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1.    

Einen Kern der allumfassenden Bruderschaft
(Geschwisterschaft)                         der Menschheit zu bilden ohne Unterschied von
Rasse, Glauben, Geschlecht, des Standes oder der
Hautfarbe.

2.    

Zum vergleichenden Studium von Religion,
Philosophie und Wissenschaft anzuregen.

3.
   

Die Erforschung ungeklärter Naturgesetze
und der latenten Kräfte im Menschen


(Anmerkung zu Ziel Nr.1                                                                                    Oft wird der Begriff "Bruderschaft" so verstanden als handle es sich hierbei um einen Männerbund. Das ist selbstverständlich nicht der Fall.                                           Es ist vielmehr ein gemeinsames Ideal, ein Wirken von Frauen und Männern zum Wohl aller Wesen gemeint. Alle Menschen, Tiere, Pflanzen sind Brüder, denn sie sind in ihrem Innersten eins.  R.M.S.)












Auszug aus dem
Brief des Mahachoan ,
Oberhaupt der spirituellen Hierarchie der
Mahatma (spiritueller Lehrer der  Meister )                                            


ca. 1881
 


Der Brief des Mahachoan richtete sich an Alfred P. Sinnett (1840-1921)und A.O.Hume (1829-1912 ; von 1885-1908 Generalsekretär des Indischen Nationalkongress). Diese standen seit längerer Zeit in brieflichen Kontakt mit einem jener geheimnisvollen Mahatma, die auch Meister der Weisheit genannt werden - die eigentlichen Initiatoren der Theosophischen Gesellschaft.                                                                  Hume und Sinnett planten eine besondere "Theosophische Gesellschaft" zu gründen, welche das oben genannte  1. Ziel (die allumfasssende Bruderschaft der Menschheit) aufgeben sollte, und stattdessen den Hauptzweck der Gesellschaft darin sah, Okkultismus zu betreiben. In seinem Brief klärt der Mahachoan unmißverständlich auf, daß die Bruderschaft der Menschheit die eigentliche Bestimmung der Theosophischen Gesellschaft ist, dem jedes andere Ziel untergeordnet ist.

Das 1. Ziel ist das Einzige, zu dem sich jedes Mitglied bei seinem Eintritt bekennt, und sich verpflichtet,  n i e m a l s  bewußt dem Ideal Bruderschaft der Menschheit entgegen zu handeln.  Mit Ausnahme dieses einen Zieles ist jedes Mitglied völlig frei.

                                                                                                         R.M.S.


...Wir müssen das Wissen der Theosophie deshalb verbreiten, damit unsere Lehren einen praktischen Einfluß auf den sogenannten Moralkodex, auf die allgemeinen Vorstellungen von Wahrheit, Reinheit, Selbstverleugnung, Barmherzigkeit usw. ausüben können.
Nicht der individuell begrenzte Zweck, für sich selbst Nirvana (den Höhepunkt alles Wissens und absoluter Weisheit) zu erlangen,  was doch nur ein ver-feinerter und verklärter Egoismus wäre, sondern das aufopfernde Suchen nach den wirksamsten Mitteln, unseren Nächsten auf den rechten Weg zu führen und zu bewirken, daß möglichst viele unserer Mitmenschen daraus Nutzen ziehen, macht den wahren Theosophen aus.(...)


Es ist Zeit, daß die Theosophie in die Arena tritt; die Söhne (und Töchter R.M.S.) von Theosophen werden mit größerer Wahrscheinlichkeit wieder Theosophen werden als etwas anderes. Kein Verkünder der Wahrheit, kein Prophet, hat schon während seiner Lebenszeit einen vollen Triumph errungen, nicht einmal Buddha selbst.Die Theosophische Gesellschaft wurde zum Eckstein, zur Grundlage der künftigen Religionen der Menschheit ausersehen. Zur Erreichung des gesteckten Zieles ist eine stärkere, weisere und vor allem wohlwollendere Vermischung zwischen hoch und niedrig, zwischen dem Alpha und dem Omega der menschlichen Gesellschaft beschlossen.

Die weiße Rasse muß als erste die Bruderhand den farbigen Völkern entgegen-strecken und den armen, verachteten „Nigger“ Bruder nennen. Diese Aussicht mag nicht jedem behagen, aber wer sich gegen diesen Grundsatz sträubt, der ist kein Theosoph...
Wie soll in Anbetracht des fortschreitenden Triumphes der Gedankenfreiheit und der Freiheit überhaupt (Eliphas Levi würde es eine umfassende Herrschaft des Satans genannt haben) der kämpferische Naturinstinkt der Menschen davon abgehalten werden, bisher unerhörte Grausamkeiten und Ungerechtigkeiten zu begehen, wenn nicht durch den besänftigenden Einfluß einer Bruderschaft und durch die praktische Anwendung der esoterischen Lehren Buddhas? Denn wie jedermann weiß, bedeutet die völlige Lossagung von der Autorität der einen alles durchdringenden Kraft der Gesetzmäßigkeit, die von den Priestern Gott, von den Philosophen der verschiedenen Zeiten aber Buddha, Göttliche Weisheit und Erleuchtung oder Theosophie genannt wird, zugleich auch die Lossagung von allem menschlichen Gesetz.

