und Stickstoff aus der Luft entnehmen, verwandelt den Abfall des Lebens in die Nährstoffe, von denen Pflanzen, Tiere und wir selbst leben." John P. Wiley, dessen Worte vorstehend zitiert sind, be­merkt, daß wir ohne die Mikroben nicht leben könnten, die die Hauptarbeit in der Welt leisten. „Und je angespannter die Dinge werden, umso mehr können sie vielleicht für uns noch tun" (,The Smithionian`, Juli 1981).

Mikroorganismen erzeugen Antibiotika, Aminosäuren und hun­dert andere Dinge; sie mögen eines Tages Rohöl erzeugen oder es verzehren, wenn es verschüttet wurde; sie mögen Insulin, Interferon und andere für den Menschen wertvolle Dinge hervorbringen. Wenn der Mensch mit der Natur zusammenarbeitet, wird die Natur für ihn arbeiten. Wenn auch die Mikroorganismen, an die man meistens nur im Zusammenhang mit Krankheiten denkt, in Wirklichkeit un­sichtbare Helfer des Menschen und der Lebensvorgänge sind, so sind sie nicht die einzigen. All die vielfältigen Lebensformen haben ihre Aufgabe. Die östliche Überlieferung weiß von der Existenz vie­ler Geschöpfe, die dem Menschen derzeit nicht bekannt sind, die aber unsichtbar den Teil eines einheitlichen Ökosystems bilden, einer dynamischen Lebenseinheit höherer Ordnung, in der kein We­sen das andere ignorieren oder ablehnen kann.

Die Kenntnis dieser wechselseitigen Verbundenheit und gegensei­tigen Abhängigkeit, die auch die Wissenschaft allmähich erfaßt hat, besitzt auch eine tiefgreifende Bedeutung für die Beziehungen der Menschen untereinander sowie für die Werte, die man in die mensch­liche Gesellschaft einzubauen versucht. Dieses Wissen ist ein Echo auf unserer Ebene jener spirituellen Schau, die in den berühmten Worten zusammengefaßt ist: „sarvam khalvidam brahma" — „Die ganze Welt ist Brahman". Es ist dies eine Aussage, die in vielen anderen Erklärungen von Weisen weiter ausgeschmückt wurde wie z. B. in der Mundaka Upanishad, I,2,12: „Diese unendliche Wirk­lichkeit (Brahman) ist in der Tat überall: vorn und hinten, rechts und links, unten und oben. Dieses ganze unermeßliche Universum ist Brahman."

Die Kunst der menschlichen Beziehungen zu erlernen, ist ein Kennzeichen von Weisheit. In einfachen traditionellen gesellschaft­lichen Gruppen gab es oft ein natürliches Verständnis für die wech­selseitige Verbundenheit des Lebens. Es drückte sich in dem Wider­willen aus, unnötigerweise zu töten, selbst bei der Jagd. Es lag Weis­heit im Denken des Kannibalen, der mit Abscheu erfüllt war, als er erfuhr, daß im Weltkrieg Millionen Menschen getötet wurden — er konnte die Barbaren nicht verstehen, die töteten, wenn sie keine Not an Nahrungsmitteln hatten! Der amerikanische Indianer wußte, daß er zur Erde gehörte und daß die Erde nicht sein Eigentum war. So sagte ein Häuptling im Jahr 1854: „Das wissen wir: alle Dinge sind miteinander verbunden wie das Blut, das eine Familie verbindet. Das Lebensgewebe wurde nicht vom Menschen gewebt; was immer er diesem Gewebe antut, tut er sich selbst an."

