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Als 1993 nach einhundert Jahren ein zweites Parlament der Weltreligionen in Chicago zusammentraf, unterzeichneten wichtige religiöse Vertreter sämtlicher Religionen der Menschheit eine gemeinsame Deklaration zum Weltethos. In dieser Deklaration einigten sie sich auf gemeinsame verbindliche ethische Werte und Normen, welche sie jeweils in den Geboten ihrer eigenen Religion schon vorfanden.

Möglich wurde die Weltethoserklärung durch die aufopferungsvolle Arbeit des Prof.Dr. Hans Küng, welcher unter anderem in vielen Publikationen der Idee des Weltethos Gestalt gegeben und den eigentlichen Text der Erklärung ausgehandelt und niedergeschrieben hat. Er ist Präsident der von   Graf K.K. von der Groeben gestifteten Stiftung Weltethos .

In allen Religionen lebt die Offenbarung des Göttlich-Guten. Die Weltethoserklärung ist die erste gemeinsame Antwort der Menschheit auf diese Offenbarung, die erste gemeinsame Bejahung göttlicher Unterweisung. 

Die Weltethoserklärung setzt der Globalisierung  der Ausbeutung und Unterdrückung der Menschen, der Umweltzerstörung, der Aggression im Namen der Religion, der Fremdenfeindlichkeit,der Diskriminierung jeglicher Art etc  die realistische Vision einer besseren Welt gegenüber. 



Die Prinzipien des Weltethos lauten:



Keine neue Weltordnung ohne ein Weltethos

Jeder Mensch muß menschlich behandelt werden

Verpflichtung auf eine Kultur der Gewaltlosigkeit und der Ehrfurcht vor allem Leben

Verpflichtung auf eine Kultur der Solidarität und eine gerechte Wirtschaftsordnung

Verpflichtung auf eine Kultur der Toleranz und ein Leben in Wahrhaftigkeit

Verpflichtung auf eine Kultur der Gleichberechtigung von Mann und Frau




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Auszug aus dem Text der Deklaration zum Weltethos

Einführung

Die Welt liegt in Agonie. Diese Agonie ist so durchdringend und bedrängend, daß wir uns herausgefordert fühlen, ihre Erscheinungsformen zu benennen, so daß die Tiefe unserer Besorgnis deutlich werden mag.

Der Friede entzieht sich uns – der Planet wird zerstört – Nachbarn leben in Angst – Frauen und Männer sind entfremdet voneinander – Kinder sterben!

Das ist abscheulich!

Wir verurteilen den Mißbrauch der Ökosysteme unserer Erde.

Wir verurteilen die Armut, die Lebenschancen erstickt; den Hunger, der den menschlichen Körper schwächt; die wirtschaftlichen Ungleichheiten, die so viele Familien mit Ruin bedrohen.

Wir verurteilen die soziale Unordnung der Nationen; die Mißachtung der Gerechtigkeit, welche    Bürger an den Rand drängt; die Anarchie, welche in unseren Gemeinden Platz greift; und den sinnlosen Tod von Kindern durch Gewalt. Insbesondere verurteilen wir Aggression und Haß im    Namen der Religion.

Diese Agonie muß nicht sein.

Sie muß nicht sein, weil die Grundlage für ein Ethos bereits existiert. Dieses Ethos bietet die Möglichkeit zu einer besseren individuellen und globalen Ordnung und führt die Menschen weg von Verzweiflung und die Gesellschaften weg vom Chaos.

Wir sind Frauen und Männer, welche sich zu den Geboten und Praktiken der Religionen der Welt bekennen:

Wir bekräftigen, daß sich in den Lehren der Religionen ein gemeinsamer Bestand von Kernwerten findet und daß diese die Grundlage für ein Weltethos bilden.

Wir bekräftigen, daß diese Wahrheit bereits bekannt ist, aber noch mit Herz und Tat gelebt werden muß

Wir bekräftigen, daß es eine unwiderrufbare, unbedingte Norm für alle Bereiche des Lebens gibt, für Familien und Gemeinden, für Rassen, Nationen und Religionen. Es gibt bereits uralte Richtlinien für menschliches Verhalten, die in den Lehren der Religionen der Welt gefunden werden können und welche die Bedingung für eine dauerhafte Weltordnung sind.

Wir erklären:

Wir sind alle voneinander abhängig. Jeder von uns hängt vom Wohlergehen des Ganzen ab. Deshalb haben wir Achtung vor der Gemeinschaft der Lebewesen, der Menschen, Tiere und Pflanzen, und haben Sorge für die Erhaltung der Erde, der Luft, des Wassers und des Bodens.

Wir tragen die individuelle Verantwortung für alles, was wir tun. All unsere Entscheidungen, Handlungen und Unterlassungen haben Konsequenzen.

