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                                                               Gedanken von Franz Hartmann


Das Wort »Theosophie« ist zusammengesetzt aus dem griechischen Theos (Gott) und Sophia (Weisheit) und bedeutet die höchste Weisheit, oder die Selbsterkenntnis GOTTES im Menschen.

Sie ist die Selbsterkenntnis des Wahren, die nicht auf Hörensagen, Beobachtungen, Schlussfolgerungen, Mei­nen, Dünken, Wähnen, Fürwahrhalten,                         sondern auf dem Offenbarwerden »Der Wahrheit« im eigenen Inneren beruht,              und dadurch stattfindet, dass der Mensch zum wahren Selbstbewusstsein               der ihm inne­wohnenden höheren Natur gelangt, wenn diese in ihm lebendig wird.

Sie hat folglich nichts mit Phantasien, Träumereien und Hirngespinsten zu tun;          sie ist über alle Verstandesspekulationen erhaben und wird deshalb vom Apostel Paulus in seinem Briefe an die Korinther «okkult« oder "verborgen" genannt,                         nicht weil man sie irgend jemand verbergen oder verheimlichen wollte,                  sondern weil nicht jeder reif dazu ist, sie zu erfassen.

Sie kann nicht aus Bü­chern gelernt werden, sondern man findet sie nur dort im eigenen Inneren, wo das Licht, das aus den Höheren Geistigen Regionen des Weltalls stammt, sich in der Seele des Menschen, der dafür empfänglich ist, wider spiegelt,              dort, wo im Heiligturne des Herzens das Gottes­bewußtsein wohnt,                          von dem ein jeder Mensch einen Funken mit auf die Welt bringt,                            und der in jedem durch den Einfluss des Lichtes »Der Wahrheit« erweckt werden kann.

Theosophie ist die Gotteserkenntnis und bedeutet die geistige Erkenntnis des göttlichen Wesens, das allen Menschen innewohnt und die Ursache des Daseins aller Geschöpfe ist.

Sie ist somit die höchste, wahre, innerliche Selbsterkenntnis und kein System von irgend welchen Theorien, Glaubens­artikeln, Ansichten oder Meinungen;                  aber in neuerer Zeit wurde der Sinn dieses Wortes verkannt und seine Bedeutung verkehrt aufgefasst, und die große Menge bezeichnet heutzutage damit ein System, in dem die Lehren der Weisen inbezug auf die Erschaf­fung der Welt, die Zusammensetzung des Weltalls und des Menschen, die Zustände der Seele nach dem Tode des Körpers usw. dargelegt werden; das Eigen­tümliche dieser Lehren besteht aber darin,             dass sie erst dann dem Leser völlig klar werden können, wenn er selbst ein Theosoph geworden ist, d. h, das göttliche Schauen und Erkennen erreicht hat.

Die Theosophie im wahren Sinne des Wortes ist weder ein religiöses noch ein wissenschaftliches System, sondern das Licht der Selbsterkenntnis, das im Inneren des Menschen aufgeht, wenn er dem Selbstwahne entwächst und seine Einheit mit dem Schöpfer des Alls und allen seinen Werken empfindet.

Die Theosophie ist die Erkenntnis der Wahrheit, die den Verstand des Menschen, der allen Vorurteilen entwachsen ist, erleuchtet. Sie ist selbstverständlich und bedarf keiner Beweise; vielmehr muss jeder Mensch einen gewissen Grad von eigener Vernunft oder Selbst­erkenntnis besitzen, wenn er erkennen will, ob in einem Beweise »Wahrheit« enthalten ist.

Die Theosophie ist das geistig-göttliche Leben im Menschen selbst, seine höchste Vernunft. Sie ist die intuitive Erkenntnis des Wahren im Herzen des Menschen, die nicht mit Phantasterei, Aberglauben, Schwärmerei, Spekulation und Autoritätenwahn zu tun hat. Sie ist die geistige Erkenntnis, die dem Selbst­bewusstsein des zum geistigen Leben erwachten Men­schen entspricht.


                                 



 
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