In der komplizierten Art des Lebens unserer modernen Zeit ist es viel schwerer, sich dessen bewußt zu sein, daß das Leben eines ist und daß der Mensch nur ein kleiner Teil eines wunderbaren Welt­alls ist. Aber man muß sich darüber klar sein, daß alle Werte, die der Mensch entgegen der grundlegenden Wahrheit der wechselseiti­gen Verwandtschaft und Einheit sich zu eigen macht, nur Verwir­rung und Leiden mit sich bringen. Ein mutiger Neubeginn ist not­wendig, damit uns deutlich wird, daß viele von den Verhaltenswei­sen, die als ,natürlich` betrachtet wurden, durchaus nicht natürlich sind, weil sie den Tatsachen der Natur widersprechen. Es erfordert Mut, solche Werte wie Gewaltlosigkeit anzunehmen und danach zu handeln, denn es sieht so aus, als wäre es nicht möglich zu überleben, ohne das gleiche zu tun wie die anderen.

Eine geistige Lebensauffassung bedeutet, nach Grundsätzen und Werten zu handeln, die absolut gültig sind, und nicht nach solchen, die der Zeit und den Verhältnissen bloß relativ angepaßt sind. Die absoluten Werte sind mit den Tatsachen der Natur verknüpft und nicht mit Bequemlichkeit, Selbstsucht und nützlichen persönlichen Gesichtspunkten. Erleuchtete wie Buddha, die die Wahrheit erkannt und verwirklicht haben, sehen die Bedeutung und den Sinn des Le­bens sowie die wirklich absoluten Werte sich in allem, was existiert, offenbaren. Weil sie im Einklang mit dieser Verwirklichung leben, personifizieren sie Liebe und Mitgefühl. Ihr Leben setzt ein Beispiel für Verhaltensweisen, die nicht ,weise` sind von einem weltlichen Standpunkt aus gesehen, die sich aber als absolut richtig erweisen, weil sie eine Geisteshaltung universeller Liebe und universellen Mit­gefühls ausdrücken, die gänzlich frei von persönlichen Motiven und Interessen ist.

Alle großen Lehrer haben die Bedeutung des inneren Erwachens zur Wahrheit betont, denn ohne diese endet jedes menschliche Tun in Sinnlosigkeit und Leid. Versuche zu sozialen Reformen führen zu entarteten Sitten und Ausbeutung einiger Personen durch andere, weil ohne inneres Erwachen zur Wahrheit, — die Liebe ist —, die äußeren Formen unlauter und unehrlich werden. Im Lauf der Ge­schichte hat es Revolutionen vieler Art gegeben, aber sie verfehlten, das zu erreichen, worauf sie Anspruch erhoben. Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit waren kaum mehr als eine Propagandaphrase, um ein Regime zu stürzen. Sie brachten keinen grundlegenden Wan­del zustande.

Man kann nicht alle Anstrengungen und Bemühungen negieren, die auf der äußeren Ebene Verbesserungen herbeiführen und aufbau­en möchten. Aber gleichzeitig muß ein hinreichend klares Bewußt­sein dafür bestehen, wie notwendig es ist, die Geheimnisse und Wahrheiten des Lebens kennenzulernen, denn sonst wird es ein fort­gesetztes Versagen geben. Die Höhe, zu der eine Zivilisation aufstei­gen kann, hängt davon ab, wie weit das Streben nach Wahrheit durch philosophisches und wissenschaftliches Forschen sowie religiöses Bemühen mit der Kultur eines Volkes verwoben ist und wie weit soziale Werte mit den erlangten spirituellen Einsichten in Beziehung gebracht werden. Philosophie, Religion und Wissenschaft können und sollten einen praktischen Einfluß auf die Fragen menschlicher Beziehungen und der Beschaffenheit menschlichen Lebens und der Gesellschaft haben. Jeder von diesen ist ein Weg zur Wahrheit, und die Wahrheit hat die Fähigkeit zu verwandeln und umzugestalten — mit den Worten des hl. Johannes : „Ihr werdet die Wahrheit erken­nen, und die Wahrheit wird euch frei machen" (Joh. 8,32). In diesem Wort ,Wahrheit` ist die Gesamtheit jener Werte enthalten, die voll­kommen und heilsam sind.





 
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