Wir müssen andere behandeln, wie wir von anderen behandelt werden wollen. Wir verpflichten uns, Leben und Würde, Individualität und Verschiedenheit zu achten, so daß jede Person menschlich behandelt wird – und zwar ohne Ausnahme. Wir müssen Geduld und Akzeptanz üben. Wir müssen fähig sein zu vergeben, indem wir von der Vergangenheit lernen, aber es niemals zulassen, daß wir selber Gefangene der Erinnerungen des Hasses bleiben. Indem wir unsere Herzen einander öffnen, müssen wir unsere engstirnigen Streitigkeiten um der Sache der Weltgemeinschaft willen begraben und so eine Kultur der Solidarität und gegenseitigen Verbundenheit praktizieren.

Wir betrachten die Menschheit als unsere Familie. Wir müssen danach streben, freundlich und großzügig zu sein. Wir dürfen nicht allein für uns selber leben, müssen vielmehr auch anderen
dienen und niemals die Kinder, die Alten, die Armen, die Leidenden, die Behinderten, die
Flüchtlinge und die Einsamen vergessen. Niemand soll jemals als Bürger zweiter Klasse
betrachtet oder behandelt oder, in welcher Weise auch immer, ausgebeutet werden.
Es sollte eine gleichberechtigte Partnerschaft zwischen Mann und Frau geben. Wir dürfen
keinerlei sexuelle Unmoral begehen. Wir müssen alle Formen der Herrschaft oder des Mißbrauchs hinter uns lassen.

Wir verpflichten uns auf eine Kultur der Gewaltlosigkeit, des Respekts, der Gerechtigkeit und des Friedens. Wir werden keine anderen Menschen unterdrücken, schädigen, foltern, gar töten und auf Gewalt als Mittel zum Austrag von Differenzen verzichten.

Wir müssen nach einer gerechten sozialen und ökonomischen Ordnung streben, in der jeder die gleiche Chance erhält, seine vollen Möglichkeiten als Mensch auszuschöpfen. Wir müssen in Wahrhaftigkeit sprechen und handeln sowie mit Mitgefühl, indem wir mit allen in fairer Weise
umgehen und Vorurteile und Haß vermeiden. Wir dürfen nicht stehlen. Wir müssen vielmehr die Herrschaft der Sucht nach Macht, Prestige, Geld und Konsum überwinden, um eine gerechte und friedvolle Welt zu schaffen.

Die Erde kann nicht zum besseren verändert werden, wenn sich nicht das Bewußtsein der Einzelnen zuerst ändert. Wir versprechen, unsere Wahrnehmungsfähigkeit zu erweitern, indem wir unseren Geist disziplinieren durch Meditation, Gebet oder positives Denken. Ohne Risiko und ohne Opferbereitschaft kann es keine grundlegende Veränderung in unserer Situation geben. Deshalb verpflichten wir uns auf dieses Weltethos, auf Verständnis füreinander und auf sozialverträgliche, friedensfördernde und naturfreundliche Lebensformen.

Wir laden alle Menschen, ob religiös oder nicht, dazu ein, dasselbe zu tun.

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Den kompletten Text und viele Informationen findest Du bei
der  STIFTUNG WELTETHOS



Die Theosophische Gesellschaft Adyar ist Mitunterzeichner (Radha Burnier) der Weltethoserklärung.   Die in ihr festgeschriebenen Werte und Normen sind konkretisierte theosophische Ideale.



Für die Ideale des Weltethos setzten sich beim Parlament der Weltreligionen folgende  Persönlichkeiten der Theosophischen Bewegung ein:

Radha Burnier, Internationale Präsidentin der Theosophischen Gesellschaft Adyar,Indien

John Algeo, Vize-Präsident der Theosophischen Gesellschaft Adyar

Joy Mills, National Präsident der Theosophischen Gesellschaft in Australien

Grace F. Knoche, Leader der Theosophischen Gesellschaft, Pasadena

Alan Dounant, Theosopische Gesellschaft, Pasadena

Rosemary Jourdan, United Lodge of Theosophists, New York





Eine Weltethoserklärung ist noch nicht die Verwirklichung des Weltethos!                                  Es kommt nun darauf an, das möglichst alle Menschen, die diese Idee gut finden, sich konsequent für sie einsetzen.

Die Hamburger Gruppe Hamsa der TG Adyar bekennt sich mit ihrer Präsidentin zum  Weltethos.                                                                                                                        

Wir haben im Jahr 2007  an mehreren Abenden Veranstaltungen zu je einer der großen Religionen durchgeführt. 2008 werden Betrachtungen zu den kleineren Religionen folgen. In den anschließenden Gesprächen wollen wir uns u.a. mit den Fragen beschäftigen:

1. Wie stark ist das Weltethos in unserer theosophischen Tradition begründet?

2.Inwiefern stimmt unsere Tradition mit anderen ethischen Traditionen überein?

3.Was kann die Theosophie Eigentümliches, Spezifisches, Spezielles  zum Ethos beitragen?

4.Was können wir tun, um die Bruderschaft der Religionen zu fördern?

Vertreter aller Religionen und Interessenten sind hierzu herzlich eingeladen!


Die Benutzung des Weltethos-Logo erfolgt mit direkter freundlicher Genehmigung                            durch Prof. Dr. Hans Küng!

Beitrag: R.M.S.

 
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