Einmal von dem Ballast ihrer dogmatischen Auslegungen, persönlichen Benennungen, menschenähnlichen Vorstellungen und bezahlten Priester befreit, werden sich die Grundlehren aller Religionen als gleich in ihrer esoterischen Bedeutung erweisen. Osiris, Krishna, Buddha und Christus werden sich als bloß verschiedene Namen für eine und dieselbe königliche Straße zur endgültigen Seligkeit, zum Nirvana, zeigen.

Das mystische Christentum, das ist jenes Christentum, welches Selbsterlösung durch unser eigenes siebentes Prinzip lehrt, jenes befreite Para-Atma (Augoeides), welches von manchen Christus, von anderen Buddha genannt wird und gleichbedeutend ist mit Selbsterneuerung oder Wiedergeburt im Geist, wird als eben dieselbe Wahrheit befunden werden wie das Nirvana des Buddhismus. Wir alle müssen uns unseres eigenen Egos, unseres täuschenden scheinbaren Selbstes, entledigen, um unser wahres Selbst in einem jenseitigen göttlichen Leben zu erkennen. Aber wenn wir nicht selbstsüchtig sein wollen, müssen wir trachten, auch andere Menschen die Augen für diese Wahrheit zu öffnen, damit sie die Wirklichkeit dieses transzendentalen Selbstes, des Buddha, Christus oder Gottes aller Prediger erkennen. Dies ist der Grund, weshalb schon der exoterische Buddhismus der sicherste Weg ist, den Menschen zu der einen esoterischen Wahrheit hinzuführen.

Wie die Welt heute beschaffen ist, finden wir, gleichgültig, ob in ihrem christlichen, mohammedanischen oder heidnischen Teil, die Gerechtigkeit mißachtet und Ehre und Barmherzigkeit in alle Winde zerstreut. Wie sollen wir nun, da wir sehen, daß die Hauptziele der Theosophischen Gesellschaft selbst von denjenigen falsch ausgelegt werden, die am allerwilligsten sind, uns persönlich zu dienen, uns gegenüber der übrigen Menschheit verhalten und jenem Fluch des sogenannten „Kampfes ums Dasein“ entgegenwirken, welcher die wirkliche und furchtbarste zeugende Ursache der meisten Leiden und Sorgen und aller Verbrechen ist? Warum ist dieser Kampf fast zu einem universellen Gesetz geworden? Wir anworten: Weil keine Religion, mit Ausnahme des Buddhismus, bisher in der Praxis eine Verachtung des irdischen Lebens gelehrt hat, während jede von ihnen, mit dieser einzigen Ausnahme, durch ihre Lehren von Hölle und Verdammnis die größte Furcht vor dem Tod verbreitet hat. Darum können wir diesen Kampf am grimmigsten in den christlichen Ländern wüten sehen, am härtesten in Europa und Amerika.(...)

Wenn nun Theosophen sagen: „Wir haben mit all dem nichts zu tun; die unteren Klassen und die niedrigeren Rassen (z. B. die Inder nach der Auffassung der Briten) gehen uns nichts an, sie müssen mit ihren Angelegenheiten selber fertig werden, so gut sie eben können“ — wo bleibt dann unser schönes Bekenntnis zu Güte und Wohlwollen, zu Menschenfreundlichkeit, zu Reformen usw.? Sind alle diese Bekenntnisse nur Täuschung und Hohn? Und wenn sie es sind, kann unser Weg dann der wahre sein? Sollen wir uns vielleicht nur der Aufgabe widmen, eine geringe Anzahl von Europäern, die sich vom Reichtum des Landes mästen, viele darunter reich beladen mit den Gaben blinden Glücks, die logischen Grundlagen des Glockenklingelns, des Hervorbringens von Gegenständen, des Geistertelefons und der Bildung des Astralkörpers zu lehren und dafür die zahllosen Millionen von Unwissenden, Armen und Verachteten, Niedrigen und Unterdrückten sich selbst überlassen, daß sie aus eigenem für sich und ihre Zukunft sorgen?

Nimmermehr! Eher möge die Theosophische Gesellschaft samt ihren beiden unglücklichen Gründern zugrunde gehen, als daß wir erlauben sollten, daß sie nichts Besseres als eine Akademie der magischen Künste, ein Lehrsaal des Okkultismus werde. Daß wir, ergebenen Nachfolger jenes verkörperten Geistes der absoluten Selbstaufopferung, Menschheitsliebe, göttlicher Güte und höchsten Tugenden, die auf dieser Welt des Kummers erreichbar sind, des Größten aller Menschen, Gautama Buddha, jemals erlauben sollten, daß die Theosophische Gesellschaft zu einer Verköperung der Selbstsucht werde, zu einem Ort des Heiles für einige wenige, die nur an sich denken und die vielen vergessen, das ist eine seltsame Vorstellung, meine Brüder.





                                        
 
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